Wenn über die Qualität unserer Schulbücher geklagt wird, bedeutet das nicht eigentlich auch, dass generelle Bildungsmängel bereits auch bei Leuten aus Generationen festgestellt werden können, bei denen man das noch überhaupt nicht protokolliert hatte?
Ich bin weder Bildungspolitiker, noch musste ich mich jemals mit einem pädagogischen Auftrag herumquälen. Deshalb frage ich einmal ganz einfach: Ist das Folgende wirklich von so elementarer Bedeutung?
Die DDR-Geschichte dürfe nicht einfach als ein Aspekt des Sowjetimperiums begriffen werden, sondern als Folge des Zweiten Weltkriegs
Da halte ich eine zweite Äußerung des Präsidenten der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, für weitaus bedeutsamer. Er stellt fest, dass für viele Westdeutsche, die 1990 die Einheit mit Euphorie erlebt hätten, danach nur noch die finanzielle Belastung durch den Solidaritätszuschlag Thema gewesen sei.
Das war und ist wohl auch heute so, aber andererseits frage ich, wie die Vereinigung zweier Staaten, unabhängig vom jeweiligen Ausgangspunkt, wohl anders hätte aussehen sollen. Ist es nicht naiv zu glauben, dass einer wie auch immer motivierten augenblicklichen beiderseitigen Begeisterung für die erreichten und wahrhaftig überwältigenden Veränderungen, eine zwangsläufige positive Entwicklung der persönlichen oder allgemeinen Beziehungen zwischen Millionen von Menschen entstehen könnte? Dass in diesem noch lange Jahre andauernden Prozess Fehler passiert sind und passieren werden, bestreitet niemand. Nur, dass wir einzelne Fehler stets zur Begründung vermeintlicher und genereller Fehlentwicklungen missbrauchen und uns damit aus der Verantwortung ziehen, ist kein schöner Zug. Aber so sind wir Deutschen vielleicht. Vielleicht sind ja aber auch alle Menschen so. Ich weiß es nicht. Schließlich gibt es keinen vergleichbaren historischen Meilenstein, an dem wir uns und das, was seit 1989 geschehen ist, messen könnten.
Vielleicht wäre es gut, wenn ein paar solcher Zweifel und Unzulänglichkeiten in unsere Schulbücher aufgenommen würden. Das würde den Status quo in den Beziehungen von Ost und West wenigstens ehrlich darstellen. Am Ende wäre das vielleicht sogar wichtiger, als den Schülerinnen und Schülern zu erklären, dass das 3. Reich ursächlich für die Teilung Deutschlands war. Das wissen die nämlich bestimmt (hoffe ich) die meisten, auch wenn gerade daran scheinbar immer wieder gezweifelt wird.
Netzeitung: Harsche Kritik an DDR-Bild in Schulbüchern
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