Anne Will hatte das Thema auf ihre Agenda gesetzt. Neues gab es nicht zu vermelden. Außer, dass die Beteiligten sich in einer Beziehung wohl in einem Punkt einig zu sein schienen: Die Hauptschule ist verloren.
Eine schlimme Botschaft, wie ich finde. Über diejenigen, die für diese Entwicklung die Verantwortung tragen, konnte man sich natürlich nicht einig werden. Die einen wollten die Verantwortung bei den Familien, die anderen beim Staat und wieder andere bei den Schulen sehen.
Konsens war auf der anderen Seite, dass nur alle Institutionen gemeinsam etwas zum Besseren bewegen könnten. In einem “Einspieler” bekamen wir vorgeführt, wie verheerend es offenbar an manchen Hauptschulen zugeht. Anknüpfend an diesen Beitrag vermag man wirklich nur ratlos und verständnislos den Kopf zu schütteln. Für mich sind es vorrangig die Eltern, die ihre Kinder (ich habe keine!) nicht erzogen haben. Was aus ihnen wurde bzw. in Zukunft noch wird, ist für mich in erster Linie den Eltern zuzuschreiben. Ich mag es nicht gelten lassen, dass, wie in der Diskussion gesagt wurde, manche Menschen die Verantwortung ihren Kindern gegenüber in dieser Beziehung nicht wahrnehmen könnten. Wieder kam das Argument, dass fehlende Bildung dazu führe und die Botschaft, dass man von Menschen, die u.U. in der 2. Generation Sozialhilfeempfänger seien, nichts anderes erwarten könne. Also: Legen wir uns wieder hin. So kann das doch nichts werden!!!
Leute (Kinder und Jugendliche an solchen Schulen) mit einer solchen Einstellung können von Lehrern und später von Ausbildern in den Betrieben für meine Begriffe unmöglich nicht geführt und angeleitet werden. Sie sind unkonzentriert, unwillig, desinteressiert und und und. Es war einfach nur erschreckend. Und noch einmal: Das sind für meine Begriffe Versäumnisse, die in den Elternhäusern begangen wurden. Das kann der Staat nicht ausgleichen. Es sei denn, man würde viel früher, schon im Vorschulalter etwas tun, das Sinn und Verstand hätte. Ansätze dafür gibt es. Nur werden diese bisher leider kaum umgesetzt.












Manchmal wenn ich solche Horrorgeschichten über Hauptschulen höre, frage ich mich, ob ich nur Glück hatte. Oder ob die Entwicklung in den letzten Jahren so rapide nach unten geht, schließlich ist meine Hauptschulzeit schon etwas her und wenn ich mir Lehrer und Schule an sich so in Erinnerung rufe, hatte ich zumindest eine weiterführende Schule die auch im Benehmen der Mitschüler schlechter war. Meine jüngere Schwester hat die gleiche Hauptschule ein paar Jahre später abgeschlossen, auch sie hatte wenig zu beklagen. Obwohl da schon der Wert des Hauptschulabschlusses stark gesunken ist, zu meiner Zeit hatten alle noch eine gute Chance auf einen Ausbildungsplatz. Heute oder schon vor ein paar Jahren hat sich das ja geändert. Selbst in klassische Hauptschulberufe drängen eben schon Schüler mit mittlerer Reife, das ist die Fortführung einer alten Entwicklung. Ich kenne noch einen alten stellvertrenden Sparkassenleiter, der “nur” die Hauptschule abgeschlossen hat. Heute würde ein Hauptschüler der sich bei der Sparkasse bewirkt wohl Lachanfälle auslösen. Und leider betrifft das eben inzwischen auch das gute alte Handwerk, wenn jemand die Wahl hat zwischen einem Real- und einem Hauptschüler, dann ist der Ruf der Hauptschule inzwischen soweit ruiniert, dass der Ausbilder die Bewerbung des Hauptschülers gar nicht erst beachtet.
Leider ist es so. Andererseits haben wir immer gesagt, dass das Bildungsniveau weiter steigen muss. Sicher ist eine der Konsequenzen hieraus, dass dieses höhere Niveau auch abgefragt wird. Diejenigen, die nicht mithalten können, bleiben auf der Strecke. Hierauf scheint unsere Gesellschaft außer Achselzucken keine Antworten bieten zu können. Solange wir uns so stark über Bildungsniveau und Leistung definieren und das haben wir wohl überwiegend verinnerlicht, werden wir mit diesen Ungerechtigkeiten leben müssen.
Am Ende sind die Menschen, die unsere Gesellschaft auf diese Weise durchs Raster rutschen lässt, die so genannten Globalisierungsverlierer. Man sieht, dass man mit einem solchen Wort alle möglichen gesellschaftlichen Fehlentwicklungen erklären kann.