Wenn man mehr Geld aus- als einnimmt, macht man Schulden. Unser Staat gibt uns ein tolles Vorbild. Wer Glück hat, für den ist eine solche Erfahrung ein einmaliges oder seltenes Ereignis. Für andere, offenbar für eine gewaltige Zahl von Menschen in Deutschland, ist es jedoch gegenwärtige Lebensrealität. 7,3 Millionen Menschen geben mehr aus, als sie haben.
Interessant ist ein Blick auf die Deutschlandkarte. Sofort fällt auf, dass die Lage im Süden des Landes deutlich besser ist. Die farblich hervorgehobenen Schuldneranteile sind dort nur in ein paar Ballungszentren eher zart angedeutet. In den Zeitungsmeldungen begründet man Schulden mit Arbeitslosigkeit und übermäßigem Konsum. Darin werden die Hauptursachen für Überschuldungen gesehen. Nun weiß jedes Kind, dass in Baden-Württemberg sparsame Menschen leben.
Dass das auch für die Bayern und mindestens teilweise auch für die Sachsen gilt, war mir persönlich bisher nicht so klar.
Weshalb ist der Lebensstandard in Deutschland in den letzten Jahren stark gesunken? Vermutlich doch wohl vor allem deshalb, weil die Realeinkommen bekanntlich seit Anfang der 90er Jahre gesunken sind. Dort, wo die Wirtschaft halbwegs intakt geblieben ist (in Baden-Württemberg und Bayern) scheinen die Uhren anderes zu ticken. Der Lebensstandard ist im Vergleich mit anderen Bundesländern hoch geblieben und die Lebensqualität wird durchgehend besser bewertet, jedenfalls nach allem, was ich dazu in den letzten Jahren gelesen und gehört habe.
Gab es früher (bis in die 70er Jahre hinein) das Nord-Süd-Gefälle, so hat sich dieses inzwischen längst ins Süd-Nord-Gefälle verwandelt. Nur, ist das allein auf eine bessere Politik in diesen Ländern zurückzuführen? Eigentlich wäre das allein deshalb nicht plausibel, weil uns doch immer erzählt wird, wie wenig regionale Politik angesichts einer globalisierten Wirtschaft, Einfluss auf solche Dinge nehmen kann. Wahrscheinlich ist es so, dass die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung in diesen Ländern mit dem vor Jahrzehnten eingeleiteten Strukturwandel diesen deutlichen Vorteil (für alle Bürger) gegenüber den anderen Bundesländern nach sich zog. Die Politik des Strukturwandels war natürlich langfristig angelegt. Zu einer Zeit wurden diese Weichenstellungen vorgenommen, als nationale und sogar regionale Politik noch einen hohen Wirkungsgrad hatten. Insofern profitieren die Bürgerinnen und Bürger in diesen Ländern und man kann diese Konstellation vermutlich nur mit einem gewissen Fatalismus zur Kenntnis nehmen. Das heißt auf der anderen Seite aber auch, dass die Menschen in allen anderen Bundesländern nicht neidisch ‘gen Süden schauen müssen.
Die Menschen in Bayern und Baden-Württemberg befinden sich in einer privilegierten Situation. Sie haben vergleichsweise sichere Jobs und verdienen deutlich besser. Sie können ihren Lebensunterhalt bestreiten, ohne dafür Schulden machen zu müssen. Es ist nicht wahrscheinlich, dass sich die Menschen in diesen Ländern hinsichtlich ihrer generellen “Bereitschaft” über ihre Verhältnisse zu leben, von denen unterscheiden, die weiter nördlich leben. Die deutlich bessere Situation im Süden hat also mit der dortigen Wirtschaftskraft zu tun. Statt sich aber mit dieser Erkenntnis mehr auseinander zu setzen, wird in den Medien in erster Linie darauf reflektiert, dass z.B. Alleinerziehende in dieser Beziehung besonders gefährdet seien oder dass “viele Deutsche ihre Konsummöglichkeiten überschätzen”. Klar, natürlich sind das auch Teile des Problems. In erster Linie sind Leute aber deshalb in die Schuldenfalle getappt, weil sie keine ausreichende Existenzgrundlage mehr finden. Auf gut Deutsch: Die Arbeitslosigkeit mag zwar zurückgegangen sein. Die Probleme der Menschen sind damit aber nicht gelöst, denn die zur Verfügung stehenden Nettoeinkommen (schaut euch die mehrfach angesprochene geografische Verteilung der Schuldenquoten an) reichen häufig nicht für den normalen Lebensunterhalt aus. Außerdem ist der Anteil von “geschaffenen Arbeitsplätzen” im so genannten Niedriglohnbereich viel zu hoch. So kann das nichts werden.
Das Gesamtschuldenvolumen wird für 2007 vom Statistischen Bundesamt (geschätzt) mit 271 Milliarden Euro beziffert. Andere Schätzungen gehen von 208 Milliarden Euro aus. Sechs Millionen Schuldnern im Westen stehen etwa 1,3 Millionen Schuldner im Osten gegenüber.









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