Ausgerechnet zum 1. Januar musste es sein. Wie viele Leute wohl auch, wie ich, auf die Idee gekommen waren, ihren Job ausgerechnet zu Neujahr zu wechseln? Obwohl inzwischen 22 Jahre alt hatte ich noch keinen Führerschein. Ich hatte längst eine Freundin, mit der ich sogar schon einmal zusammen in Urlaub geflogen war, aber einen Führerschein oder gar ein Auto, nein, daran hatte ich noch keinen Gedanken verschwendet. Außerdem war mir das damals noch zu teuer. Die Maßstäbe verändern sich. Ich fuhr also damals jeden Tag von Bedburg nach Köln. Das waren (auch per Bahn) ca. 35 Kilometer je Strecke.
Nach meiner Lehre war ich noch ein paar Jahre in der Firma geblieben. Zum Bund musste ich nicht. Ich hatte mich in der Freiwilligen Feuerwehr für 10 Jahre verpflichtet. Also war ich immer noch an meinem Geburtsort. Heute wurde man sagen, mein privates Netzwerk funktionierte bestens. Die Industrieunternehmen, die damals, 1976, in unserem Ort ansässig waren, stellten alles in allem wohl weit mehr als 2000 Arbeitsplätze zur Verfügung. Rheinbraun konkurrierte zu dieser Zeit immer noch mit diesen Betrieben um gute und qualifizierte Arbeitskräfte. Nur Rheinbraun ist übrig geblieben und die haben in den letzten Jahren ihrerseits tausende von Arbeitsplätzen abgebaut. Aber immerhin gibt’s dieses Unternehmen noch. Die anderen sind längst Pleite. Nichts ist übrig geblieben. Nicht die Gebäude, nicht mal die Struktur der Gelände. Alles platt gemacht bzw. neu bebaut. Bau- und Verbrauchermärkte und sogar Wohngebiete stehen da jetzt. Neue Arbeitsplätze sind dort jedenfalls nicht entstanden, zumindest nicht in einem vergleichbaren Umfang.
Zurück zu meinem damaligen Wechsel. Ich wollte mal was anderes kennenlernen. Obwohl es wahnsinnig bequem war, mit dem Fahrrad schnell ein paar Straßen weit zu Muttern nach Hause zu fahren und sich schnell das Mittagessen einzuverleiben. Heute, mehr als 30 Jahre später, denke ich manchmal schon mit etwas Wehmut an diese Bequemlichkeit zurück. Eben habe ich bei XING mal nach alten Kollegen gesucht. Die aus meinem Ausbildungsbetrieb habe ich nicht gefunden. Sicher zu alt. Die kämen vielleicht gar nicht darauf, sich dort überhaupt anzumelden. Keine Überraschung also. Außerdem sind eine ganze Anzahl von Kolleginnen und Kollegen auch schon verstorben. Hört sich krass an — ist aber so.
Die Firma, bei der ich als Verkaufssachbearbeiter im Januar 1977 meine Arbeit aufnahm, hieß damals noch Mallory Batteries. Ich war nur 1 1/2 Jahre dort beschäftigt. Während dieser kurzen Zeit explodierte das Unternehmen förmlich. Noch während dieser kurzen Zeit wurde die Umfirmierung auf Duracell vorgenommen, Fernsehwerbung begonnen und der Umzug in ein wesentlich größeres Gebäude durchgeführt. Für mich nicht so doll, weil mein Weg (per Bahn und Bus) noch einmal ca. 20 km länger wurde.
Zu dieser Zeit waren Audiocassetten groß im Kommen. Es gab damals eine wahnsinnige Nachfrage nach diesen Dingern, Fliptapes nannten wir sie. Mallory, später Duracell-Batterien, wurden in einem, soweit ich mich erinnere, für damalige Verhältnisse wohl avantgardistisch anmutenden “Cross-Selling” vermarkt. Unser damaliger Vertriebsdirektor, übrigens der Mann, mit dem ich nach meinem Ausscheiden 1978 die besten 17 Berufsjahre meines Lebens in einem anderen Unternehmen zusammenarbeiten durfte, hatte die Idee, diese Fliptapes zusammen mit den auch schon damals recht teuren aber im Vergleich auch irre guten Duracell-Batterien zu vermarkten. Die einfache Botschaft war: Kauf ein Display Batterien, dann kriegst du X Stück Fliptapes. Der Deal lief ausgezeichnet. Zu dieser Zeit wurden sowohl die Audiocassetten als auch die Batterien beinahe ausschließlich über den Facheinzelhandel vermarktet. Im Super- oder Verbrauchermarkt wurden solche Produkte so gut wie überhaupt nicht verkauft. Die Kette der Nichtblöden und auch die Geil-Geizigen gab’s (noch) gar nicht.
Von den paar dutzend Leuten, die damals bei Duracell gearbeitet haben, fand ich bei XING nicht einen wieder. Und das, obwohl ich mich an einige Namen sehr gut erinnern konnte, trotz der langen Zeit. Zu diesem Zeitpunkt waren eben auch noch nicht so viele Leute im Unternehmen beschäftigt. Das ist heute ein wenig anders. Offenbar ist das Portal doch etwas für die Web 2.0 – Generation. Aber interessant ist es, auch wenn’s mir ein bisschen weh tut, meine “alten” Kolleginnen und Kollegen dort kaum ausfindig machen zu können.












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