Das werden viele jetzt denken. Springer denkt: Das Eisen muss man schmieden, solange es heiß ist und startet unverzüglich die massivste Kampagne gegen die Regierungsbeschlüsse zum Post-Mindestlohn, die denkbar ist. 1000 Leute verlieren ihren Job und ein Raunen geht durch’s Land. Ich kann mir gut vorstellen, dass die betroffenen Leute die Regierung und die Befürworter des Mindestlohnes verfluchen. Wahrscheinlich wird es, wenn man den Ankündigungen Glauben schenken darf, nicht bei den 1000 Entlassungen bleiben. TNT hat angekündigt, das geplante Engagement in Deutschland zu stoppen. Soweit, so beschissen.
Erschwert wird die Position der Regierung durch die medialen Möglichkeiten, der Springer-Konzern mit absoluter Sicherheit in seinem Sinn nutzen wird. Wie wir hören, sind von den Entlassungen insbesondere schlecht qualifizierte und Langzeitarbeitslose betroffen. Bingo. Dieses Detail wird lanciert, um Salz in die Wunde zu streuen. Mies, und ich finde schon, dass man in diesem Fall von Erpressung sprechen muss.
Aber natürlich interessiert das die Entscheidungsträger nicht die Bohne. Das kennen wir inzwischen leider zur Genüge. Löhne, die oberhalb der Produktivität der betreffenden Arbeitnehmer liegen, können und werden wir nicht zahlen. Belegt wird das nicht, behauptet wird es ständig. Haben wir uns inzwischen wirklich schon soweit von Sitte und Anstand entfernt, dass wir dieses Spiel nicht mehr durchschauen können und eine klare Position dagegen beziehen? Viele Firmen nutzen die Lage am Arbeitsmarkt aus. Sie diktieren die Bedingungen. Die auf der Website der ARD gezeigte Tabelle mit den Vergleichslöhnen im Postdienst sollte man mal studieren. Jedes Detail des Ver.di – Tarifvertrag ist besser für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als das, was z.B. PIN seinen Leuten aufzwingt. Aber klar doch: Niemandem wird etwas aufgezwungen. Man kann den Job ja ablehnen und weiter von Hartz IV leben. Und spätestens an dieser Stelle kommt er wieder. Mein Lieblingssatz, der diese Diskussion auch befeuert haben dürfte: “Sozial ist alles, was Arbeit schafft”.
Ich weiß nicht. Vielleicht ist ja jeder nur für sich selbst verantwortlich (seines Glückes Schmied). Es stünde mir also überhaupt nicht zu, jemandem vorzuschreiben, ob er zu solchen Bedingungen arbeiten geht oder nicht. Vielleicht ist es so. Ich möchte das eigentlich auch nicht. Aber ich finde, dass, wenn wir alles so weiterlaufen lassen wie es läuft, dann werden wir bald alle nur noch Billigjobs kriegen. Die Entwicklung geht doch in eine Richtung und das hat beileibe nicht nur mit globalisiertem Wettbewerb zu tun. Diese Mechanismen muss man nicht studieren, um sie zu verstehen.












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