Wenn schon nicht die NPD, dann eben die Scientologen

Wir erinnern uns noch, wie stark die Vorbehalte waren, die gegen die Besetzung der Stauffenberg-Rolle mit Tom Cruise geäußert wurden. Eben erst wurde ihm ein Bambi (Courage) verliehen, weil er den Mut hatte, gegen eine Millionengage die Rolle des Widerstandkämpfers zu spielen. Wohlgemerkt erhielt er den Preis nicht für seine schauspielerische Leistung, sondern dafür, dass er diese Rolle übernommen hat.

Nun thematisieren unsere Innenminister die Scientology erneut. Wenn wir schon die NPD nicht verbieten wollen können, dann tun wir das nun mit dieser “totalitären Sekte”. Verfassungsfeindlich sei die Sekte – so die Innenminister.

Nach allem, was man über die Scientology liest und hört ist die Entscheidung vermutlich überfällig. Es wird aber ein Konflikt deutlich, den man nicht so einfach auflösen kann. Einerseits nämlich genießen eine Reihe von Mitgliedern der Sekte eine hohe weltweite Popularität und andererseits wird es doch so sein, dass sie diese, den Zielen von Scientology entsprechend, professionell und effektiv einsetzen. Damit wären politische Entscheidungen gegen die “Institution” in ihrer Wirksamkeit zumindest eingeschränkt. Und wie wird sich die Öffentlichkeit in diesem Konflikt verhalten? Sie verehrt diese Repräsentanten der Scientology auch weiterhin, ihre Produkte vermehren deren Einkommen und dieses wiederum hilft der Sekte weiter zu expandieren. Schließlich gibt’s noch genügend Länder, in denen ein Verbot nicht auf der Tagesordnung steht.

Persönlich befremden mich solche Verbote generell. An diesem Fall finde ich schon allein die zeitliche Nähe und den Zusammenhang mit der Diskussion um ein mögliches Verbot der NPD für bedenklich. Auf mich wirkt es, als ob wer die eigene Handlungsfähigkeit unter Beweisstellen wolle. Wenn wir der NPD nix können, dann suchen wir uns eben ein neues Ziel für unseren Aktionismus.

Vielleicht sind die Ziele einiger Organisationen im weiteren oder auch in einem engeren Sinne verfassungsfeindlich. Müssen deshalb Verbote ausgesprochen werden? Hält unsere Demokratie die Auseinandersetzung mit solchen Institutionen oder Menschen nicht aus? Dann ist es um sie schlecht bestellt.