Wer bezahlt solche Studien und wem nutzen sie?

Eine Schweizer Stiftung (bis dahin ist nichts Verdächtiges festzustellen) hat ermittelt, dass die Welt-Klimakonferenz auf Bali einen Ausstoß von 34 Mio. Kilo Kohlendioxid verursacht. Das ist so viel, wie es ein großes Braunkohlekraftwerk in 19 Stunden tut. Der Hauptanteil entsteht durch die Anreise der 10.000 Teilnehmer (per Flugzeug).

Ich will nicht bezweifeln, dass diese Zahlen stimmen, aber ich frage mich schon, wer ein Interesse daran haben könnte, dass die Konferenz durch die Lancierung solcher Meldungen in Frage gestellt oder möglichst ad absurdum geführt wird?

Diese Frage ist so interessant wie die, weshalb trotz immer wieder vorkommender Berichte darüber, dass Kinder, die im Umkreis von Atomkraftwerken leben, häufiger an Krebs erkranken, keine Konsequenzen gezogen wurden. Eine neue Studie (Universität Mainz) besagt, dass das Krebsrisiko umso höher ist, je näher der Wohnort an einem Atomkraftwerk liegt. Im statistischen Durchschnitt hätten 17 Kinder erkrankt sein “dürfen”. Tatsächlich sind es jedoch 37 Kinder. Umweltminister Gabriel meint dazu, dass der Anstieg der Krebserkrankungen nach derzeitigem Kenntnisstand der Wissenschaft nicht mit der Strahlenbelastung zusammenhängen könne. Und in zwei Wochen ist übrigens Ostern.

Für mich sind das Belege dafür, wie prima in Deutschland Lobbyarbeit funktioniert. Aber die Lobbyisten werden ja auch anständig bezahlt. Aber das ist ja wieder ein anderes Thema.

Kommentare

  1. Karsten meint:

    Nun muss man zu der von Dir zitierten AKW-Studie aber noch erwähnen, dass da lediglich eine statistische Korrelation beobachtet und keine Kausalität bewiesen wurde. Die Studie selber schließt Zufall nicht aus!

  2. Schulte meint:

    Dann ist ja alles paletti. Tun wir einfach so als sei nichts gewesen. Aber in der Öffentlichkeit rührt sich etwas. Ein bisschen. Vielleicht dauert die “Aufregung” mehr als einen Tag an.

  3. Karsten meint:

    Dazu empfehle ich einen Blick rüber zu Marc Wickel, der selbst Atomkraftgegner ist:

    Relationen

    Man kann zur Kernkraft unterschiedlicher Meinung sein. Und sollte darüber auch stets weiter Argumente austauschen. Aber mit so einem manipulativen Zeug wie dem, das sich um diese Studie herum entwickelt, braucht man mir nicht zu kommen…

  4. Schulte meint:

    Man darf also die Wirtschaft nicht belasten, weil immer noch kein Beweis dafür vorhanden ist, dass es Zusammenhänge gibt. Klar. Der Vorgang (die Studie) wird populistisch ausgeschlachtet. Eine Debatte im Bundestag, der auf solche Diskussion reagiert, findet statt. Und es gibt Fragen, die im Moment keiner beantworten kann.

    Bis wir das nächste Mal von einer Studie hören, die vielleicht besseren Aufschluss über die fehlenden Kausalitäten liefert, vergehen Jahre. Dass bis dahin weiterhin Menschen erkranken, nehmen wir mal in Kauf. Eine ähnliche Haltung nehmen viele Leute ein, wenn es um die Frage der Klimaveränderungen geht. Da höre ich mit Erstaunen, dass der Mensch doch vermutlich mit diesen Dingen wenig zu tun hat. Man kann sich auch selbst belügen.

  5. Medi meint:

    Immer wieder schön zu sehen, wie die Leute ihre Prioritäten setzen.
    Ich würde zu gerne mal wissen, was geschehen wäre, wenn irgendeine Studie – und sei sie noch so an den Haaren herbeigezogen – bewiesen hätte, daß die Lackschäden an hochwertigen Autos im Umkreis eines Atomkraftwerkes um einen derartigen Prozentsatz gestiegen wären. Da wären sie alle gerannt… Zufallswert hin oder her. Aber unsere Kinder kriegen Krebs, hach ja… nö, da debattieren wir erstmal drüber, ob man das ernstnehmen muß. Konsequenzen ziehen? Wahrscheinlich erst, wenn ein Eingeständnis absolut unumgänglich ist… oder wenn wir dann endlich diesen ominösen Kenntnisstand erreicht haben.
    Wann fangen wir an, die wirklich wichtigen Dinge zu bewahren und auch als solche mit der nötigen Wertschätzung zu behandeln?

  6. Karsten meint:

    Dass eine der Leiterinnen der Studie allerdings – im Gegensatz zu denjenigen, die sie nun politisch ausschlachten – in meinem Sinne argumentiert, interessiert dann angesichts dieser moralischen Empörung wohl nicht mehr, oder?

    Tagesspiegel

    @Horst:
    Das mit dem “Belasten der Wirtschaft” habe ich nicht geschrieben, und bei Marc findet sich das auch nicht. Also bitte nicht immer gleich die üblichen Strohmänner herausholen, ja?
    Man kann sich auch selbst belügen, das ist wahr. Zum Beispiel dann, wenn man aus ideologischen Gründen in jede halbgare Korrelation genau das hineininterpretiert, was man sehen möchte, ohne zu versuchen, sich ehrlich mit ihr auseinanderzusetzen. Wenn wir so bei jeder Gelegenheit handeln würden…

    @Medi:
    Das mit den Lackschäden ist nicht nur ausgemachter Blödsinn, sondern auch eine billige Diffamierung derjenigen, die etwas skeptischer mit den Ergebnissen dieser Studie umgehen als radikale Atomkraftgegner. Wenn tatsächlich ein kausaler Zusammenhang nachgewiesen wäre, dann würde ich auch anders argumentieren, denn auch der eine Fall pro Jahr, der durch Korrelation den Kernkraftwerken angelastet wird, muss vermieden werden. Solange aber nicht mehr als eine Korrelation da ist, die von politischen Beamten mit einer Mission zugunsten ihrer Ziele ausgeschlachtet wird… nein, da kann man bessere Argumente gegen die Kernkraft anbringen.

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