StudiVZ Geschäftsgrundlagen (Allgemeine Geschäftsbedingungen)

Viele (4 Mio.) haben sich bei StudiVZ angemeldet. Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen werden sie wahrscheinlich schon da nicht richtig gelesen haben. Ich bin ehrlich. Ich tue das auch nur manchmal und oft zu oberflächlich. Dabeisein ist schließlich alles und die paar Klicks sind schnell gemacht. Dass StudiVZ nun mit der Information herauskam, diese Allgemeinen Geschäftsbedingungen zum 1. Januar zu ändern, um die zur Verfügung stehenden Adressen kommerziell besser nutzen zu können, ist doch eigentlich kein so ungehörter Vorgang. Geschäftsbedingungen werden verändert (z.B. Google-Adsense oder Flickr (übrigens lange auch nur in englischer Sprache) und zwar häufig durchaus aus dem Grund, um sich entweder selbst zu schützen oder sich in eine bessere Ausgangslage für etwaige juristische Streitereien zu bringen und natürlich auch zu dem Zweck, die geschäftlichen Möglichkeiten auszuweiten.

Überwiegend sind die Mitglieder des StudiVZ junge Leute, die natürlich als Adressaten für Werbebotschaften die genau richtige Klientel darstellt. Insofern eine gute Ausgangslage für ein sehr lukratives Geschäft. Und? Was bitte ist jetzt daran so verwerflich? Das tun schließlich doch sehr viele Firmen bzw. Internet-Services.

“Wir haben immer davor gewarnt, sein Privatleben in den Internetportalen zu sehr zu präsentieren. Man sieht, wohin das führt, wenn jetzt StudiVZ ganz offiziell nach den Daten der Nutzer greift und sie womöglich kommerziell verwertet.”

meint der Sprecher des Bundesbeauftragten für den Datenschutz, Dietmar Müller in einem Interview mit “WELT online

Er findet weiter, dass das Unternehmen, das erst Anfang des Jahres von der Holtzbrinck-Gruppe (“Handelsblatt”, “Die Zeit”) gekauft wurde, die Unbedarftheit junger Leute ausnutzt. Das muss man wohl so sehen. Aber glaubt wirklich noch jemand, dass in diesem Land nicht sehr vieles darauf angelegt ist, dass einer den anderen ausnutzt? Stichwort: “Sozial ist, was Arbeit schafft”. Ok, das ist natürlich ein ganz anderes Thema!?

Ich trete aus, obwohl ich ja eigentlich dort nie so richtig Mitglied gewesen bin. Mein Profil ist nicht mal vollständig, was sich ja nun als durchaus weitsichtig erweist. Meine “Exmatrikulation” (StudiVZ-eigener Terminus für Kündigung) wird übrigens nicht die aufgrund meines Schrittes eigentlich logische bzw. erwartete Wirkung haben. Die Daten werden nämlich nicht wirklich gelöscht. Sie werden u.U. über Jahrzehnte über die üblichen Wege weiterhin vermarktet werden. Is ja ‘n Ding.

Wie mag es sich bei Mitgliedschaften bei Facebook (deren Geschäftsbedingungen konnte ich nicht mal lesen, weil ich kein englisch spreche) verhalten oder wenn man seine Daten Google preisgibt und die dort angebotenen Services verhältnismäßig stark nutzt? Ist dort etwa die Welt noch in Ordnung? Wie wissen doch, dass das nicht der Fall ist. Schließlich wird doch seit Jahren darüber heftig diskutiert.

Update:, 10:00 Uhr

Diese Information von StudiVZ, die ich per E-Mail erhielt (leider nachdem ich diesen Artikel geschrieben hatte) stellt einiges klar:

1. studiVZ hat noch nie Nutzerdaten an Dritte verkauft und wird dies auch niemals tun.

2. Wir haben beschlossen, die SMS- und Instant-Messenger-Werbung aus den Datenschutzerklärungen herauszunehmen. Diese Form der Werbung wird es damit bei studiVZ auch zukünftig nicht geben.

3. Wer bis zum 9. Januar 2008 nicht die Gelegenheit hatte, den neuen AGB und Datenschutzerklärungen zuzustimmen, braucht sich keine Sorgen zu machen, dass sein Profil danach sofort gelöscht wird. Bis zum 31. März 2008 bleiben eure Profile für alle anderen Mitglieder sichtbar und wir informieren euch weiterhin per Email über z.B. Freundschaftseinladungen. Unabhängig von der Zustimmung zur Einführung der neuen AGB, könnt ihr eure Profile im Übrigen jederzeit löschen, wenn ihr euch aus studiVZ exmatrikulieren wollt. Dann werden eure Daten sofort gelöscht und damit nicht weiter gespeichert.

Wir hoffen, dass wir etwaige Missverständnisse aus dem Weg geräumt haben, wünschen euch weiterhin viel Spaß bei studiVZ und danken euch für euer Verständnis.


Kommentare

  1. Ich habe meine Mitgliedschaften in den Find-Börsen gelöscht. Das StudiVZ-Gebaren (dort war ich nie Mitglied) hat meine Überlegungen beschleunigt.

    Was mich an dieser Geschichte stört, daß Medienkonzerne das auf andere Weise machen, was (Vorratsdatenspeicherung) sie in ihren Zeitungen zuvor angeprangert haben…

  2. Schulte meint:

    So ist das, wenn man wirtschaftliche Interessen über alle Bedenken stellt. Aber leider ist diese Erkenntnis ja nicht neu.

  3. Nein, neu leider nicht, aber doch immer wieder zum …