Dies ist eine Überschrift, mit der sich mancher ehrlicher gefühlt hätte. So habe ich die Diskussion bisher verstanden.
Sachlich kann man Karikaturist Götz Wiedenroth nur zustimmen, wenn er seinem neusten Werk (von Heiligabend) den Titel gibt:
Kopftritte in München: Korrektjournalismus fälscht Migrantenrassismus zu Raucherstreit um
Als ich die Meldung zum ersten Mal las, hatte ich im Hinterkopf schon die Frage, ob das wohl wieder Ausländer gewesen sind? Die deutsche Presse nimmt sich den Falles an und formuliert eine ganz andere Botschaft. Sie “reduzierte” zunächst den sehr gewalttätigen Übergriff auf die Auseinandersetzung zwischen zwei Rauchern und einem älteren Herrn, der die beiden Täter darum gebeten hat, doch ihre Zigaretten auszumachen.
Entsetzlich war die Brutalität, mit der die beiden Täter vorgingen. Aber man kennt solche Gewaltexzesse längst. Der Schockeffekt ist begrenzt. Es kommt einfach zu häufig vor, als dass das Ereignis mehr als ein gelangweiltes, irgendwie unbeteiligtes Kopfschütteln erzeugt. In diesem Fall aber liefern zumindest Teile der Presse einen Vorwand, um erneut die Frage danach zu stellen, wie “politisch korrekt” wir eigentlich sein sollen, um nicht Gefahr zu laufen, als ausländerfeindlich o.ä. entlarvt zu werden.
Längst muss man sich fragen, was die Leute eigentlich wollen, die (nicht zu Unrecht) darüber klagen, dass wir die Probleme mit gewalttätigen Migranten nicht beim Namen nennen, sondern uns lieber in relativierenden Statements ergehen? Wenn man in einschlägigen Blogs oder Foren häufiger liest, kann man nur zu der Überzeugung gelangen, dass die Fans “klarer Worte” dort nicht nur ihr Mütchen kühlen, sondern, dass sie die Deutschen aufrütteln wollen. Sie berichten laufend über Vorfälle mit Ausländern, bevorzugt befassen sie sich mit Muslimen. Diese Vorfälle werden “redaktionell” aufbereitet, mit fremdenfeindlicher Attitüde gespickt, noch einmal gut geschüttelt und dann unter die Leute gebracht. Und das kommt an.
Aber nochmal: Was ist die Absicht, die hinter dieser sehr einseitigen Beschäftigung mit Ausländerkriminalität steht? Ist es der Versuch, die Bevölkerung aufzurütteln? Für mich geht das viel weiter. Solche Leute versuchen mehr oder weniger erfolgreich Stimmung zu machen. Stimmung gegen Teile unserer Bevölkerung. Ganz so, als ob sie in der Lage wären, eine neue Wirklichkeit zu schaffen: “Werft oder (besser) prügelt sie einfach alle aus dem Land und alles wird gut.” Natürlich wird das so meistens nicht ausgesprochen.
Ich verstehe auch Intellektuelle wie Giordano oder Broder nicht. Sie bescheinigen Deutschland, dass die deutsche Integrationspolitik (wenn es sie überhaupt gegeben hat) gescheitert wäre. Anders als Broder galt Giordano für mich als moralische Instanz. Insbesondere dann, wenn es um den Umgang mit Minderheiten in unserem Land ging. Diese Position hat er (für mich) durch seine Haltung zu Moscheebauten eingebüßt. Er wirkt wie ein alter, störrischer Mann, der nicht mehr die Kraft hat, seine eigenen Fehler zu korrigieren. Nie hätte ich gedacht, dass ich über ihn einmal so denken würde.
Bei Broder ist es anders. Seine Essays finde ich mal witzig, mal provozierend. Manchmal gilt auch beides. Dies ist aus meiner Sicht die positive Seite seines Schaffens, soweit ich es kenne. Er gibt uns deutschen Leserinnen und Lesern aber auch gern das Gefühl, als sei vieles, was sich in unserem Land nach dem Krieg gesellschaftlich entwickelt hat, nicht gut genug und manchmal sogar, dass wir immer noch keine ausreichende Distanz zwischen die Zeit des Nationalsozialismus und dem Heute gebracht hätten. Dazu passt überhaupt nicht, dass er persönlich fortwährend über den Islam herhält. Islamophobie wird ihm gewiss nicht grundlos vorgehalten.
Wie sollen wir die gesellschaftlichen Probleme, die wirklich keiner bestreiten und beschönigen soll, lösen, wenn wir weiter auf Eskalation setzen? Wir brauchen keine Leute, die uns erzählen wie furchtbar alles ist und wie sehr wir auf der Hut sein müssen. Ich glaube, dass die Integrationsprobleme, die wir in Deutschland mit Ausländern haben, auch in ihrer Vielschichtigkeit von sehr vielen Menschen gesehen und begriffen werden. Jetzt brauchen wir brauchen Leute, die in der Lage sind, auf dem Boden der Realität Lösungen für ein funktionierendes Miteinander zu finden.
Eine der Grundvoraussetzungen dafür ist, dass wir uns unseren Werten verpflichten und diese auch mit Nachdruck vertreten. Und das, obwohl wir wissen, dass wir selbst diese Werte nicht immer stringent umsetzen oder danach leben. Menschen sind fehlbar. Das müssen wir uns auch selbst eingestehen. Ein solches Bekenntnis, so selbstbewusst müssen wir sein, schwächt uns nicht, sondern es stärkt uns!
Von Läusen und Menschen








Leider ist ja die Diskussion um eine Leitkultur, die ein Orientierungspunkt für beide Seiten hätte sein können, allzu schnell wieder verschwunden. Ohne Orientierung artet es aber in Extremismus von beiden Seiten aus.
Genauso falsch ist es m.A.n., die rechten Parteien ohne jede Diskussion mit den Nazis gleichzusetzen. Auch das ist zu einfach, um wirklich überzeugend zu wirken.
Und so muss man dann in Gesprächen feststellen, dass ein viel größerer Teil der Jugend bereits in die beiden extremen Lager abgewandert ist, als das die etablierten Parteien in ihrer selbstgefälligen Ignoranz wahrhaben wollen. Auch in der vernachlässigten Mittelschicht wächst die Bereitschaft hierzu, und auch ich frage mich ab und an ob der unterschwelligen Zorn verursachenden allgegenwärtigen Schönrederei, ob das denn tatsächlich so schlimm ist.
Trotzdem nachträglich noch Glückwunsch zum Wiegenfest und einen guten Rutsch in neuen Jahr.
Danke für die Glückwünsche und auch dir alles Gute zum Neuen Jahr. Vor allem viel Gesundheit.
Ich hoffe doch, dass du meinen Artikel nicht als Schönrederei einstufst? Mein Beweggrund für die erneute Beschäftigung mit dem Thema ist die Einsicht in die Notwendigkeit, dass etwas geschehen muss. Mir ist nur leider nicht klar, was. Die Leute, die in jeder Beschäftigung mit diesem Thema, Schönrederei sehen, sind sehr zahlreich. Und ich stufe sie keinesfalls als Nazis o.ä. ein. Leider helfen uns in diesem Sinn klare Statements allein auch nicht weiter, um gesellschaftliche Probleme dieser Art zu lösen. Da muss sehr viel mehr geschehen. Worin wir allerdings vielleicht wirklich einer Meinung sind, ist, dass es nicht beim Reden (Schreiben) bleiben kann. Aber es gehört auch (auf beiden Seiten) ein Wille dazu, diese Probleme zu lösen. Eine Lösung kann nicht darin bestehen, dass sich die eine der anderen Seite “unterwirft”. Das würde auf Dauer nur dazu führen, dass sich die Spannungen weiter aufschaukeln und irgendwann in einem offenen Konflikt enden.
Ich erinnere an die Probleme, die auch andere Nationen mit der Integration von Menschen aus anderen Kulturkreisen und Nationen hatten oder haben. Auch dort sind Assimilation und/oder Bildung von Subkulturen ganz normal. Das Ganze funktioniert, solange man sich an gewisse Spielregeln hält. Diese Spielregeln müssen von uns (Deutschen – Thema Leitkultur)) definiert werden. Aber sie müssen auch tragfähig bzw. akzeptable sein.
Man wird da noch Jahre und Jahrzehnte reden, schreiben und strafen können, aber geben wird es soetwas immer. Vielleicht auch, weil es das schon immer gab? Nur dass es damals medial nicht durchgehechelt wurde, bis es niemand mehr hören konnte?
@PPQ: Vielleicht ist das ja richtig.