Laut und deutlich

In einer Welt, in der die sich geradezu als unfehlbar feiernde Ideologie des Kapitalismus herrscht, indem er Marktwirtschaft vorgibt, doch Märkte vernichtet und Kapital verbrennt, in einer Welt also, in der durch ungehemmtes Profitstreben Arbeitsplätze gestrichen, Mindestlöhne unterboten werden und die Distanz zwischen Arm und Reich ins Unermessliche wächst, angesichts dieser Allmacht ist die Alternative zum absolut herrschenden Kapital nur noch im Demokratischen Sozialismus zu finden. [....]

Angesichts der gegenwärtigen Situation und im Hinblick auf die krisengeschwängerte Zukunft ist abermals ein Protest der Jugend wünschenswert, weil überfällig und notwendig. Auch der SPD könnte eine solche Herausforderung auf die Sprünge helfen.

(Günter Grass Rede vor der SPD-Bundestagsfraktion am 11.01.2008– “Die Zeit”)

Kommentare

  1. Iris meint:

    (…) die nunmehr als »Linke« firmiert und sich als Deckmäntelchen den Untertitel »Demokratischer Sozialismus« gestohlen hat.

    (…)

    Und die Sozialdemokraten haben sich diesen Diebstahl lange genug gefallen lassen, bis endlich auf dem Hamburger Parteitag der eigenen Tradition Genüge getan wurde: »Der demokratische Sozialismus bleibt für uns die Vision einer freien, gerechten und solidarischen Gesellschaft, deren Verwirklichung für uns eine dauernde Aufgabe ist. Das Prinzip unseres Handelns ist die soziale Demokratie.«

    Das ist imo Bullshit! Und es macht mich zornig, das zu lesen. Dreister als die SPD hat in meinen Augen bisher keine Partei in Deutschland den demokratischen Sozialismus verraten. Er ist ihnen nicht gestohlen worden, sondern sie haben ihn verkauft. Und damit haben sie gleichzeitig auch das Vertrauen ihrer Wähler mitverschachert. Das sage ich als ehemalige SPD-Wählerin. Die SPD war einmal die deutsche Arbeiterpartei. Und was haben sie für die Arbeiter in Deutschland getan? Sie haben ihr Vertrauen verraten und verkauft! Sie haben ihnen Hartz IV aufgedrückt. Und ein simples: “Tschuldigung, wir haben uns vertan, reicht da nicht als Entschuldigung.” Wenn Beck heute mit Schlagworten wie ‘soziale Gerechtigkeit’ oder ‘vorsorgender Sozialstaat’ um sich schmeißt, ist das für mich nichts weiter als hohles Gelaber.
    Mein persönliches Fazit: Es gibt derzeit keine etablierte Volkspartei mehr in Deutschland, die ein Arbeiter wählen könnte.

  2. Schulte meint:

    Ich bin, obwohl ich Ihre Kritik an der SPD absolut teile, immer noch SPD-Wähler. Vielleicht liegt das an meinem Alter. Oder ich bin einfach zu anhänglich. Ich sehe im Parteispektrum leider auch keine Alternative. Und Nichtwählen kommt für mich nicht in Frage. Also — SPD.

    Wer wem etwas gestohlen hat, ist mir letztlich irgendwie egal. Für mich ist der Begriff eines “demokratischen Sozialismus” jedenfalls von der SPD besetzt. Die “LINKE” ist mir in ihren Aussagen oft näher als die Sozialdemokraten. Leider sehe ich Widersprüche in dem, was von Lafontaine oder anderen Spitzenpolitikern der LINKEN gesagt wird, und dem was machbar oder auch vernünftig ist.

    Unabhängig davon, welche Partei die Gedanken Grass’ am ehesten “übersetzen” könnte, finde ich seine Ausführungen zur aktuellen Lage voll und ganz zutreffend. Es wird Zeit, dass sich ein Widerstand gegen die Entwicklungen formiert, die wir als Folgen der Globalisierung als unvermeidbar anzusehen scheinen.

  3. Iris meint:

    Ich werde auch weiterhin zur Wahl gehen …aber nur um meinen Wahlzettel ungültig zu machen, damit ich nicht über die Senkung der Wahlbeteiligung indirekt doch einen von denen wähle. Es gibt für mich z.Zt. unter den etablierten Parteien kein Übel mehr, das klein genug wäre, um auch nur als ‘das kleinere Übel’ gewählt zu werden.
    Meine Stimme soll sagen: Keiner von da oben!

  4. David meint:

    Die Frage die sich jeder selbst stellen muss:

    Glaubst Du, es wird in den nächsten 5 Jahren besser werden mit der Situation in Deutschland?

    Wo geht es aufwärts?

    Darum habe ich mich schon vor langer Zeit dazu entschlossen auszuwandern.

    Meine persönliche Endlösung:
    Raus aus Deutschland!!!

    Ich sehe auch jetzt keine Zukunft dort. Die Menschen verarmen immer mehr.

    In Asien geht es aufwärts. Darum bin ich hier.

    Kontaktiere mich, wenn Du genauso denkst wie ich.

    Freundliche Grüße aus Fernost
    rausausdeutschland@gmail.com