“Kauft nicht bei Finnen!”

Kann man die momentane Stimmung in Deutschland besser zusammenfassen? Schmidt und Pocher haben einmal mehr provoziert, und bestimmt stecken sie die Kritik auch in diesem Fall weg. Für meine Begriffe passt diese Reminiszenz doch wie die Faust aufs Auge?

Heute lesen wir, dass Nokia womöglich gegen Subventionsauflagen verstoßen haben könnte. Die einen nehmen das als Beleg dafür, dass das Thema Subventionen endlich auf den Prüfstand gehöre (wie seit Jahrzehnten eigentlich) und die anderen verschärfen ihre Kritik am Unternehmen. Mich wundert es, dass die vermeintlichen Verstöße gegen die Auflagen erst jetzt auffallen. Schließlich geht es doch um richtig viel Geld (90 Mio. Euro). Gibt es keine Kontrollen, damit solche Auflagen auch wirklich eingehalten werden? Offenbar doch nicht.

Was auch immer aus dieser Aufregung entspringen wird (wenn das Strohfeuer nicht ohnehin schon bald erlöscht) — es glaubt doch wohl niemand daran, dass Nokia die bereits durchgeführte Investition in Rumänien einfach mal eben abschreiben und in Bochum bleiben wird. Und als zusätzlichen Standort wird sich das Unternehmen diesen wohl kaum leisten wollen. Also, es ist wie es ist bzw. es wird dabei bleiben, dass die Menschen in Bochum ihre Jobs verlieren. Vielleicht werden die Nokia-Manager aufgrund des Drucks sogar noch darauf verweisen, dass die plangemäß in Deutschland (Düsseldorf, Ulm, Köln, Frankfurt und Berlin) noch verbleibenden Arbeitsplätze (Entwicklung + Vertrieb) auch noch abgezogen werden, wenn die geschäftsschädigenden Vorhaltungen der Politik nicht eingestellt würden.

Was ich übrigens nicht mehr so ganz nachvollziehen kann, ist die Debatte über unnütze Investitionen. Vorausgesetzt es stimmt, dass Nokia in den 20 Jahren, die man in Deutschland war, ungefähr 800 Mio. Euro an Gewerbesteuern bezahlt hat. Bei einem Subventionsvolumen von rund 90 Millionen war das ja wohl kein so schlechter Deal für uns. Das hat allerdings, und ich will es nochmals deutlich sagen, nichts damit zu tun, dass ich die Entscheidung des Managements für ausgesprochen mies halte.