Wie naiv ist das denn?

Der Noka – Betriebsrat hat sich auf europäischer Ebene in Brüssel getroffen und die deutsche Betriebsratschefin vom Bochumer Werk, Frau Achenberg, hat die Sitzung enttäuscht verlassen. Hatte sie wirklich mit mehr gerechnet? Die finnischen Vertreter warben gar um Verständnis für die Entscheidung des Vorstandes. Es ehrt Frau Achenbach, dass sie sich mit aller Kraft gegen die Entscheidung stemmt. Aber sie wird auch längst wissen, dass diese Mühe am Ende erfolglos bleiben wird.

Rütters ist im Moment in den USA. Ich höre, dass er dort in seinen Ansprachen mehrfach vom Nokia-Gau geredet hat. Offenbar scheint ihn diese Erfahrung wesentlich mehr zu beschäftigen, als die hiesigen Meinungsmacher das für möglich gehalten hätten. Gibt es womöglich doch noch Politiker, die sich nicht nur für ihre eigenen Belange interessieren oder sich für ihre Wiederwahl engagieren? Jedenfalls scheint es im Fall Rütters durchaus so zu sein. Dafür wird er in Deutschland belächelt, gehänselt. Einen solchen Mann kann man nicht für voll nehmen. Der versucht doch tatsächlich die Amerikaner, die Perfektionisten in Sachen Kapitalismus, dazu zu bewegen, die soziale Marktwirtschaft einzuführen oder zumindest einmal darüber nachzudenken, ob man dem grassierenden Turbokapitalismus nicht auch aus reinen Vernunftgründen etwas entgegen setzen müsste. Wie naiv ist das denn?

Ich überlege, ob ich Rüttgers bei den nächsten Wahlen nicht meine Stimme geben sollte. Der Mann war mir schon immer sympathisch. Auch wenn er in der falschen Partei ist und manchmal vielleicht eine nicht so deutliche Aussprache hat.

Kommentare

  1. Thomas meint:

    Ich finde das nicht einmal naiv, sondern wie die deutschen Gewerkschafter auch enttäuschend. In dieser Hinsicht funktioniert der Markt doch nur, wenn zwei gleiche Partner die Bedingungen unter sich ausmachen. Und die Gewerkschaften müssen offenbar noch lernen, dass sie als nationale Organisationen mit einem internationalen Arbeitgeber nicht weit kommen und bestenfalls Spielfiguren auf dem Schachbrett von Manager sind, aber eben keine Mitspieler.

  2. Schulte meint:

    Hallo Thomas, ich hoffe, du hast die Ironie, die in diesem Satz lag, schon “gehört”?

  3. Thomas meint:

    Im Bezug auf die Arbeitgebervertreter? Nein, ist mir entgangen, macht ja aber auch nichts, oder?

  4. Horst Schulte meint:

    Du hast Recht, ich hatte deinen Hinweis nicht richtig verstanden. Ich bezog mich auf Rüttgers Vorträge in den USA. Die Gewerkschaften müssen langsam einmal damit beginnen, sich eine gescheite Strategie zu erarbeiten. Eine globalisierte Wirtschaft erfordert auch global denkende und handelnde Gewerkschaften.