Organspendeausweis: Soll ich das Risiko wirklich eingehen?

Ende der 70er Jahre habe ich den Film “Fleisch” von Rainer Erler gesehen. Hauptrolle: Jutta Speidel und Herbert Herrmann.

Ein Auszug aus der Handlung:

Das frischvermählte Paar Mike, ein Amerikaner, und Monica, eine Deutsche, die gemeinsam in Princeton studieren, machen während ihrer Flitterwochen in Las Cruces (New Mexico) in einem billigen Motel Rast. Nach dem Schäferstündchen wird Mike von Sanitätern überwältigt und in einem Rettungswagen entführt, Monica kann dürftig bekleidet gerade noch fliehen und wird von dem Rettungswagen durch die Steppe verfolgt. Sie springt fast einem Truck vor die Kühlerhaube, dessen Fahrer Bill sie mitnimmt, ihr den Vorfall erst allmählich glaubt, ihr dann aber bei der Aufklärung hilft. Bei der Suche nach Mike kommen sie einem internationalen Syndikat auf die Spur, das in großem Rahmen Organhandel betreibt. In einer Spezialklinik in Roswell (New Mexico) werden Organe von entführten, betäubten Touristen ungefragt entnommen und von Dr. Jackson und ihrem Assistenten für viel Geld über Organbanken an zahlungskräftige Patienten mit Organdefekten verkauft…

(Wikipedia)

Mich hat der Film schwer beeindruckt. Das wird bestimmt nicht nur mir so gegangen sein. Meine Nichte ist gerade für ein 1/2 Jahr als Aupair in der Schweiz. Eben habe ich mit ihr geskypt und auch über den verlinkten Beitrag von Joachim Dethlefs diskutiert. Dort, also in der Schweiz, ist es wohl so geregelt, dass man nicht einen solchen Ausweis bei sich tragen muss, sondern man muss eine Erklärung dabei haben, die ausdrücklich besagt, dass man seine Organe nicht spenden will. Ansonsten würden sie – im Falle eines Falles – “einfach” genommen. Keine berückende Vorstellung – oder?

Einerseits bin ich der Meinung, dass es richtig und nobel (wer hatte das zuletzt noch gesagt?) wäre, im Falle des eigenen Todes anderen Menschen mit brauchbaren Organen zu helfen. Andererseits weiß ich auch, welch grotesker, ja schrecklicher Missbrauch, in manchen Ländern im Zusammenhang mit Organhandel stattfindet. Wer kann mir versichern, dass ich mir diesbezüglich keine Sorgen machen muss? Im positiven Fall würde ich den Ausweis wahrscheinlich downloaden und auch ausfüllen.


Kommentare

  1. Karsten meint:

    Ich persönlich habe einen Organspenderausweis und würde mich auch von solchen Horrorfilmchen nicht darin beirren lassen. Ich denke, wenn es solche Leute gäbe, dann würden sie sich auch nicht daran stören, ob ein solcher Ausweis vorliegt oder nicht…

  2. Horst Schulte meint:

    Ich denke, wenn es solche Leute gäbe, dann würden sie sich auch nicht daran stören, ob ein solcher Ausweis vorliegt oder nicht…

    Das ist wohl wahr. Allerdings ein “Horrorfilmchen” war das eigentlich nicht, wenn man nur mal liest, was da in Indien und China so passiert. Da liegt schon ganz nahe an dem, was in diesem Film, soweit ich mich richtig erinnere, auch geschildert wurde. Aber natürlich hast du Recht. Man kann schließlich immer irgendwelche Ausreden finden.

    Mit dieser Geschichte ist es ein Stück weit so, wie mit den Verfügungen, die man für den Fall einer eigenen, schweren Erkrankung rechtzeitig schreiben sollte. Auch das tun nur wenige. Und das, obwohl es sich dabei ja um einen selbst handelt. Darüber sprach ich gerade noch mit meiner Mutter. Die ist 72 und hat bisher keine Verfügung gemacht.

    Beide Dinge berühren vielleicht einen gewissen Tabu-Bereich (abgesehen von den Unsicherheiten, die im ersten Fall dazukommen). Es geht eben um Leben und Tod und das blenden viele Menschen gern aus – auch ich tue das sehr gerne.

    Ich wünsche dir ein schönes Osterfest und ein paar erholsame Tage.

    Gruß
    Horst

  3. Mario H. meint:

    Ich habe seit vielen, vielen Jahren einen Organspendeausweis. Ein Ausweis hat den Vorteil, dass nicht zuerst jemand anders gefragt werden muss, ob Organe entnommen werden dürfen. Und in diesem Fall ist Zeit = Leben. Du kannst ja auch ankreuzen, dass du nicht spenden willst. Auf jeden Fall machst du es damit deinen Hinterbliebenen leichter.

    wenn man nur mal liest, was da in Indien und China so passiert.

    Was passiert denn da? In Indien – und anderen armen Ländern – gibt es tatsächlich Menschen, die aus purer Not ihre Organe verkaufen. Aber das meinst du sicher nicht…

  4. Horst Schulte meint:

    Ich hatte da Berichte wie diesen im Kopf. Ähnliches kommt auch in Indien vor. Keine Konzentrationslager aber die Armut der Leute und vor allem deren Hilflosigkeit wird von Geschäftsmachern gnadenlos ausgenutzt. Wer kann garantieren, dass nicht auch hier Praktiken existieren, die wir überhaupt nicht überblicken können. Wer erhält das Organ? Der Reiche oder der Bedürftige. Der wer erhält es zuerst? Heute sind diese Dinge noch vernünftig und einigermaßen überprüfbar geregelt, glaube ich. Aber wird sich das nicht ändern, wenn der Markt weiter wächst?

  5. Mario H. meint:

    Ob die Epoch Times als seriöses Medium zu gelten hat, darf sicherlich bezweifelt werden.

    Wer erhält das Organ?

    Du kannst dir nur sicher sein, wenn du eine Niere spendest, das geht m.W. nur an Verwandte. Sonst musst du einfach vertrauen. Genau wie bei Spenden etc. auch.
    Auf der anderen Seite bist du nie vor Verbrechen sicher.

  6. Horst Schulte meint:

    Eigentlich ist es schon so, dass es mehr Vertrauen braucht. Schließlich wird sonst die schlechte Lage ja nicht verbessert.

  7. Mario H. meint:

    Eben. Wenn du vollkommen pessimistisch immer nur das Schlechte und die Gefahren siehst, dann ist weder dir noch deinen Mitmenschen geholfen. Skeptisch vertrauensvoll ist wohl das Beste…

    Hast du dich jetzt eigentlich schon für/wider Organspenderausweis entschieden? Halt uns auf dem Laufenden.

  8. Horst Schulte meint:

    Ausgedruckt (natürlich ausgefüllt) habe ich ihn schon. Allerdings ist meine Frau strikt dagegen. Hätte mich ehrlich gesagt auch gewundert, wenn das jetzt so glatt abgelaufen wäre. Nun besteht noch Diskussionsbedarf. Wir haben ja noch mehr als 2 frei Tage vor uns…

  9. Mario H. meint:

    Dann viel Erfolg. ;-)
    Vielleicht einfach mal bei den Seiten der Aussteller nach Argumenten nachsehen. Sonst gibt es sicherlich viele Seiten, die über Organspende informieren. Inklusive der Gefahren und Vorurteilen etc.