Für mich ist es eindeutig der Ruf nach Gerechtigkeit. Es geht nicht um “die Sehnsucht nach Gleichheit”. Tabellen dieser Art machen mich nicht heiß. Von mir aus können Manager verdienen, soviel die Aktie oder der Eigentümer hergibt. Solange sie dafür gut arbeiten und bereit sind, für ihr Tun auch Verantwortung zu tragen, ist für mich alles ok.
Man hört, meist an populärer Stelle, also im TV publikumswirksam in Szene gesetzte, ärgerliche Bürgerinnen und Bürger, die die Höhe der Managergehälter kritisieren. Das macht sich gut, drängt aber den anderen, viel wichtigeren Punkt, in den Hintergrund. Auch wird gern überhört, dass die Kritiker der Managergehält ihren Unmut durchaus differenziert begründen. Es geht ihnen nämlich, wie mir, nicht um die reine Höhe der Bezüge, sondern es geht vielmehr um die Leistungen mancher Manager. Zu diesen Leistungen zählen oft Personalabbau, die Ausweitung der Wochenarbeitszeit und -im Gleichschritt- die Senkung der Löhne und Gehälter. Lobbyisten und mancher Politiker legen Wert darauf, dass Firmen, auf die dies alles zutrifft, in Deutschland die Ausnahme seien. Genau diesen Eindruck haben viele Leute jedoch nicht. Darüber habe ich mich hier schon häufiger ausgelassen. Wenn es wirklich so wäre, wie da behauptet wird, weshalb sind dann deutschlandweit die Löhne und Gehälter trotz der guten Konjunktur nicht auf einem besseren Niveau?
Natürlich finden Neoliberale immer einen Grund, weshalb die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die eine oder andere Kröte zu schlucken haben. Kein Problem. Es ist wie es ist. Entweder ist es die Globalisierung, der allgemeine Wettbewerbsdruck, die mangelhafte Eigenkapitalausstattung speziell deutscher Unternehmen, die zu geringe Umsatzrendite, der Wunsch, etwaige feindliche Übernahmen abzuwehren — Behauptungen und Vorwänden sind keine Grenzen gesetzt. Transparenz gibt es nicht in ausreichendem Umfang und viele können sich kein objektives Bild machen über das, was wirklich abgeht. Das Misstrauen ist vielleicht nicht gerechtfertigt, aber ein notwendiges Grundvertrauen, das vielleicht einmal bestanden hat, ist irgendwo zwischen Wiedervereinigung und Globalisierung abhanden gekommen. Es sind also ein paar Leute unzufrieden und fühlen sich ungerecht behandelt.
Besonders ärgerlich macht es mich, wenn Leute, die, vermutlich weil sie sich für besonders gebildet halten, penetrant darauf hinweisen, dass vor Jobverlusten oder miesen Löhnen nur gute Bildung schützt. Hoffentlich löst sich ihr Selbstbewusstsein nicht irgendwann auf und weicht der bitteren Erkenntnis, dass auch sie für ihren tollen Job nur noch einen Hungerlohn bekommen.
So, wie es nie ein einheitliches Einkommensniveau geben wird (und auch nicht geben soll), wird es auch nie ein einheitliches Bildungsniveau geben. Es wäre schön, wenn wir dereinst wieder ein gebildetes Volk wären. Aber dieses Insistieren auf eine gute Bildung ist eine bequeme Ausrede für eine Situation, die die Menschen -nicht nur in Deutschland- zunehmend als bedrohlich und fremd empfinden. Und was wird denn überhaupt dafür getan, dass sich die Bildungschancen verbessern? Wenn die Menschen über weniger Geld verfügen, werden sich die diesbezüglichen Chancen wohl eher nicht verbessern. Das war schon früher so und im Moment sind wir eher dabei, uns in dieser Beziehung rückwärts zu bewegen.
Die aufgelockerte Gesellschaft
Kaufkraft: Deutschland nur Rang 10








Zur Überschrift (mehr lese ich meist sowieso nicht
: Gleichheit ist etwas völlig anderes als Gerechtigkeit.
Generell besteht Gerechtigkeit m.E. darin, Unterschiede (also Ungleichheit) “wertfrei” zu akzeptieren. Gleichheit zu fordern hingegen ist sogar oft in höchstem Maße ungerecht.
In Bezug auf Gehälter bin ich da allerdings nicht so sicher, vielleicht sollte die (Arbeits)Zeit jedes Menschen gleich viel wert sein? Dann bräuchte man auch kein Geld in heutigem Sinne, jeder hätte dann nur ein Zeitkonto, alle Dienstleistungen wären sowieso zeitgebunden und Waren müssten ebenso in Zeitaufwandseinheiten umgerechnet werden
Ich bin sogar gerade dabei, ein Projekt in dieser Richtung zu machen…
Die Entwicklung der Managergehälter ist vermutlich auf den Wegfall jeglicher Kontrolle zurückzuführen, da sich die Herren (und wenigen Damen) über das System gegenseitiger Aufsichtsratsposten und Bankvertretung von Stimmrechten selbst kontrollieren und m.A. nach auf legalem Weg da auch nicht reinzukommen ist. Sie bestimmen ihre Gehälter selbst, und die Großaktionäre stört’s nicht weiter, da selbst Gehälter wie das von Ackermann als Einzelposten nicht im Gesamthaushalt von x0.000 Mitarbeitern auffallen. Gewissermaßen das gleiche Spielchen wie in der Politik, die 9% für sich als angemessen und 4% für den Rest der Republik als überzogen betrachtet, aber halt medial nicht so intensiv beachtet.
Helfen könnte vielleicht eine deutlich bessere Beteiligung der Arbeitnehmer am Unternehmen – nicht nur zur Kontrolle solcher Auswüchse, sondern auch zur besseren Identifikation mit dem Unternehmen und zur einer Qualitätserhöhung.
Hallo
Ich bin der Meinung, das die Gehälter sicher für einen normalo wie mich, sich utopisch anhören. Ich würde ja auch nichts sagen, das schlimme daran ist doch, das wenn diese Manager sch… gebaut haben, auch noch in meinen Augen belohnt werden, mit Abfindungen in Millionen höhe!! da kann doch was nicht stimmen oder? Mein Rechtsempfinden ist dadurch sehr gestört!
Ein paar spontane Anmerkungen zu Deinem Artikel:
* Leider ist in der Tat die Grenze zwischen dem Ruf nach Gerechtigkeit und dem nach Gleichheit oftmals sehr fließend. Neid spielt dabei oft eine große Rolle – das macht die Diskussion bisweilen sehr schwierig.
* Bei der Bewertung der Leistung von Managern muss man sich zunächst einmal überlegen, was eigentlich deren Job ist – und was die Aufgabe eines Unternehmens ist. Auch wenn das brutal klingen mag: Es ist NICHT die Aufgabe eines Unternehmens, Menschen zu beschäftigen oder seinen Arbeitnehmern möglichst hohe Gehälter zu bezahlen. NATÜRLICH bewegen sich Unternehmen dabei nicht im “moralfreien” oder auch nur rechtsfreien Raum, die Einhaltung von Spielregeln ist existenziell für das Funktionieren einer Gesellschaft.
* Von daher geht die Behauptung, “Neoliberale” fänden immer einen Grund für Entlassungen, Lohnsenkungen etc., per se am Thema vorbei. Es gibt keinen Grund, Mitarbeiter zu beschäftigen – außer das Unternehmen braucht sie. Und Löhne bilden sich am Markt – wenn es hier mehr Angebot als Nachfrage gibt, sinken Löhne. Das mag nicht schön sein (für den Einzelnen schon gar nicht), aber es ist nunmal eine Tatsache.
* Und da sind wir in der Tat beim Thema Bildung: Natürlich ist Bildung keine GARANTIE für Wohlstand. Aber im globalen Wettbewerb der Arbeitskräfte ist doch naheliegend, dass mit höherer Qualität im Durchschnitt mehr zu verdienen ist als mit niedrigerer Qualität. Deutsche Autos von Daimler, BMW und Porsche sind teuer, aber absolute Exportschlager – wegen ihrer Qualität. Menschen sind keine Ware, die Arbeitsleistung muss sich aber dennoch der Bewertung durch den Markt stellen. Wenn wir dies endlich einmal ideologiefrei anerkennen würden, könnten wir uns viel entspannter mit der Globalisierung und der veränderten Welt arrangieren.
* Last but not least: Mehr Geld bringt (leider) nicht automatisch mehr Bildung. Gerade ein Mindestlohn wäre da sogar eher kontraproduktiv, siehe z.B. http://www.welt.de/wams_print/article1874313/Mindestlohn_ist_unsozial.html (gegen Ende des Artikels).
@vicco:
Habe ich so etwas behauptet? Vielmehr habe ich verlangt, dass der in meinen Augen unterentwickelte Sinn für die eigene Verantwortung mehr zur Geltung gebracht werden sollte. Daran mangelt es. Und in der Tat, moralische Dimensionen scheinen ebenfalls verloren gegangen zu sein. Ohne Verantwortungsgefühl zählen auch moralische Kategorien nicht.
Es stimmt nicht (mehr), dass ausschließlich Angebot und Nachfrage auch für das Niveau der Löhne ausschlaggebend sind. Vielmehr werden sie bestimmt durch die permanente Gier vieler Manager, die Rendite ihrer Unternehmen insbesondere kurzfristig signifikant zu steigern. Das bringt Ruhm und Ehre und wiederum kurzfristig steigen Aktienkurse. Davon profitieren wiederum die gleichen Leute, die vorher kurzatmig und ohne strategischen Plan Personalabbau betrieben haben und aus ihrer Sicht durchaus folgerichtig das Sinken des Lohn- und Gehaltsniveaus auch durch die Angst vor weiteren Arbeitsplatzverlusten initiiert haben. Außerdem vermehren sie nicht selten durch dieses “Spiel” den Wert ihrer eigenen Aktien am Unternehmen. Was bitte hat das mit Angebot und Nachfrage zu tun?
Denken wir’s doch mal durch:
Solange der (Arbeits-)Markt auch nur halbwegs funktioniert, sind Entlassungen kein Problem – die Leute finden an anderer Stelle wieder einen Job. Auch Löhne pendeln sich in einem funktionierenden Arbeitsmarkt ein.
Aus Sicht der Unternehmen macht es auch keinen Sinn, Leute zu entlassen – es sei denn, man benötigt die Arbeitskraft nicht mehr. Ein kurzfristiges “Hire and Fire” ist in Deutschland nun wahrlich nicht das Problem, dafür ist der Kündigungsschutz etwas zu restriktiv.
Wenn gerade große Unternehmen heute Stellen abbauen, dann hat das betriebswirtschaftlich schon durchaus substanzielle Gründe, die über die “Optimierung” von Quartalsergebnissen und Manager-Boni hinausgehen.
Ich hab vollstes Verständnis für alle, die sich von dieser Entwicklung bedroht fühlen und um ihre Jobs und vernünftige Einkommen bangen. Ich finde es aber extrem wichtig, zunächst den Ist-Zustand sauber, vorurteilsfrei und emotionslos zu analyisieren und nicht wie das Kaninchen vor der Schlange zu stehen oder gar in einen “Fluchtreflex” zu verfallen.
Ich habe selbst noch in keinem Unternehmen gearbeitet, in dem der Kündigungsschutz ein Problem dargestellt hätte. Die Leute wurden “gewippt” mit und ohne Abfindungen. Überhaupt kein Problem. Es ist ein purer Popanz, dass ein restriktiver Kündigungsschutz irgendwen daran hindern würde, Entlassungen durchzuführen.
Aus der Sicht der Unternehmen machen Entlassungen tatsächlich nicht immer Sinn. Bevor die betroffenen Prozesse genau angeschaut und nötigenfalls neu geordnet wurden, werden Leute “freigesetzt”. Das kann nicht im Interesse des Unternehmens sein. Die Folgen sind oft weitreichend. Von der Mehrbelastungen für das verbleibende Personal und den hierdurch geschädigten Kundenbeziehungen will ich nicht einmal reden. In meinem vorigen Kommentar habe ich ausgeführt, weshalb vielfach diese kurzsichtigen Entscheidungen getroffen werden.
Wenn man über 50 ist und mehrfach von Entscheidungen selbst betroffen war, dann fehlt einem der emotionslose Zugang zu solchen Geschichten. Es sind Menschen in ihrer Existenz betroffen. Mir ist es egal, welche Dinge andere als Vorurteil oder einseitig identifizieren. Wir sollten uns nicht damit abfinden, Entscheidungen der beschriebenen Art grundsätzlich als gesetzmäßige Zwangsläufigkeiten zu betrachten, wenn es mutmaßlich um ganz ganze Motive handelt. Ich will nicht alles über einen Kamm scheren – auch wenn sich das so liest -, nur beobachte nun schon seit Jahren, dass wir uns in Deutschland zu viel gefallen lassen. Damit meine ich die Arbeitnehmerschaft.
Ich schätze mal, man kann das nicht alles über einen Kamm scheren. In kleinen Unternehmen, in denen der Chef die Mitarbeiter noch persönlich kennt, also so etwa bis 100 Leute, wird es sich das in der Regel schon genau überlegen, wen er einstellt oder feuert und warum (oder er bekommt Probleme mit der Qualität).
Bei Mittelständlern, in denen der Chef Inhaber ist, ist sicher auch noch eine regionale Verwurzelung zu finden. Wenn solche Leute die Koffer packen – was ja einige tun – sollte man sich mal Gedanken machen, wer hier überreizt: die Arbeitnehmer mit ihren relativ geringen (relativ zu den Lebenshaltungskosten) Löhnen meistens nicht.
Von beiden Gruppen muss man sicher noch die abziehen, die keine Fachkräfte benötigen, sondern jederzeit ersetzbare Handlanger, wie Postzustelldienste und ähnliche Dienstleistungen. Hier könnte man durchaus über Mindestlöhne nachdenken. Die Sozialsysteme müssten dann aber auch durchforstet werden, denn es geht nicht an, dass der eine zu einer Arbeit, die zum Leben nicht ausreicht, gezwungen wird, während andere sich erfolgreich zu weigern verstehen und trotzdem weiterhin mehr Geld von Staat bekommen als Leute die arbeiten.
Bleibt als dritte Gruppe die der anonymen Großunternehmen, wo weder Chef noch Anteilseigner irgendeine Beziehung zum sozialen Umfeld eines Standorts hat. Solche Unternehmen müssten nach einem gesunden Mix aus Betriebs- und Volkswirtschaft geführt werden. Leider wird von der Politik fast nur die betriebswirtschaftliche Seite zu Lasten der Volkswirtschaft gefördert (Subventionen, Unterstützung beim Personalabbau usw.). Über die Qualität der so genannten Manager kann man sich ein Bild machen, wenn man sich mal anschaut, wo da Personal abgebaut wird: fast jedes Unternehmen leistet sich einen ziemlichen Wasserkopf an Verwaltung und sonstigen relativ unnötigen Abteilungen. Treffen tut’s aber fast ausschließlich die Produktion.
Das ist absolut richtig. Komisch, dass es so ist. Es gibt augenscheinlich und das sehen ja auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Unternehmen zumeist so, zuviele Häuptlinge und zu wenige Indianer. Ein simples Bild aber eines, das scheinbar zutreffend ist.
Deine Anmerkung, Gilbert, dass man die Dinge mit den Entlassungen differenziert sehen muss, ist prinzipiell richtig. Allerdings und darauf habe ich auch schon häufiger hingewiesen, ist es nach meinen Beobachtungen so, dass die mittleren und kleineren Unternehmen durchaus von den anonymen Aktiengesellschaften “lernen”. Sieh dir die Lohnpolitik an. Außerdem haben in den letzten Jahren mehr und mehr kleinere und mittlere Unternehmen Arbeitsplätze ins Ausland verlagert. Es muss ja was dran sein, wenn die Große aus Kostengründen ihre Fertigungen verlagern. Mancher Entscheider hat das wohl inzwischen bedauert und den Rückzug nach Deutschland angetreten.
Teils ja, teils nein. Wirtschaftspolitik wird hier ausschließlich für die Kapitalgesellschaften gemacht. Um 1.500 Arbeitsplätze zu halten, drängt man denen notfalls hunderte von Millionen mit Gewalt auf. Dass gleichzeitig 30.000 Arbeitsplätze in Klein- und Mittelunternehmen verschwinden, interessiert keine Sau. Die müssen selbst sehen, wo sie bleiben.
Bei den kleinen und mittleren muss man schauen, für welchen Markt die produzieren. Für den hiesigen Verbrauchermarkt wird es wegen der gigantischen Abgaben, die sich aus der Summe der Unternehmensabgaben und der (noch viel höheren) Arbeitnehmerabgaben ergeben, immer schwieriger. Also wandern die notgedrungen ab. Ich halte das nicht nur für einen Lerneffekt.
Die Großen werden die Arbeiten letztendlich so verteilen, dass die Arbeit jeweils dort gemacht wird, wo Qualität und Preis stimmen. Unser Standort kann eben Qualität liefern, die es woanders (noch) nicht gibt, und genau wenn diese Anforderungen bestehen, wird es hier gemacht. Das spricht nun voll für dein Bildungsargument.
Leider muss man aber auch sagen, dass der Vorteil immer kleiner wird. Wenn hier von Mangelberufen die Rede ist und dass soundsoviel Facharbeiter und Ingenieure fehlen, heisst das in der Realität: auf 1 ausgeschriebene Position kommen 3-5 Bewerber mit der formalen Qualifikation, die es aber nicht drauf haben. Ich kenne ein Unternehmen, dass allein im letzten Jahr 4 Leute eingestellt und alle während der Probezeit wieder rausgeschmissen hat. Die ständigen “Bildungsreformen” haben unser Bildungssystem ebenfalls in Richtung Globalisierung befördert – nämlich dazu, dass der Qualitätsstandard bald mit Albanien oder Simbabwe gleichgezogen hat. Wenn hier die Arbeiterqualität aber nicht mehr zu bekommen ist, wandert die Wirtschaft, die mittleren Unternehmen eingeschlossen, ab, weil es sich nicht mehr lohnt.