Die Zeugen sind selten Helden

Diese Liedzeile stammt von Herman van Veen

Im 3. Reich gab es viele Zeugen und wenige Helden. Einer von ihnen, der letzte der Männer um Stauffenberg starb in der Nacht auf den 1. Mai 2008, Philipp von Boeselager

Vielleicht wird durch den bald in unsere Kino kommende Hollywood-Streifen “Valkyrie”, in dem Tom Cruise Claus Schenk Graf von Stauffenberg spielen wird, unser Bewusstsein wieder für eine kurze Zeit aufwecken. Aber für mich gehen wir mit dem Andenken an die wenigen Menschen, die sich getraut haben, dem Terror etwas entgegenzusetzen, etwas lasch um. Und ich hoffe, dass dieses nicht auch irgendwann mit dem Holocaust geschehen wird, wofür es zugegebener Maßen heute noch keine Anzeichen zu geben scheint.

Am Vorabend seines Todes noch hat er mit seinem Freund, dem Verleger Friedrich-Karl Sandmann, über die Vorgeschichte des 20. Juli geredet. Auch da fiel wieder dieser Satz: Hätte er doch, als er einmal direkt hinter ihm stand, Hitler erschossen, statt auf die Ausführung des 20. Juli zu warten. In einer Welt, in der das Gefühl, eine Chance verpasst zu haben, sich auf Ebay-Schnäppchen und den falschen Hypothekenkredit beschränkt, schien die Zeitgenossenschaft mit Philipp von Boeselager ans Phantastische zu grenzen.

Zum Tode Philipp von Boeselagers: Der Holocaust war sein Motiv, Hitler zu töten – Debatten – Feuilleton – FAZ.NET

Kommentare

  1. Thomas meint:

    Tschuldigung aber Schauffenberg und Co. waren feige Typen, viel zu spät und obendrein war ihre Motivation nicht annähernd so demokratisch wie die von Georg Elser. Die Leute um Stauffenberg waren eher aus nationalem Interesse an Hitlers Tod interessiert, die Ermordung der Juden war nur für einige wenig ein Grund. Den 20. Juli kann man ruhig aus dem Kalender streichen, würde eh nur der Bundeswehr auffallen.

  2. Horst Schulte meint:

    Lieber spät als nie, lieber Thomas. Ich bin kein Historiker und noch viel weniger kann ich mich die Entscheidungsgründe der Leute hineinversetzen, die damals gelebt haben. Aber Stauffenberg oder die Leute des 20.7. als feige Typen darzustellen geht mir eine Spur zu weit. Frank Schirrmacher hat in seinem heutigen Artikel zum Tode von Boeselagers etwas zu seiner angeblichen Motivation geschrieben. Dabei ging es genau um den Punkt, den Du ansprichst, nämlich den Holocaust. Ich kann nicht beurteilen, ob das wahr ist aber ausschließen will ich das auch nicht. Du?

  3. Mario H. meint:

    Ob die Hitler wegen des Holocaust töten wollten oder aus anderen Gründen, spielt für mich nicht die Rolle. Die haben es versucht, und einige haben den Versuch mit dem Leben bezahlt.
    Oder ist es dir, Thomas, egal, was mit den Mitgliedern der “Roten Bergsteiger” passierte, weil diese nun mal Kommunisten waren?
    Nein, ich denke, jeder, der etwas gegen das Hitler-Regime machte, verdient unseren Respekt.