Angeblich ist auf dem Ausbildungsplatzmarkt doch alles wunderbar in Ordnung. Nun lese ich in einer ddp – Nachricht, dass angesichts des drohenden Fachkräftemangels die Bundesregierung für mehr Ausbildungsplätze wirbt. Diese Kampagne, dreimal dürft ihr raten, wer die bezahlt, richtet sich an die Arbeitgeber.
Die haben wohl nach Auffassung unserer Regierung immer noch nicht gecheckt, dass die sich heute schon abzeichnenden Probleme ganz allein auf ihre Versäumnisse zurückzuführen sind. Aber natürlich — Ausbildung kostet Geld. Das kann man natürlich besser den Managern und Aktionären in den Hintern schieben.












Nicht immer nur nach den großen Unternehmen schauen. Durch staatliche Auflagen, deren Sinn man mal dringend diskutieren sollte, wurden Lehrlinge für kleinere Unternehmen zunehmend zu Kostenfaktoren, die nicht zu unterschätzen sind (beispielsweise durfte ich in meiner Unternehmerzeit Vorlesungen an Hochschulen halten und mich an Prüfungen beteiligen, sollte aber für die Lehrlingsausbildung mehr als 6 Monate in teuren Abendkursen die Schulbank drücken. Abgesehen davon, dass dafür keine Zeit da ist: Was soll so ein Unfug?). Außerdem wird es zunehmend schwieriger, Schulabsolventen zu finden, die hinreichend Kenntnisse und Motivation für eine Ausbildung mitbringen. Nicht wenige Lehrherren schicken die Kandidaten nach dem Vorstellungsgespräch wieder nach Hause (sofern die Kandidaten überhaupt erscheinen) und stehen am Schluss ohne den eigentlich gewünschten Lehrling da.
Man kann auch nicht alles auf den Staat schieben. Ausbildung ist teuer. Das stimmt. Und die Bedingungen sind sicher zu stark reglementiert. Nun werden inzwischen gerade die Ausbildungsvergütungen zurückgebombt in andere Dimensionen. Schon gehört?
Der Vorbehalte der Unternehmer, dass die jungen Leute heute nicht über die geeignete Bildung und Motivation für eine Ausbildung verfügen, kenne ich auch. Es gibt ja sogar im Fernsehen hierfür regelmäßig “Belege” dafür, wie blöd und ungeeignet sie sind. Nur, dass diese Feststellungen unser Problem nicht lösen werden. Wenn es stimmt, dass wir durch die demografische Entwicklung ein Problem mit dem Nachwuchs kriegen werden, dann muss dieser Gesellschaft einfach mehr einfallen, als die Zustände zu kritisieren. Insofern werden wir bestimmt beieinander sein. Und ist es wirklich so sinnvoll, die Jugendlichen, die mit solchen Defiziten ihre Bewerbungsdurchläufe machen, sich selbst zu überlassen. Vor allem – was wird aus ihnen, wenn das so weiter geht? Wir reden doch so gerne über Sozialhilfekarrieren. Der Fortbestand dieser Situation wäre dann jedenfalls gesichert. Das sollten wir der Gesellschaft und den jungen Menschen ersparen.
Vielleicht könnte man die Bereitschaft der Unternehmen erhöhen, wenn man einige der Regeln, die in den 70ern und später geschaffen wurden, wieder streicht. Dazu gehört zum Beispiel die von dir erwähnte Ausbildung von Mitarbeitern, damit diese überhaupt eine Berechtigung haben, Lehrlinge auszubilden. Das ist tatsächlich purerer Unsinn und in der Tat ein teures Vergnügen für die Firmen. Auch ist die Verfügbarkeit von Ausbildenden (Blockunterricht) vielleicht ein Problem.
Ja, und der Staat geht mit großen Schritten voran, indem er fast alle Sozialberufe inzwischen zu FH-Studiengängen erhoben hat (Studiengebühren statt Ausbildungsvergütung) und zusätzlich in vielen Fällen Eingangspraktika, auf jeden Fall aber nach Studienabschluss ein “Anerkennungsjahr” vorschreibt, oft genug beides mit wenig oder gar keinem Geld verbunden. Ich finde das grundfalsch. Eine Anerkennung in Form eines Verdienstes, mit dem die jungen Leute sich auch selbst mal was leisten können, spornt an.
Mein Vorschlag: erst mal zurück zu alten Werten. Wir sind ja ungefähr gleich alt, also werden unsere Erfahrungen möglicherweise ähnlich sind. Ich wusste früher immer sehr genau, wenn ich Mist gebaut hatte, und die meist unmittelbar folgende Quittung durch “ein paar hinter die Löffel” oder sonstige Disziplinierung in Schule oder Elternhaus hat den Eindruck bestätigt und dafür gesorgt, dass man sich an gewissen (gesellschaftlichen) Werten orientiert hat, und im Nachhinein hat sich’s gelohnt. Die heutige Art, bis hin zu Raub, Messerstecherei und Totschlag bei Jugendlichen unter 14 gar keine Konsequenzen, bis zu Volljährigkeit allenfalls marginale folgen zu lassen, ist nach meiner Meinung ein Grund, warum vieles aus dem Ruder läuft.
Aber das wäre nur der Anfang. Ich könnte noch seitenweise Vorschläge machen, die nicht unbedingt viel kosten müssten, für verschiedene Kreise aber vermutlich ausreichen würden, ein lautes Populismus- und Nazi-Geschrei anzuheben.