Leute, die sich darüber wundern, dass es in Deutschland möglich ist, der Streikaktion der Bauern mit Sympathie zu begegnen, begründen das so:
“Ich begreife jetzt etwas besser, warum sich in diesem Land diese für mich unbegreifliche Ignoranz ökonomischer Zusammenhänge so lange halten kann.”
Die Diskussion reduziert sich weitgehend auf betriebs- und volkswirtschaftliche Zusammenhänge.
Zu häufig geht es, wie in diesem Fall, darum, den einzelnen Teilnehmern in der Diskussion zu verdeutlichen, dass man selbst das Problem in vollem Umfang geblickt hat und die anderen bestenfalls die Initialzündung für die kapitale Diskussionsreihe geliefert haben.
Es nervt. Und vielleicht kennzeichnet meine Feststellung sogar einen Teil des Problems, das wir in Deutschland gegenüber anderen Ländern zu lösen hätten. Weshalb sollte es sich in Blogs aber auch anders darstellen, als das in der Realität der Fall ist?
Jedenfalls, in solche Diskussionen schalte ich mich schon deshalb längst nicht mehr ein, weil ich mich fast immer in einer Weise gemaßregelt fühle, die mich in meine Schulzeit zurückversetzt. Darauf bin ich nicht erpicht.
Zurück zur Milch. Die Bauern beklagen, dass sie für ihre Produkte zu wenig Geld bekommen. Man muss kein Verständnis dafür haben, dass Lebensmittel vernichtet werden. Das ist arg und bestimmt kritikwürdig. Allerdings nehme ich persönlich den Bauern ab, dass sie ihre Aktion nicht aus purer Profitgier durchgeführt haben. Anderen Teilnehmern an unserer freien Marktwirtschaft würde ich einen solchen “Persilschein” bestimmt nicht ausfüllen.
Welchen Anteil staatliche Subventionen am Milchpreis haben, weiß ich nicht. Es gibt zuviel Milch und das ist nicht zuletzt so, weil die Subventionspolitik der EU dies nach Kräften gefördert hat. Darunter leiden die Landwirte.
Die Teilerfolge, die die Bauern jetzt erreicht haben, werden nicht von Dauer sein. Sehr bald wird der Preisdruck wahrscheinlich zu weiteren Aktionen führen. Das Problem wird aber nicht gelöst werden. Es muss eine Bereinigung stattfinden. Im Klartext: Es gibt zu viele Milchbauern. Das ist eine knappe und brutale Feststellung. Es sind existenzielle Fragen damit verbunden. Das ist die eine Seite.
Die andere aber lautet: Wir (meine Frau und ich) sind bereit, für die Milch einen höheren Preis zu bezahlen. Wir regen uns mehr auf über die immer weiter steigenden Mineralölpreise. Die sind übrigens nicht nur deshalb heute so hoch, weil der Staat seine Steueranteile in immer noch unveränderter Größenordnung abkassiert, sondern auch deshalb, weil ein paar windige Spekulanten die Preisspirale antreiben. Eine der Segnungen des Kapitalismus, die uns die Durchblicker von der neoliberalen Fraktion so gerne als das Non Plus Ultra begreiflich machen wollen. Darüber rege ich mich mehr auf, als über die zugegebener Maßen auch nicht unbedingt sinnvollen Aktionen der Milchbauern. Bei denen geht es allerdings um ihre Existenz!









ich erkenne ungeahnte potentiale.
hää?
Also, lieber Horst, dass du meine Zitate aus dem Zusammenhang reißen musst, dafür kennen wir uns doch eigentlich schon zu lange. Der von dir zitierte Satz bezieht sich vor allem auf die Argumentation einer ganz bestimmten Person, in der es übrigens auch nicht um den Streik der Bauern ging. Aber natürlich: Wer im Gebiet einer Wissenschaft argumentiert, sollte sich nicht beleidigt fühlen, wenn er darauf hingewiesen wird, dass andere schon vor ihm da waren und dass er seine, eine abweichende Meinung rechtfertigende, Genialität in dieser Wissenschaft schon noch besonders zu begründen hätte.
Deine gefühlige Argumentation, in der du Präferenzen zugunsten bestimmter Anbieter äußerst, kann ich allerdings wirklich nicht nachvollziehen. Aber dafür, dass dein Einkommen am Ende nicht reicht, um alle in dem Maß zu beglücken, in dem du das ihnen gönnst, sind sicher irgendwelche anderen verantwortlich. Nicht wahr?
Zugegeben. Den Zusammenhang dieses Threads würde ich schwerlich zusammengefasst kriegen. Aber gibs zu. Der von mir zitierte Satz ist doch nicht weit von deinem Credo entfernt. Sollte ich mich da so sehr irren? Aber du hast mich wieder erwischt. Ich gehe nach wie vor mehr mit dem Bauch und selten mit dem Kopf an Exkurse wie diese heran. Dabei entstehen dann natürlich zwangsläufig “gefühlige Argumente” (hätte übrigens durchaus auch von Boche stammen können, der mir das schon das eine oder andere Mal vorgehalten hat.)
Du meinst also, ich sollte den Bauern nicht mehr Sympathie entgegenbringen, als den Mineralölkonzernen? Ja, es könnte schon kritisch werden, wenn die Benzin- und Dieselpreise in diesem Ausmaß weiter steigen, was ja durchaus im Bereich des möglichen zu liegen scheint. Die paar Liter Milch werden keine existenzbedrohende Belastung für mich werden. Noch kann ich ja auch vollständig auf Bier umsteigen. Obwohl… da steigt der Preis im Moment auch schon wieder (vermutlich eine Folge der EM und der gestiegenen Nachfrage).
Also, lieber Rayson. Nichts für ungut. Ich wollte keine falsche Tatsachenbehauptungen aufstellen oder hatte die Absicht, deine Gedanken in einem falschen Zusammenhang zu zitieren. Wenn dich das geärgert hat, dann entschuldige ich mich dafür.
Hoffentlich klappts am Montag. Ich freue mich schon auf deine Zusammenfassung!
Gruß und einen entspannten Sonntag. Horst