Gibt es einen Anspruch auf Wohlstand?

Natürlich gibt es diesen nicht! Aber warum tun wir dann so? Vordergründig steckt vielleicht unser Sinn für Gerechtigkeit dahinter. In Wahrheit aber,  ist es eher die Sorge, uns könnte es selbst erwischen. Arbeitslosigkeit, sozialer Abstieg, Hartz IV.

Vielleicht ist etwas dran, wenn man oft hört, wir müssten mehr Eigenverantwortung übernehmen. Das Gegenteil könnte dazu führen, dass wir uns zu sehr auf den Staat, auf die Allgemeinheit verlassen. Gewiss, viele tun das nicht. Sie sorgen für sich und das erfolgreich. Genau an diesem Punkt geraten meine Überlegungen in Kollision mit der Realität. Welches Maß an Verantwortungsgefühl für die Mitmenschen ist “gesund”, welches ist mangelhaft ausgeprägt und welches vielleicht sogar übertrieben? Darauf wird kaum jemand eine Antwort haben. Wahrscheinlich kann man sich in solchen Fragen auch deshalb so trefflich in die Haare bekommen.

Vor Jahren diskutierte ich innerhalb einer Gruppe mit einem Berater darüber, welche Voraussetzungen für die Aufnahme einer Arbeitsstelle eigentlich gegeben sein sollten. Eine der naheliegendsten Begründungen kam wie aus der Pistole geschossen: “Arbeit soll Spaß machen”. Darauf er: “Wer hat ihnen denn das versprochen?”. Dieser kleine Satz hat nicht nur mich damals ziemlich irritiert. Es ist doch heute wirklich eine Selbstverständlichkeit, dass Arbeit Spaß machen sollte und dass, wenn es nicht oder nicht mehr so sein sollte, man sich besser einen anderen Job sucht. Seht ihr. Genauso läuft das heute. Wir denken wenig darüber nach, dass Arbeit dazu da ist, unsere Existenz zu sichern. Sie ist keine Spielwiese zur Selbstverwirklichung. Sie kann ganz schön hart und schwer sein. Und anstatt diese Tatsache zu akzeptieren, palavern und jammern wir herum.

Millionen von Menschen sind uns wohl in dieser Beziehung weit überlegen. Sie machen sich  keine Gedanken darüber, ob ihnen die Arbeit Spaß macht. Die Frage stellt sich nicht, denn sie müssen zur Sicherung ihrer Existenz und der ihrer Familie bis an ihre Grenzen gehen – tagein, tagaus.

Hier in Deutschland bilden wir uns ein, das nicht nötig zu haben. Oder wir haben im Hinterkopf, dass vor langer Zeit mal einer gefordert hat: “Wohlstand für alle”? Nur — er hatte das damals wohl doch etwas anders gemeint.