Heise online meldet, dass führende IT-Unternehmen gegen die Informationsflut vorgehen wollen.
Allerdings ist das offenbar etwas anders gemeint bzw. an einen bestimmten Personenkreis gerichtet. Man will nämlich verhindern, dass “übermäßiges persönliches Nachrichtenaufkommen IT-Mitarbeiter von der Arbeit abhält”.
Ich vermute mal sehr stark, dass darunter auch die Helpdesk-Anfragen verzweifelter User fallen. Allein in den USA belaufen sich nach Schätzungen die Kosten für diese Unterbrechungen der Arbeitszeit auf 420 Mrd. €. Da kann man ja mal ein paar Rechner auf den Sondermüll werfen, statt die teuren Spezialisten mit der “Reparatur” zu beauftragen.
Der Chiphersteller Intel führt bereits Versuche durch, Mitarbeiter zu ermuntern, seltener E-Mails abzurufen und Nachrichten nur nach gezielten Überlegungen an mehrere Empfänger zu versenden. In einer Abteilung führte die Firma testweise Ruhezeiten von vier Stunden ein, in denen die Angestellten digitalen und persönlichen Kontakt auf ein Minimum reduzieren sollten. Kleine Kärtchen sollten signalisieren, wer gerade eine Auszeit nimmt. Viele Mitarbeiter fanden aber, dieses System sei aber zu restriktiv und die Kärtchen hätten eher etwas von Grundschule. Nach dem Experiment gingen einige bewusster mit E-Mails um, währen andere Kollegen ihr Verhalten nicht veränderten, sagte der zuständige Abteilungsleiter zur New York Times. (Heise)
Vom schweren Leben als verblassender Stern
Vielleicht sehe ich zu viele Krimis?








Helpdeskanfragen lassen/ließen sich mit einem ähnlichen System wie die Spam-Filterung mit relativ geringer Fehlerquote automatisieren oder zumindest vorklassifizieren. Die Einrichtung bedarf aber einigen Vorlaufs, der offenbar oberhalb der roi-Schwelle der BWLler liegt, weshalb das bislang noch nicht richtig in Schwung gekommen ist.
Man könnte das natürlich auch mit Mailrückhaltesystemen koppeln, um den normalen Mailverkehr zu kanalisieren. Interessante Idee, muss ich mal in meine Projektliste aufnehmen.
Dieses Schicksal teilen viele Projekte und natürlich gerade die, die am Ende signifikante Verbesserungen im Arbeitsumfeld bringen würden. Kein Gewinn, kein Projekt. Verkürzt aber es kennzeichnet die Vorgehensweise in immer mehr Betrieben. Prinzipiell ist dagegen auch nichts zu sagen. Aber…
Als ich 1968 meine Lehre begonnen habe, waren in dem Betrieb 2000-2500 Leute beschäftigt (ich weiß nicht mehr genau). Längst ist das Unternehmen pleite. Aber erst vor ein paar Tagen fragte ich mich, wie man damals überlegen konnte. So ganz ohne PC und mit soooo vielen Menschen. Es gab noch eine Fakturenabteilung, deren einzige Aufgabe darin bestanden hat, Rechnungen per Schreibmaschine zu stellen. Unglaublich. Da waren 10-12 Personen beschäftigt. Was das heute kosten würde? Dafür schlagen wir uns lieber mit den Segnungen der Moderne herum und lesen unsere E-Mails überwiegend genau in dem Takt, in dem sie uns erreichen. Ein Wahnsinn. Nur, lass mal das falsche aus. Der Vorstand fragt, wann die Antwort kommt. Und schon haben wir den Salat. Einige meiner Kollegen haben per Outlook ihre Regel schon so eingestellt, dass die Mails, die sie in cc erhalten direkt in einen Ordner wandern, den sie schlicht ignorieren. Das kann ja auch kein Weg sein.
“roi” war vielleicht etwas kurz ausgedrückt. Ich meine dabei den Zeitrahmen. Die Zeitgrenze für das Erreichen der Gewinnzone liegt bei 2 Jahren, und wenn man mit 30 Monaten ankommt, ist man draußen, egal, wieviel man hinterher noch reinholen kann. Die Denke ist zu kurzfristig.
Bei dem zweiten Phänomen kann man wohl ganz gut mit Parkinson argumentieren: Die Menge der herumgereichten Information ist völlig unabhängig vom Informationsgehalt (Parkinson hat die Relation ja zwischen Zeit und Arbeitsmenge aufgestellt). Oder etwas ordinärer: Warum leckt sich der Hund die Geschlechtsteile? Weil er es kann! (Warum erhält man so viele Mails? Weil die Technik es ermöglicht!). Je mehr Mails man rumschickt, desto beschäftigter wirkt man, ohne es wirklich zu sein. Auch eine Möglichkeit seine Wichtigkeit zu erhöhen – neben dem allgegenwärtigen Handy, das den Besitzer ja so bedeutungsschwanger macht, dass er selbst auf dem Klo erreichbar ist. :flush_tb:
Bei uns ist es heute tatsächlich so, dass, wenn eine Wirtschaftlichkeitsberechnung mit dem Ergebnis endet, dass die Amortisation erst nach über 2 Jahren einsetzt, das Projekt schnell aufgehoben oder sogar aufgehoben wird. Nicht immer aber immer öfter.