Dann wird’s aber klingeln in den Kassen. Noch ist zwar der Beweis nicht angetreten, dass die Veränderung der Ladenschlusszeiten wirtschaftlich irgendwas verbessert hätte, aber wir haben ja schließlich noch keine amerikanischen Verhältnisse. Und vorher geben die Bonzen keine Ruhe. Verbraucherfreundlichkeit ist angesagt – vordergründig. Dabei geht es diesen Ketten nur darum auszuloten, wie sie einen kleinen Wettbewerbsvorteil erlangen können. Dass kostet zwar Geld und geht auf die Knochen der Mitarbeiter/innen – aber das spielt alles keine Rolle in diesem seltsamen Wettbewerb.
Aber wir machen das auch auch alles mit. Um 20.00 Uhr sind manche Geschäfte, sogar im ländlichen Raum, noch ziemlich gut frequentiert. Und selbstverständlich müssen wir uns auch diesbezüglich dem Takt anschließen, den uns andere Länder vorgeben. Wer weiß, ob nicht ein Teil der allgemein beklagten Preiserhöhungen auch auf diesen Blödsinn zurückzuführen sind. Aber so lange der Kunde zahlt….









Das geht bei Kaisers-Tengelmann in Berlin schon seit Monaten. Alle Kaisers-Filialen, die ich in Berlin kenne, öffnen bis 24:00. Das aber geht keinesfalls auf die Knochen der Mitarbeiter, denn die arbeiten, bis auf eine Abrechnungskönigin aus dem Hause, nur bis 20:00h. Ab dann kommt ein “Dienstleister” als externes Unternehmen mit eigener Security und meist jungen ungelernten Verkäuferinnen und macht die Jobs – natürlich zu einem geringeren Preis als die angestellten Verkäuferinnen. Das hat, zumindest in Berlin zwei Vorteile für Kaisers. Erstens können sie so evaluieren, ob es sich überhaupt lohnt, eigene Kräfte zu bezahlen und zweitens zerstören sie, bzw. die Leute, die ab 20:00 dort einkaufen, so langsam aber sicher den kompletten Bestand an Spätverkaufsstellen.
Der Kunde gewöhnt sich eben an die Öffnungszeiten. Wobei ich um kurz vor 20 Uhr eigentlich nur im Supermarkt anzutreffen bin, weil ich auch gerade erst aus der Redaktion komme. In der guten alten Zeit hätte ich so ziemlich stressige Mittagspausen oder vollbepackte Samstage vor mir gehabt.
Als die Diskussion das letzte Mal herrschte, also als es darum ging bis 20 Uhr zu öffnen, habe ich mal Vergleiche mit anderen Ländern gelesen. Dort hat selbst eine völlige Freigabe weder mehr Gewinne und auch nur äußerst geringe zusätzliche Arbeitsplätze gebracht.
Im Prinzip wäre ich aber dennoch für eine völlige Freigabe. Auch mit der persönlichen Erfahrung das im ländlichen und mittelstädtischen Bereich nur die Discounter oder Einkaufscenter mitgemacht haben. Einige Supermärkte hatten auch nur eine gewisse Zeit bis 20 Uhr geöffnet, danach ging es zurück auf 18 oder 19 Uhr. Dahinter steckt die schlichte Erkenntnis, dass es sich eben doch nicht immer und überall lohnt. Letztlich pendelt sich das ein.
Auf die Knochen der Mitarbeiter geht das übrigens nicht. Ich kenne ein oder zwei Leute die in Supermärkten arbeiten. Das Problem dort ist schlicht, es sind allesamt 400-Euro-Kräfte. Selbst bei einem 24-Stunden-Betrieb arbeiten halt nicht wenige Leute mehr, sondern mehr Leute für wenig Geld.
Ich frage mich, wie die Angestellten nach Hause kommen, wenn sie kein Auto haben – den öffentlichen Nahverkehr gibt es zu dieser späten Zeit nicht mehr!
@Dimido: Du denkst aber doch nicht, dass dies irgendwen interessieren würde? Mobilität und Flexibilität sind gefragt.
Zitat Thomas Matterne ↑:
Aber genau das habe ich gemeint, als ich davon sprach, dass es auf Knochen der Mitarbeiter ginge. Außerdem würde ich gerne wissen, ob nicht die Preissteigerungen mit der Freigabe der Ladenöffnungszeit auch etwas zu tun haben wird.
Es machen aber nicht alle so wie bei Kaisers und lassen Fremdfirmen arbeiten. Habe mal vor geraumer Zeit im Kaufland mit einer Verkäuferin vom Backstand gesprochen, die auch aufhaben mussten, weil Kaufland nun mal geöffnet hatte. Sie meinte, es rechne sich nicht. Der Umsatz decke nicht mal die Lohnkosten. Kann natürlich sein, dass sich das in der Zwischenzeit geändert hatte, denn es war ziemlich neu, dass die Öffnungszeiten bis 22.Uhr waren. Als Kunde finde ich es natürlich schon praktisch, denn wenn man was vergessen hat, kann man nochmal losgehen und das vergessene besorgen. Andererseits hats früher auch sehr gut funktioniert, ohne dass solche Öffnungszeiten erforderlich waren. Auch die öffnungszeiten am Sonntag sind ja ziemlich umstritten, denn in manchen Städten darf ja jeden Sonntag geöffnet werden. Viele wollen das gar nicht und man munkelt schon, ob das nicht wieder gekippt werden soll.
Ja, wo kämen wir denn da hin, wenn sich die Öffnungszeiten von Läden nach den Wünschen der Kunden richten würden?
Am besten, man teilt dem Kunden einen festen Zeitpunkt mit, zu dem er sich zwecks Warenempfang und Geldabgabe einzufinden hat.
Wettbewerb ist schädlich, weil sich da die Anbieter und ihre Arbeitnehmer so anstrengen müssen, und sollte unter allen Umständen vermieden werden.
Dabei hatten wir es doch schon mal so gut. Aus der DDR waren jedenfalls keine Klagen von Werktätigen über ungünstige Öffnungszeiten zu vernehmen.
Zitat Rayson ↑:
Diese ätzenden Kommentare kenne ich ja nun zur Genüge. Von mir aus, reduziere mich und andere ruhig auf arbeitsunwillige und sozialistisch Fehlgeleitete. Ich finde, dass die zurückgehende Selbstbestimmung der Leute (Schichtdienst etc.) einerseits und die Tatsache, dass sie in den Geschäften zu immer schlechteren Bedingungen arbeiten gehen (dürfen) auch aufgrund den gestiegenen Kosten für längere Ladenschlusszeiten geschuldet sind. Außerdem werden die gestiegenen Preise damit auch etwas zu tun haben. Aber diese Dinge sind natürlich für freie Märkte für freie Bürger unbedingt in Kauf zu nehmen.
Hallo,
das mit dem erweiterten Ladenschluss bringt überhaupt nichts.
Gruß
Joachim
Es erhöht den Druck auf die Löhne und es führt auch zu Preissteigerungen. Aber die Anhänger solcher “Liberalisierung” reduzieren solche Argumente auf eine ideologisch motivierte Verweigerungshaltung.
Außerdem werden die gestiegenen Preise damit auch etwas zu tun haben. Aber diese Dinge sind natürlich für freie Märkte für freie Bürger unbedingt in Kauf zu nehmen.
Äh – ja. Und mich wundert, wie man das anders sehen kann. Preise sollen nun einmal auch Knappheiten anzeigen. Und dass es die gibt, dafür sind nicht böse Neoliberale verantwortlich, sondern die schlichte Tatsache, dass Bedürfnisse unendlich und Ressourcen endlich sind.