Gestern war ein Ehepaar zu Gast in Anne Wills Show. Nach deren Einlassungen zum Thema habe ich mich gefragt, welchen Sinn dieser Besuch im Berliner Studio wohl gehabt haben mag. Die beiden trafen die Feststellung, dass sie mit ihrem Geld kaum mehr über die Runden kämen — und dass, obwohl sie beide jeweils zwei Jobs hätten. Wohngeld hatten sie beantragt. Sie bekämen allerdings keines, weil sie mit ihrem Einkommen über dem Grenzwert lägen. Meine Mutter auch. Sie ist Rentnerin und kriegt knapp 1000 Euro im Monat.
Natürlich bezweifle ich überhaupt nicht, dass es dem Ehepaar finanziell nicht besonders rosig geht. Aber was sollen solche Kronzeugen, wenn nicht ganz konkret gesagt wird, über welches Einkommen sie verfügen? Arbeitet der Mann in seinem erlernten Beruf? Was macht er in seinem 2. Job? Bei seiner Frau war man ein wenig genauer. Sie arbeitet als Verkäuferin und geht noch einer zweiten Tätigkeit nach. Aber weder über das Familien-Einkommen, noch über die beiden Einzeleinkommen wurde konkret geredet. Der Zuschauer erfuhr lediglich, dass sie sich im letzten Jahr keinen Urlaub leisten konnten. So geht es vielen Leuten. Dafür muss ich niemanden ins Studio einladen.
Es war einmal mehr eine Sendung, die ohne Informationsgehalt und dafür voller Plattitüden war. Das Übliche. Wulff und Heil garantierten langweilige Wahlpropaganda und wenig Information. Herr Escher tat sein bestes, sich davon nicht positiv abzuheben. Er stellte ein paar beifallheischende Forderungen in den Raum und der Atomlobbyist vertrat seinen Standpunkt. Nur Frau Dittfurth, wer sonst, haute auf die Pauke. Sie hat den Damen und Herren mal die Meinung gegeigt und bekam, jedenfalls nach meinem Eindruck, vom Publikum viel Applaus. Sie verhielt sich wie immer und kritisierte die Teilnehmer der Gesprächsrunde der Reihe nach in einer wohltuenden und erfrischendenden Unangepasstheit. Da wird manchen die Kinnlade herunterklappen, denn dieses Enfant terrible ist in der heutigen Zeit ja für viele kaum zu ertragen.
Wir sollten vielleicht mal überprüfen, welchen Leute wir bei solchen Diskussionen mehr glauben möchten, dem aalglatten Politiker oder denen, die vielleicht weniger telegen, dafür aber mit deutlich mehr Klarheit ihre Diskussionsbeiträge leisten.












Angela Merkel sagte 2004: „Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer steht für uns nicht zur Debatte. Im Gegenteil.“ Ein Jahr später war in der „FAS“ zu lesen: „Merkel verteidigt die geplante Mehrwertsteuererhöhung.“
Wie nennt man das?
Zitat: Roger Willemsen
Es gehört zum Kategorialen des Politischen, dass es Wahrheit und Lüge schon vollkommen entzogen ist. Franz Müntefering hat ganz ehrlich gesagt: „Ich finde es nicht gerecht, dass wir immer an Wahlkampfaussagen gemessen werden.“ Der Sozialdemokrat verlangt also von mir, dass ich alle seine Sätze im Wahlkampf von vornherein als Lügen behandle. Tue ich es nicht, fühlt er sich von mir beleidigt.
Wo kämen wir hin, wenn alle nur sagen würden: “Wo kämen wir hin?”
und niemand ginge um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen?