Über Sarrazins neue “Provokation” musste ich herzlich lachen. Da wird er sich wohl wieder einen Satz warme Ohren abholen. Dabei hat er doch Recht! Wenn’s kalt ist, wie gerade noch vor ein paar Tagen, laufe ich nicht in den Keller und mach die Heizung an. Wir ziehen uns ‘nen Pulli über und schon ist uns schön kuschlig. Das hat außer dem Spar-Effekt in geldlicher Hinsicht auch den Vorteil, dass man weniger Energie verbraucht. Also: Recht hat er!
Der Finanzsenator sprach sich auch für die vollständige Abschaffung der Pendlerpauschale aus. „Ich meine, wir sollten es so handhaben wie es international üblich ist. Die Arbeit beginnt am Arbeitsplatz und der Weg dorthin ist Privatsache“, sagte Sarrazin der „Rheinischen Post“.
Da muss ich allerdings sagen, bin ich nicht mit Sarrazin einverstanden. Wahr ist, dass der Weg zur Arbeit Privatsache ist. Wer wollte darüber diskutieren? Ich finde es allerdings falsch, wenn Unternehmer und Politiker mehr Mobilität fordern und dann, wenn man sie zeigt, quasi nachträglich die Bedingungen verändern.











naja, früher haben die leute im winter auch mit ihren mänteln im stübchen gehockt.. solche “zustände” haben wir dann halt vielleicht bald wieder.
ich finde im übrigen, dass man durchaus darüber diskutieren wollen könnte, ob der arbeitsweg privatsache ist
Selbstverständlich kann man darüber diskutieren. Die Frage ist nur, mit wem. Ich wäre unbedingt dafür, dass der Weg zur Arbeit von den Unternehmen “übernommen” wird. Leider wird das aber nie passieren. Es gibt, das ist klar, Jobs, für die man solches vereinbaren kann. Das ist etwas ungerecht, weil die in der Regel ohnehin viel besser bezahlt werden. Aber so ist das Leben.
Also ich hab das immer so verstanden: Selbstständige dürfen alles von der Steuer absetzen, was sie für ihr Gewerbe machen. Dazu gehört natürlich auch: zum Kunden fahren. Das ist konsistent, da man ja nur besteuern will, was sie tatsächlich verdient haben. Ansonsten wäre es ja eine Vermögens- statt einer Einkommensbesteuerung, oder?
Dass man das dann auf Angestellte überträgt, ist doch nur logisch. Warum sollten die gegenüber Selbstständigen in dieser Hinsicht benachteiligt werden?
Allerdings sehe ich insgesamt schon das Problem, dass es durch diese Regelung noch einen größeren Anreiz gibt, in die Vororte “raus ins Grüne” zu ziehen. Das ergibt dann die Stadtentwicklung wie sie bei uns jahrzehntelang gelaufen ist: aussterbende Innenstädte und immer dicker werdende “Speckgürtel”. Das endet dann so wie in Amerika, wo man ohne Auto praktisch nicht mehr leben kann, weil alles auf Pendler eingerichtet ist. Ich weiß nicht, was davon zu halten ist. :unsure_tb:
Insgesamt kann ich die Argumentation, dass die Pendlerpauschale wieder eingeführt werden soll, aber schon nachvollziehen. Das Problem der unguten Stadtentwicklung muss man wohl entweder akzeptieren oder anders in den Griff kriegen.
Zitat cohu ↑:
Ich denke, dass dies ein sehr entscheidender Punkt ist. Man könnte natürlich durch die Wegnahme der Pendlerpauschale diesem Trend entgegenwirken. Das wäre allerdings in der momentanen Lage kontraproduktiv. Da müssen schon, wie du richtig sagst, andere Konzepte entwickelt werden.
Warum sollten die gegenüber Selbstständigen in dieser Hinsicht benachteiligt werden?
Die “Benachteiligung” ist keine. Denn auch beim Selbständigen hängt es davon ab, wo er den Schwerpunkt seiner Arbeit hat. Verfügt er z.B. über ein Büro in der Innenstadt und wohnt draußen im Grünen, gelten für ihn dieselben Regeln.
Dass Selbständige oft ihr Büro in der eigenen Wohnung haben, ist eine andere Geschichte: Da wird eben nicht der Weg zum Arbeitsplatz steuerlich berücksichtigt (da 0 km), sondern alle Dienstreisen von diesem aus.
Versteh ich das richtig, Rayson: ein Selbstständiger kann es gar nicht von der Steuer absetzen, wenn er z.B. aus dem Umland erstmal in sein Stadt-Büro fahren muss, um zu arbeiten? Ich dachte, das fiele unter “Betriebsausgaben”?
Wenn nicht, liege ich falsch und nehme alles zurück :thumbup_tb: Dann also weg mit der Pendlerpauschale?
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