Wie gingen Parteien eigentlich früher mit Mitgliedern um, die schon Ministerpräsident, Superminister, Mitglied des Parteivorstandes, kurz ein auf Bundesebene bekannter und angesehener Politiker gewesen sind?
Hätte man Helmut Schmidt, um nur ein paar Jahrzehnte zurückzugehen, auch aus der Partei ausgeschlossen, nur weil er, im Gegensatz zur Meinung der Mehrheit in der Partei für den NATO-Doppelbeschluss war und sich vehement und sehr nachdrücklich für diesen einsetzte? Nein, natürlich nicht.
Ich mag Clement nicht. Er steht für die Agenda. Die hat die SPD in die Lage gebracht, in der sie sich heute befindet. Sie hat mit dazu beigetragen, dass viele gute Leute sich von der Partei abgewendet haben. Substanz ging verloren.
Von meiner Meinung mag ich nicht abgehen. Ich suche finde auch keine Erkenntnis, die mich in dieser Beziehung ins Wanken bringen könnte.
Clement passt nicht in die Partei?! Da gibt’s nicht wenige, die dieser Meinung sind. Andere sind einigermaßen entsetzt, dass er nun ausgeschlossen wurde. In der Tat, die Entscheidung hinterlässt einen sehr faden Beigeschmack. Keine Spielräume für Querdenker. Wenn die ihre Meinung sagen, droht der Parteiausschluss. Ist das der Reflex? Natürlich nicht. Das ist eine zeitbedingte Spezialität der SPD. Aber — kann eine Partei, egal welche, mit derartigen Reaktionen überhaupt überleben?
Um die SPD ist es schlecht bestellt. Das ist keine Neuigkeit, sicher. Aber man tut viel dafür, dass dieses Gefühl wirklich überhand nimmt.









Na ja, es ging dabei ja auch weniger darum, das Clement eine andere Position vertritt, sondern darum, dass er mehr oder weniger dazu aufgerufen hat die eigene Partei nicht zu wählen. Der Vergleich zu Schmidt hinkt also meiner Meinung nach. Schmidt ist an seiner Partei gescheitert, aber er war stets loyal.
Ich mag Clement nicht, ich mag die SPD nicht. Die Partei hat keine Sympathieträger mehr. (Der letzte war IMHO Johannes Rau) Aber ein verdientes Mitglied aus der Partei zu werfen, nur weil er sich abfällig über eine Genossin und deren Landesverband geäußert hat, halte ich für übertrieben. Eine Rüge hätte es da auch getan.
Anyway, die SPD hat wohl nun ihr letztes Pulver verschossen. So genannte Experten prophezeien der Partei nun den Untergang. Warten wir’s ab…
@Thomas: Ich wollte nicht Clement mit Schmidt vergleichen. Das Beispiel belegt aber, wie sich der Stil der politischen Auseinandersetzung, übrigens parteiübergreifend, verändert hat. Schmidt war in seiner Partei, vor allem aufgrund seiner Haltung in Bezug auf den Nato-Doppelbeschluss, sehr umstritten. Das heißt nicht, dass ich ihn für illoyal gehalten habe. Er war innerhalb der Partei nicht Repräsentant einer Mehrheitsmeinung. Soweit sind wir uns vielleicht einig. Wenn das so ist, ist auch klar, dass zu jetzigen Handlungsweise ein fundamentaler Unterschied bestanden hat. Nicht in der Sache, sondern in der Reaktion der Partei. Das hatte ich gedacht, deutlich gemacht zu haben.
@Markus: Die SPD (Achtung!) ist immer noch meine Partei. Die Ewiggestrigen… Es ist außerordentlich schmerzhaft, mitzuerleben, wie das Spitzenpersonal dieser Partei diese in ihren Fundamenten nachhaltig zerstört. Wenn es ginge, müsste man sie zur Rechenschaft ziehen. Gut, der Wähler tut das. Aber welche Partei tritt an die Stelle der SPD? Es fehlt eine sozialdemokratische Politik. Die SPD sucht nicht nach ihr und die Linken machen nichts als Propaganda.
Sozialdemokratisch… In unserem Land ist doch nichts mehr sozial, meine ich. Denn wenn die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinanderklafft, und die Politik dabei auch noch mithilft, läuft was falsch. Auch die SPD hat es unter Schröder nicht anders gemacht. Da wird der “Kleine Mann” um 200 € im Jahr entlastet, dafür werden ihm hintenrum 300 € wieder aus der Tasche gezogen. Aber da tun sich alle Parteien nichts…
Dass die Linke nur Propaganda macht, ist nicht neu. Links heißt für mich: Kommunismus. Und der lebt bekanntlich genau wie rechts draußen nur von Propaganda.
Dass Clement seiner Partei mit seiner Aussage keinen Gefallen getan hat, ist unstrittig. Aber ihn deshalb gleich vor die Tür zu setzen… Da sollte man lieber alle Minister samt Kanzlerin feuern, die nicht ihren Parteien, dafür aber dem Land schaden.
However, diese Diskussion könnte mächtig ausarten, daher soll es das für mich gewesen sein. Ist auch besser für meine Nerven
Daß Clement kein Freund des Atomausstiegs ist, hat wohl den ein oder anderen bekannten Grund. Wenig verwunderlich finde ich, daß ein hochstilisierter ‘Parteisoldat’, der in die eigenen Reihen schießt, härter abgestraft wird als irgendein belangloser Nörgler von der letzten Bank.
Am lustigsten fand ich ja, dass in den Radionachrichten nach der Clement-Meldung ausgerechnet das hier kam.
Naja, nicht dass ich selbst jemals versucht war, in die SPD einzutreten, aber ich vermute, dass bei solchen Entscheidungen dieser Schritt für viele Sozi-Sympathisanten in noch weitere Ferne rückt :bye_tb:
Ja, ich wollte mal beitreten. Ist nicht lange her. Der Antrag wurde nicht angenommen bzw. ich erhielt auf meine Rückfrage bezüglich der Beiträge keine Antwort. Das Thema hat sich inzwischen erledigt. Und das, obwohl ich meine, dass Deutschland eine sozialdemokratische Partei nötig hat. Nötiger denn je.
Ich denke, in einem Punkt sind wir uns einig: DIESE SPD braucht Deutschland nicht. Braucht Deutschland eine funktionierende SPD oder im allgemeinen eine funktionierende sozialdemokratische Partei? In Anbetracht der “Sozialdemokratisierung” der CDU könnte man das infragestellen.
Aber viel grundsätzlicher: Hat die Sozialdemokratie das soziale Augenmaß für sich gepachtet? Sind andere Parteien unsozial? Was diesem Land gut tun würde, wäre eine Diskussion um konkrete Inhalte, um die Aufgaben eines funktionierenden Sozialstaats.
Die SPD ist auch deswegen in einer so erbärmlichen Lage, weil sie keine zeitgemäße Antwort mehr auf diese Fragen liefern kann.
Ich habe noch gar nicht gelesen, dass die SPD für sich “gepachtet” hätte, sozial zu sein. Außer natürlich, man impliziert das schon allein aufgrund des Parteinamens. Wäre ja nicht überraschend…
Die SPD ist in einer erbärmlichen Lage. Sie leidet unter einer Führungsschwäche, die im Übrigen auch in den anderen Parteien zu erkennen ist. Andere Parteien geben sich in ihren Programmen natürlich nicht unsozial. Für mich ist es nur so, dass links der SPD Parteien agieren, die ich noch weniger ernst nehme. Ich hoffe, dass die Traditionspartei SPD sich wieder fängt und ihre Mitte wieder findet. Ich meine damit allerdings keinesfalls Schröders Mitte, sondern mehr das Selbstverständnis einer großen sozialdemokratischen Partei Europas.
Der Meinung schließe ich mich an. Clement ist einfach zu weit gegangen, indem er vor laufenden Kameras sagte: “Ich würde sie nicht wählen”. Und das vor einer sehr wichtigen Wahl. Keine andere Partei würde ein solches Verhalten tolerieren. Mit Querdenker hat Clements Verhalten nichts zu tun. Es war schlicht und einfach parteischädigend.
Zudem hat Clement als “Super-Minister” unter Schröder völlig versagt. Vielleicht hat er ja in der Wirtschaft ein glücklicheres Händchen, aber als Politiker ist Clement eine pompöse Null.