Datenklau – kein Thema?

In der Blogszene scheint der aktuelle Fall der missbräuchlichen Verwendung von vertraulichen Daten Tausender von Kunden nicht viel Beachtung gefunden zu haben. Jedenfalls fand ich nicht so viele Artikel zum Thema. 17.000 Menschen sind betroffen. Mit den Daten (Name, Geburtsdatum, Adresse, Kontoverbindungen und Telefonnummern) kann man schon eine ganze Menge anfangen. Jedenfalls sind sie viel Geld wert.

Während meiner Lehre war ich ein paar Monate zuständig für die Führung der Urlaubskartei. Dort wurden auch die Daten der Verwaltungsangestellten akribisch festgehalten. Genaue Adresse, Geburtsdatum, Telefon-Nummer, Familienstand u.s.w. Eines Tages wurde ich vom Mitarbeiter einer Krankenkasse angerufen. Scheinbar kannten die aus irgendeinem Grund mein Aufgabengebiet. Der freundliche Herr fragte mich, ob ich mir nicht ein paar Mark nebenbei verdienen wolle. Je Adresse, die ich nur mit der Schreibmaschine abtippen sollte, würde ich eine Mark bekommen. Das wären so ungefähr 250 Mark gewesen. Verdammt viel für einen 15jährigen. Das war 1968. Ich bin diesem Verführungsversuch nicht erlegen. Vielleicht war es mir auch nur zuviel Arbeit, die  Daten abzutippen.

Heute geht das vermutlich deutlich schneller. Und einfacher. Man kopiert schnell mal eine CD und schwupp ist man ein paar Euros reicher. Vielleicht auch ein paar mehr. Der Wert solcher Daten ist, wie man liest, scheinbar sehr hoch.

In Großbritannien wurde im letzten Jahr eine CD mit den Daten von 25 Millionen Kindergeldempfängern “verloren”. In den USA könnte man mit einer Sozialversicherungsnummer Konten eröffnen oder Führerscheine und Kreditkarten beantragt werden. Man kann also eine Menge mit solchen Daten tun. Der Missbrauch, der mit den Daten im aktuellen deutschen Fall getrieben wurde, ist ja auch nicht eben banal. Auch wenn man bedenkt, dass renommierte Firmen nicht davor zurückzuschrecken scheinen, unter Nutzung dieser Daten obskure Geschäfte zu machen.

Vielleicht sollte der Aufschrei der Bloggerszene sich nicht auf den Missbrauch privater Daten durch staatliche Institutionen begrenzen, sondern auch in einem solchen Fall laute und vernehmliche Proteste aussenden?!  Ich fände das jedenfalls richtig.

Aber scheinbar ist es uns viel wichtiger, wen man als seriösen Journalisten betrachten muss oder ob man etwa E-Mail-Verkehr in Blogs veröffentlichen darf. Sicher, das ist auch interessant und wichtig. Aber der Kampf gegen Datenmissbrauch sollte uns schon ein grundlegender Auftrag sein. In Blogs habe ich bisher darüber wenig gelesen. Aber vielleicht war ich nur wieder mal nicht gründlich genug. Meine Scanner haben schließlich im Moment Urlaub.

Vielleicht kommt bei diesem Fall ja auch noch mehr raus.