Journalisten gegen die Evolution, äh gegen Dilettanten und Abschreiber
Die “Berliner Zeitung” nimmt sich, nicht ohne einen Bezug auf den zuletzt heiß diskutierten “Spiegel”-Artikel über deutsche Blogger/innen herzustellen, der nicht kleinen Gruppe der Filmkritiker unter den Bloggern an. Offenbar heiß und innig liebt Autor Josef Schnelle diese spezielle Abart der verhassten Gattung. So ein bisschen erinnern seine Tiraden an die Auseinandersetzungen, die das öffentlich-rechtliche Fernsehen und seine Befürworter mit den Privaten bzw. vornehmlich über diese geführt haben und immer noch führen. Der schlimmste Satz ist in meinen Augen folgender:
Die Internet-Blogs zersetzen das informierte und unabhängige Urteil
Sofort fallen mir zahllose Filmkritiken ein, die ich im Laufe meines Lebens gelesen habe. Diese hochintellektuellen und sicher ungeheuer wertvollen Kritiken hätten dazu geführt, hätte ich sie ernst genommen, dass ich nie im Leben einen Film gesehen hätte, der mich richtig gut unterhalten hätte. Ok. Das ist eine Übertreibung, aber die meisten werden wissen, was ich meine.
Weiter schreibt er:
Warum wählt er das Netzversteck, in dem sich hauptsächlich Dilettanten und Abschreiber herumtreiben?
Mit “er” meint er einen Kollegen, der sich unerhörterweise des neuen Mediums bedient und an dem sich Herr Schnelle deshalb nicht abarbeiten möchte, weil er seine Arbeit offenbar (trotzdem) schätzt. Der Mann ist allerdings auch kein Geringerer als Wolfram Schütte, früherer Chef des Feuilletons der “Frankfurter Rundschau”.
Ich würde sagen, dass das Maß nun voll ist! Mit dieser Abqualifizierung meint er offensichtlich uns alle. In der Sache kann ich seinen Eifer und sogar seinen Standpunkt irgendwie verstehen. Schließlich geht es, wenn es wirklich so abläuft, wie er mit Hinweis auf die USA beschreibt, um die Existenz von Menschen. Dafür habe ich schon Verständnis. Nur – auch diese Entwicklung gehört eben zu den Veränderungen, die uns allen täglich zugemutet werden. Da kann man sich nicht einfach rausstehlen, nur weil man denkt, man zählt zur geistigen oder kulturellen Elite eines Landes.
Er schließt seinen Beitrag mit den Sätzen:
Das Kino braucht die Filmkritik. Auf Blogs kann es verzichten.
Er vielleicht, ich nicht! Und — bestimmt liest der Mann, der doch vermutlich auch zur Spezies “seriöser Journalisten” zählt, keine Blogs. So ist es ja scheinbar häufig, wenn diese Art von unreflektierter Kritik stattfindet. Vielleicht sollten wir ihm mal einen netten Leserbrief schreiben!? Wer macht mit? Dass Herr Schnelle selbst Filmkritiker ist muss ich wohl nicht extra erwähnen?
via: Robert
weitere Meinungen zum Thema: Medienlese, Filmtagebuch, Thomas Matterne, Perlentaucher, Fünf Filmfreunde, Moviepilot


Gilbert
Am Besten einfach gar nicht ignorieren. :)
Wer braucht schon Kritiker? Wenn ich wissen will, ob man sich irgendein Produkt antun soll, frage ich einen Kumpel, der das schon getan hat. Der tickt eher so wie ich, so dass sein Urteil für micht aussagekräftiger ist. Kein Wunder, dass die Kritiker in einer Zeit der besseren Austauschmöglichkeiten zwischen Gleichgesinnten allmählich ihre Felle wegschwimmen sehen. Und eine andere Möglichkeit der Äußerung als die der beleidigenden Überheblichkeit kennen sie eben nicht, was eher für die Armseligkeit dieser Leute spricht als für ihre Qualität.
Birni
Nun, früher waren die Leserbriefe das was heute die Blog sind. Natürlich ist ein Blog ausführlicher und regelmässiger als ein Leserbrief. Ich verstehe jedoch die pauschale Kritik dieses Herrn auch nicht. Sicher gibt es schlechte Blogs. Aber genauso gibt es auch schlechte Printmedien.
Die Zeitschriften und damit auch die Journalisten werden an diesem Trend nicht vorbeikommen und müssen sich einfach damit auseinandersetzen. Plumpe Kritik wird daran nichts ändern.
Birnis letzter Blogeintrag Bahn mit Negativschlagzeilen – schon wieder
Mario H.
Letzten Endes spricht doch nur die Angst vor den Blogs aus den Artikeln, aus diesem Grunde kommen sie auch immer häufiger. Früher habe ich mich auch dazu geäußert, heute sehe ich darin echt keinen Sinn mehr. Ich versuche lieber, neue Leserschichten aus meinem privaten Umfeld zu gewinnen.
Des Weiteren besteht die Arbeit der Journaille doch nur noch daraus, dpa-Meldungen umzuschreiben und irrelevante Meldungen zu verfassen, in diesem Sinne könnte auch purer Neid hinter den dauernden Angriffen stecken.
Mario H.s letzter Blogeintrag Wahlplakat CSU II
Stewart
Ich glaube nicht das irgendjemand Angst vor Blogs hat. Auch wenn sie sich immer weiter verbreiten, sind sie qualitativ von echtem Journalismus weit entfernt. Das sog. Web 2.0 ist mehr ein Zeitvertreib bzw. eine Diskussionsplattform anstatt wirklich Informationsquelle.
Gilbert
@Stewart: Das halte ich so nicht für richtig. Eine Reihe von Blogs machen eine ausgezeichnete Filterarbeit, indem sie zu bestimmten Themen eine größere Menge von Medien abgrasen. Andere Blogs stellen wesentliche Informationsquellen dar, wenn man die Ideologie der dahinter stehenden Gruppen verstehen will. Natürlich muss man auswählen und darf nicht eine Seite zum Aufhängepunkt nehmen, auf der verschiedene Möglichkeiten des Kaffeebrühens diskutiert werden, aber was übrigbleibt, steht dem “echten Journalismus” wohl kaum nach, auch wenn das sekundär auf den gewerblichen Primärmedien aufsetzt. Abgesehen davon, dass bei diesem Spiel nicht gerade wenige der “echten Journalisten” beim Mogeln erwischt werden, wird die Hauptsorge vermutlich gerade der Diskussion auf diesen Plattformen und der daraus resultierenden zunehmend kritischeren Haltung gelten.
Wodurch wird ein Film ein Knüller? | QuerBlog.de
[...] so toll gefallen hätte. Vielmehr habe ich darin nach einem Hinweis Tom Tykwers gesucht, der Josef Schnelles Behauptungen erhärtet [...]
Angie
Ja, DDR is nich mehr
Kfzkredit
ist aber gar nicht schade.
Marion vom Tagesgeldblog
Dass dort Angie schreibt ist schon anmaßend…..