Telekom schließt 39 Callcenter
Seit April bin ich wieder Kunde bei der Telekom. Alles bestens! Seit vorgestern gab es ein paar Aussetzer in meiner DSL-Verbindung. Gestern, um die Mittagszeit herum, wieder. Also rief ich mal eben unter einer 800er Nummer an, die ich mit dem seinerzeitigen Anschreiben von der Telekom eigentlich für Rückfragen zu meiner Vertragsumstellung erhalten hatte. Eine andere hatte ich nicht, und ich war zu faul, die Auskunft anzurufen. Internet gab’s ja gerade nicht.
Ich hatte sofort Anschluss. Eine freundliche Dame ließ sich das Problem schildern und prüfte sofort (und ohne mich weiter zu verbinden), ob es an der Leitung liegt. Sie kam bis zum DSL-Modem durch. Die Leitung war’s also nicht. Die Dame sagte mir, dass ich gleich zurückgerufen würde. Man würde in der Zwischenzeit weitere Messungen durchführen. Danach wollte sie mich an einen anderen Platz verbinden, um weitere Checks durchzuführen. Nach 5 Minuten kam der Rückruf. Die Leitung war definitiv störungsfrei. Ich wurde an einen Kollegen weiter verbunden. Mein Router hatte sich scheinbar "aufgehängt". Jedenfalls lief alles wieder, nachdem ich ihn (den Router) kurz vom Strom genommen hatte.
Abschließend wurde ich noch kurz an "die Kollegen von T-Online" durchgestellt. "Vielleicht haben die ja noch eine Idee." Auch dort wurde ich direkt (ohne jegliche Zeitverzögerung) "bedient". Die Mitarbeiterin empfahl mir, sollte es sich wiederholen, dass der Router verrückt spiele, mich einfach noch einmal zu melden. Man werde dann eine Lösung für das Problem suchen und ggf. ein Austauschgerät zur Verfügung stellen.
Das kann man wohl nur als absolut perfekten Service bezeichnen!
So sollte es doch sein – oder? Ich bin jedenfalls hoch zufrieden und sehe mich in meiner Entscheidung bestätigt, wieder zur Telekom zurückzugehen. Abgesehen davon war das nicht die erste positive Erfahrung, die ich mit dem Kundendienst der Telekom (zu deutsch "Hotline") gemacht habe. Das ist in meinen Augen schon deshalb erwähnenswert, weil diese kompetente und freundliche Art in anderen Firmen heute durchaus eher die Ausnahme als die Regel darstellt.
Gestern kam’s schon in den Nachrichten und heute stand es in meiner Tageszeitung: Die Telekom macht ernst und schließt bundesweit 39 Callcenter. 8000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind betroffen. Diese werden zwar alle an anderen Telekom-Standorten eingesetzt, trotzdem kann man sich vorstellen, dass diese Veränderungen bei den Kolleginnen und Kollegen des Unternehmen nicht sonderlich gut ankommen. In Callcentern wird nicht viel Geld verdient. Das ist jedenfalls im Allgemeinen der Fall und sicher auch bei der Telekom nicht viel anders. Nun müssen die Leute einen längeren Weg zur Arbeit in Kauf nehmen. Das Management der Telekom findet, dass insgesamt ein 2stündiger Weg zur der Arbeit zumutbar sei. Generell würde ich da zustimmen. Aber man muss natürlich auch sehen, dass dort bestimmt viele Teilzeitkräfte beschäftigt sind, für die sich dieser Weg, auch aufgrund des niedrigen Gehaltes, nicht mehr lohnen wird. Die Entwicklung der Bahn- oder Treibstoffkosten vergrößern dieses Problem zusätzlich.
Wie auch immer: Die unternehmerische Entscheidung ist vertretbar. Begründet hat sie der zuständige Vorstand damit, dass das Unternehmen in diesem Bereich zu "kleinteilig" und damit zu ineffizient sei. Das ist schon nachvollziehbar, wenn man sich vor Augen hält, dass es bisher 63 Standorte in Deutschland waren. Gut finde ich, dass die 8000 Arbeitsplätze erhalten bleiben. Allen betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern werden andere Arbeitsplätze (also an anderen Standorten angeboten). So müssen die 300 Leute, die heute in Köln tätig sind, sich wahrscheinlich darauf einstellen, demnächst nach Bonn pendeln zu müssen. Prinzipiell halte ich das schon für zumutbar.
Was ich nicht verstehe und unter diesen Voraussetzungen regelrecht ärgerlich finde, ist die Haltung von "Ver.di". Die reden direkt schon wieder von einem möglichen Arbeitskampf. Wieder ein solcher Arbeitskampf, der viel Geld kostet, das Renommee der Gewerkschaften insgesamt nur beschädigt und am Ende überhaupt nichts an der Situation ändern wird. Die Gewerkschaften sollten sich ernsthaft einmal Gedanken darüber machen, worin sie eigentlich ihre Aufgabe sehen und vor allem, wie sie die Menschen von deren Sinn und Zweck überzeugen können. Für mich verlieren sie mehr und mehr die Glaubwürdigkeit. Und das sage ich, obwohl ich absolut der Ansicht bin, dass wir starke Gewerkschaften brauchen. Gerade in diesen Zeiten.


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