Fast ein Verkehrstoter mehr

Auf der Rückfahrt nach Hause sauste ein Igel über die Straße. Bevor wir richtig erfasst hatten, was da quer unseren Weg kreuzte, war das Auto auch schon über ihm. Meine Frau saß am Steuer und tat genau das, was ich in dieser Situation genauso gemacht hätte:  Vollbremsung. Bei dieser gemäßigten Geschwindigkeit war das weniger spektakulär als sich das anhört.

Ich stürzte aus dem Wagen und suchte ihn. Er lebte und war zur Seite hin einfach weitergelaufen. Antreiben ließ er sich nicht – eher im Gegenteil. Er "watschelte" (anders kann man den gemächlichen Gang, den er an die Nacht legte, eigentlich nicht bezeichnen) weiter und erreichte den Straßenrand. Nun ging’s über den Bürgersteig in den Vorgarten des angrenzenden Grundstücks. Ich probierte, ihn ein wenig anzutreiben. Sinnlos. Er blieb einfach stehen. Fast genau auf der Grenze zur Wiese des erwähnten Vorgartens. Er hob etwas den Kopf – ganz so, als wollte er sehen, wer da seine einsame Reise durch die Nacht störte. Besonders ängstlich wirkte er nicht. Jedenfalls machte er auch in den nächsten Minuten keine Anstalten, sich weiter in Sicherheit zu bringen bzw. das Weite zu suchen.

Ich war der Meinung, der Igel sei in Sicherheit und ging zum Auto zurück. Meine Frau fragte, ob alles in Ordnung sei. "Ja, alles OK. Keine Verletzungen. Alles nochmal gutgegangen".

Es versetzt mir immer einen kleinen Stich, wenn ich wieder einen überfahrenen Igel auf der Straße sehe. Das wird wohl den meisten Leuten so ergehen. Diese Tiere sind wohl so etwas wie der Prototyp des Verkehrsunfall Säugetiers. Hört ein Geräusch und igelt sich ein. Wenn er Glück hat, spielt sich das an einer Schräge ab und er rollt sozusagen aus der Gefahrenzone. Ansonsten – zack – aus – vorbei.

Wir fuhren also beruhigt weiter und bogen zu unserer Garage ein und was bewegte sich da kurz vor uns auf dem Zufahrtsweg? Natürlich. Ein weiterer Igel. Für ihn war allerdings alles gefahrlos, denn hier gibt es keinen Verkehr – um diese Zeit. 

Insgesamt aber gilt – Man hat nicht Augen genug.

Kommentare

  1. Gilbert meint:

    Vollbremsung

    Vorsicht! Egal, ob Tier oder anderes Fahrzeug, die versicherungstechnische Faustformel heißt “voll draufhalten”. Schon bei einem Ausweichversuch bekommt man nämlich eine Teilschuld. :!:

  2. Horst Schulte meint:

    Das weiß ich doch. Aber wir leben in einem “Dorf”. Da war auch kein Verkehr hinter uns. Ganz bestimmt. Außerdem hatten wir keine 50 km/h drauf. Alles im grünen Bereich. Und der Igel hat überlegt. Was will man mehr?