Häufiger habe ich mir schon den Kopf darüber zerbrochen, was ich von der heutigen Jugend denken soll. Einerseits, das ist eine meiner schon länger geltenden Feststellungen, sind die jungen Leute heute viel selbstbewusster, als wir es in diesem Alter gewesen sind. Das finde ich uneingeschränkt positiv. Mich hat es genervt, wie viele meiner Generation mit ausgesprochen geringem Selbstbewusstsein ins Erwachsenenalter eintraten, mich selbst eingeschlossen.
Was man andererseits beobachten kann ist, dass die Jugend nicht dazu bereit ist, sich von unserer (also der älteren Generation) allzu deutlich vernehmlichen und auch schon länger anhaltenden Wehleidigkeit anstecken zu lassen. Das ist doch auch sehr positiv! Ich wünschte, ich hätte den Elan und das Zutrauen in die Welt und könnte die Dinge genauso sehen.
Es wird wohl normal sein, dass die eine der anderen Generation wenig Verständnis entgegen bringt. Bei “ZEIT.de” konnte man Ende letzer Woche einen Artikel über “die jungen Leute” lesen, der ein paar Reaktionen hervorgerufen hat. Verständlicherweise. Titel des Beitrages von Jens Jessen (53), Feuilletonchef, war: “Die traurigen Streber“.
Seine Polemik beginnt mit den Worten “Wo sind Kritik und Protest der Jugend geblieben? Die Angst vor der Zukunft hat eine ganze Generation entmutigt.” Für meine Generation scheint jedenfalls beides zuzutreffen. Wir haben (in den 60ern und 70ern) diskutiert und protestiert. Danach allerdings haben wir uns eingerichtet. Und nun, wo sich die Dinge ändern, wollen ausgerechnet wir, die, wie alle Generationen, bestimmt vieles falsch gemacht haben, unseren Kindern Vorhaltungen machen, weil sie ihr Leben etwas anders anpacken?
Manuel J. Hartung und Cosima Schmitt, “ZEIT.de” geben eine Replik auf Jessens Artikel. Titel: “Die effizienten Idealisten“. Beide gehen schon arg hart mit der älteren Generation ins Gericht.
Sie starten mit einem süffisanten: »Wer die Jugend so verkennt, gehört schon zum Establishment!« und sie fahren fort:
Wer richtet denn hier überhaupt? Der Vertreter einer Generation, die in den Siebzigern sozialisiert wurde; einer Generation, die mit ein paar lieblichen Liedern und leuchtenden Buttons die 68er imitierte. Beim Demo-Hopping gingen Jessen & Co. nicht einmal ein Risiko ein: Wer wusste, dass die Rente sicher ist und Arbeitslosigkeit ein Nischenproblem, der konnte leicht ein bisschen durch den Hofgarten demonstrieren.
Was Jessen seinerseits ganz ausgeblendet hat, ist die Tatsache, dass wenn es denn alles so falsch gelaufen wäre, wir zumindest einen ordentlichen Teil der Verantwortung daran zu tragen hätten, denn für Erziehung und Wertevermittlung fühlen wir uns doch wohl immer noch zuständig. Oder haben wir die inzwischen schon ganz an Institutionen wie Schule oder Universitäten abgetreten?
Auch in meiner Tageszeitung, dem Kölner Stadt-Anzeiger gab es eine ordentlich “Backpfeife” für Jessen. Die 19jährige Volontärin Nasanin Kamani kritisiert ebenso die einseitige und überzogene Polemik Jessens wie das Autorenteam aus dem eigenen Hause.












Ich schätze mal, an dem Grundkonflikt hat sich in den letzten 5.000 Jahren (seit Ende der Jäger- und Sammlerzeit) nichts geändert: die ältere Generation sitzt auf Mitteln und Privilegien und argumentiert auf der Basis ihrer Erfahrungen, die junge Generation schaut mit ein wenig Neid auf den Besitz der alten und registriert, dafür lange und hart arbeiten zu müssen (ohne allerdings zu realisieren, dass die alten auch 30 Jahre dafür benötigt haben), und pfeift auf die “Erfahungen”, um sie dann selbst (oft schmerzlich) machen zu können (man denke an das kleine Kind und die heiße Herdplatte oder den Teenager mit seinen Beziehungskrisen).
Was sich aber schon geändert hat, sind meiner Ansicht nach die Grundwerte. Damit meine ich weniger politische Einstellungen (obwohl die sicher auch dazu gehören), sondern ein oft gnadenloser Egoismus. Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Fleiss und so was gehört heute zu den eher seltenen Fähigkeiten. Aber vielleicht vertue ich mich da ja auch und habe in der Vergangenheit halt vieles nur nicht mitbekommen.
Gilberts letzter Blogeintrag Eigenartiger Nationalstolz
Nein, ich denke nicht, dass sich Gilbert da vertan hat. Noch etwas anderes fehlt den meisten der jüngeren Generation heute und dass ist Respekt. Respekt davor, was andere vor ihnen auf die Beine gestellt haben und Respekt gegenüber der älteren Generation. Mir kommt es so vor, als durchleben die Jugendlichen eine Art Revolution gegen vieles bisher gewesene.
Die Juzgendlichen tun Dinge in einem Alter, woran wir heute noch nicht einmal denken. Das ist nicht nur befremdlich, es ist in gewissem Maße sogar besorgniserregend, denn gerade der Werteverfall ist es, der unweigerlich auf einen abgrund zuführt.
Jaja, genau, die erste Kippe mit 5 und schwanger mit 10. So ist sie, die Jugend von heute!
Leider ist aber, und das muss ich als Jungspund jetzt mal anbringen, auch die ältere Generation nicht mehr das, was sie mal war. Was musste ich da letzte Woche im Stern lesen!?? Ich war schockiert. Unsere Senioren gehen anscheinend inzwischen dazu über, sogar noch weit jenseits der Fünfunddreißig dem Geschlechtsverkehr in den verschiedensten Varianten zu frönen. Nicht genug, der Greis von heute besitzt auch noch die Frechheit, sich damit in aller Öffentlichkeit mit bebilderten Interviews zu brüsten. Ja Pfui Teufel! Daher kann ich dem hier…
nur aufs Heftigste zustimmen!!! :p
@.Cohu: du gönnst uns älteren wohl nur diese Art von Sex? (nur 2. Kommentar beachen) :-*
Gilberts letzter Blogeintrag Jetzt weiß ich, wie Steinmeier aussieht
Wenn man wissen will ,was die Omis machen, dann muss man nur in den diversen Tageszeitungen die Anzeigen durchblättern. Auch wenn vieles davon absolut obszön und wiederwärtig ist…in der heutigen Zeit ist das nichts ungewöhnliches und außergewöhnliches mehr und man kann sich nicht sicher sein, ob´s bloß ne billige Abzocke oder bittere Realität ist. Gott Lob, befindet sich der betreffende Personenkreis wohl imemr noch in der Minderheit.
Was die Jugend betrifft finde ich, dass der Staat dort gewaltig nachholen sollte. Habe neulich mal in einem Blog etwas gelesen, was für mich absoolut unbegreiflich ist. Da wird in der Schule ein Fach unterrichtet, was sich mit dem korrekten Ausfüllen des Hartz IV-Formulares beschäftigt, weil die Jugendlichen in dem Ort gar keine andere Perspektive mehr haben. Was soll das denn? Wie bitte schön kann man von den Jugendlichen verlangen, respektvoll der älteren Generation gegenüberzutreten, wenn sie so behandelt werden? Sie finden keine Ausbildungsplätze, können sich nur mit Müh und Not eine Existenz aufbauen und haben kaum Alternativen. Wie bitte schön soll man da als Jugendlicher und Pubertierender Mensch seinen Unmut im Zaum halten, wenn man in einer so trostlosen Zeit lebt?