Bedienzuschlag: Die Wüste lebt

Wohl mit umgekehrten Vorzeichen. Ich finde nämlich, dass diesmal nicht das Unternehmen (die Bahn) die Schuld hat. Bestenfalls könnte man jammern, dass die Umstände verantwortlich sind. In Wahrheit aber ist es unser eigenes Unvermögen, Ursache und Wirkung richtig einzuschätzen.

Die Bahn hat von ihrem Plan abgelassen, einen “Bedienzuschlag” einzuführen. Ja, ich finde auch, dass dieses Wort einfach nicht in die Landschaft passt. Servicepauschale wäre vielleicht gegangen oder etwas in dieser Art. Aber Bedienzuschlag — nein, dass klingt einfach zu arg nach “Arsch hinterhertragen”. Außerdem kostet so etwas Geld. Und das geht schon überhaupt gar nicht.

Dabei wollte Mehdorn ja eigentlich nur das tun, was in anderen Unternehmen  mehr und mehr abgeschafft wird. Nämlich ein bestimmtes Maß an Service sicherstellen. Aber der kostet Geld. Er wird nämlich von Menschen geleistet – nicht von Maschinen. Das aber heißt, der Kunde müsste bereit sein, höhere Preise zahlen. Das passt natürlich überhaupt nicht in die Landschaft.

An diesem Beispiel sieht man, auch die künftigen Aktionären der Bahn, wer in diesem Unternehmen eigentlich das Sagen hat (auch künftig). Die Politiker nämlich. Wer hat den “Bedienzuschlag” verhindert? Hätten die Politiker nicht den Frust, bezeugt durch weiteren Liebesentzug seitens der Wählerinnen und Wähler, gefürchtet, wäre die Sache bestimmt nicht so schnell vom Tisch gewesen. Ob solche Einsichten gute Voraussetzungen für den geplanten Börsengang sind? Auch dieses Frage wird Mehdorn bestimmt arg beschäftigen.

Mehdorn ist stur. Demnächst wird es aus Bahnkreisen heißen, dass Arbeitsplätze abgebaut werden müssen. Ich glaube, es waren 60 Mio. €, die man durch den “Bedienzuschlag” zusätzlich in die Kasse kriegen wollte. Die werden fehlen. Das hat bestimmt Konsequenzen. Natürlich wird Mehdorn dann erfahrungsgemäß auch gleich wieder zurück gepfiffen. Nicht durch die Kunden, wohl aber durch die Politik.

Mein Fazit: Wir wollen super tollen Service – alle. Wir fordern ihn ununterbrochen. Wir monieren immer sofort und heftig, wenn irgendwo der Service schlecht ist. Verständlich. Aber es muss auch klar sein, dass so etwas Geld kostet. Und man sollte nicht die Unternehmen dafür abstrafen oder ihre Führung dafür kritisieren, dass sie dieser Forderung nachzukommen versuchen. Allerdings ist es schon eine andere Sache, wie hoch solche Zuschläge sind und ob diese ggf. zum Gesamtpreis der Leistung, die vom jeweiligen Unternehmen erbracht wird, auch noch passt. Das schien mir im vorliegenden Fall nicht so zu sein.

Also: Wieder mal Geld gespart. Dafür wird der Service wohl schlechter. Es werden vielleicht Schalter geschlossen, Leute entlassen und dafür ein paar Blechbüchsen mehr aufgestellt, gegen die man treten muss, um seinen Willen zu kriegen.

Jedenfalls sind wir wieder ein gutes Stück vorangekommen – durch die Servicewüste Deutschland.

Kommentare

  1. Mario H. meint:

    Bei der Bahn gibt es zwei Variablen:
    - der Service wird schlechter und
    - es wird teurer.
    Sonst könnte sich die Bahn ihre Vorzeigeprojekte ja nicht mehr leisten.

    Höchste Zeit, dass endlich das Netz privatisiert (= der Bahn entrissen) wird, sodass Konkurrenz aufgebaut wird.

    Mario H.s letzter Blogeintrag Play with spider

  2. Mark meint:

    Inzwischen habe ich aber gehört, dass es für diejenigen Rabatt geben soll, die ihre Tickets im Internet oder am Automaten kaufen. Im Endeffekt doch genau das gleiche…

  3. Gilbert meint:

    Wenn man sich bei der Bahn mal ein sinnvolles Tarifsystem überlegen würde, wäre die Diskussion wohl kaum nötig. Will man heute von A nach B, so kann das je nach Zug und Zeit zu mindestens einem Dutzend verschiedenen Fahrpreisen erfolgen, wobei die Preisunterschiede vom billigsten Tarif zum teuersten auch schon mal die 100%-Hürde überwinden können. Selbst die Bahnleute brauchen dann für eine Beratung oft die fünffache Zeit, die bei einem einfachen System hinreichend sein würde.

    Wieso muss die Bahn überhaupt so teuer sein? Selbst wenn ich alleine unterwegs bin, ist das Auto meist günstiger.

    Und die nun fehlenden 60 Mio entsprechen, wenn ich die Argumente im Lokführerstreik richtig verfolgt habe, in etwa den Gehaltszuschlägen, die sich der Vorstand unter kräftiger Mithilfe der Politiker in den letzten Jahren selbst genehmigt hat.

    Gilberts letzter Blogeintrag Die Bcuhstaenrehenifloge in eneim Wort ist eagl

  4. Horst meint:

    Ich bin sicher der Letzte, der sich für höhere Preise ausspricht. Vielleicht ist es so, dass die Bahn insgesamt zu teuer ist. Weshalb das so sein könnte, dazu traue ich mir selbst kein Urteil zu. Vielleicht kann man Geld einsparen, in dem man das Tarifsystem vereinfacht. Aber ich denke schon, dass sich doch damit ein paar kluge Leute beschäftigt haben werden. Dass ständig alles, was die Bahn tut, in dieser Weise runtergemacht wird, halte ich für unfair. Aber ich hab gut Reden. Ich benutze schließlich nur sehr selten die Bahn. Dann habe ich allerdings gute Erfahrungen gemacht. Kann ich nicht anders sagen.

  5. Gilbert meint:

    Es sind nur 3 Fragen, die beantwortet werden müssten, die aber von den Verantwortlichen meines Wissens nach nie gestellt werden:
    a) Wie lange muss der Kunde warten?
    b) Wie lange darf die Fahrt dauern?
    c) Was darf das ganze kosten?

    Spätestens beim letzten Posten wird dann immer gemogelt, in dem ein Auto-km mit irgendwelchen Astronomie-Preisen knapp unter 1 Euro gerechnet und damit nachgewiesen wird, dass der ÖPV günstiger ist. Das stimmt aber nicht! Die Rechnung darf nicht ENTWEDER Bahn ODER Auto lauten, sondern Bahn UND Auto.

    Wenn ich bspw. von Emden nach Lengerich muss (letztens geschehen) und die Bahn 60 Euro dafür will, der Diesel aber unter 35 Euro kostet und außerdem die Fahrtzeiten mit der Bahn insgesamt 2 Stunden länger dauern, dann muss ich nicht darüber nachdenken, was ich nehme. Bekannte von mir sollen für die Strecke Wesel-Nürnberg-Wesel pro Person 220 Euro abdrücken – sorry, ich will die Bahn nicht kaufen, ich will nur damit fahren. Spezialtarife, etwa 37 Tage vorher bei Regen 2 Stunden vor Mitternacht gebucht und dabei eine tote Kröte über die Schulter geworfen, kommen auf etwa die Hälfte des o.g. Fahrpreises. Ich frage mich, was dieser Unfug soll.

    Gilberts letzter Blogeintrag Harry Cane und die Verunreinigten Staaten von Amerika