Die Finanzmärkte demonstrieren.. (und gegen was bitte?)

Was in den vergangenen Tagen gefeiert wurde als „Rückkehr des Staates“ in der Gestalt eines „lender of last resort“, der das Vertrauen wieder schaffen soll, das viele Menschen in die Banken und diese unter sich verloren haben, erweist sich bei näherem Zusehen als einigermaßen simplistische Vorstellung. Die Finanzmärkte demonstrieren, wie gering das Vertrauen in Maßnahmen ist, die in „nationaler Souveränität“ getroffen werden, auch wenn sie sinnvoll sein mögen. In der politisch wie wirtschaftlich vernetzten Welt, der wir unseren Wohlstand verdanken, kann der national verfasste „Leviathan“ weder die existentielle Sicherheit seiner Bürger gewährleisten, noch kann der Staat allein, in seiner neuesten Mutation von der „Milchkuh“ zum Superbankier, ihre materielle Sicherheit garantieren.

Wer hat die “Rückkehr des Staates” gefeiert? Manchmal denkt man wirklich, diese Journalisten haben einen Knall. Zuerst wird staatliches Eingreifen als einzig mögliche Lösung propagiert und wenn dies dann in Gang kommt, fangen die ganz besonders klugen Köpfe damit an, wieder alles in Frage zu stellen. Ich fürchte, dass auch Herr Nonnenmacher noch begreifen wird, welche Dimensionen diese Krise schon erreicht hat. “Die Finanzmärkte demonstrieren….” Das ich nicht lache. Die Finanzmärkte wissen überhaupt nicht mehr, wie sie den nach unten rasenden Fahrstuhl aufhalten sollen.

Finanzkrise: Abschied vom Leviathan – Der Kommentar – Politik – FAZ.NET

Kommentare

  1. Gilbert meint:

    Bischen gelassener draufschauen. Irgendwie müssen die Journalisten ja ihre Auflagen steigern.

  2. Horst meint:

    Gelassenheit ist in diesem Zusammenhang wirklich nicht meine Stärke. Ich sehe ganz Schlimmes auf uns zurasen. Hoffentlich irren sich die Schwarzseher.

  3. Gilbert meint:

    Betrachte es mal von der Seite: 98% der Leute, die heute verkünden, sie hätten das schon seit Jahren kommen sehen, sind mit denen identisch, die dir seit Jahren genau die “totsicheren” Anlagen verscherbeln, die nun für sie aus der Hölle kommen. Egal, wie das jetzt ausgeht, das Wirtschaftssystem als solches wird in dieser Form wieder auf die Beine kommen, weil es das seit 900 Jahren macht (möglicherweise noch länger), und dann werden wieder dieselben Leute da sein und dir die neuen Anlage verkaufen.

    Mit Schwarzsehen kommst du in die Schlagzeilen – alles andere hat keine Chance, in Druck zu gehen. Vermutlich werden wir in ein paar Wochen darüber diskutieren, ob die Banker oder die Journalisten für mehr kaputtes Porzellan verantwortlich sind.

  4. Horst Schulte meint:

    Vermutlich werden wir in ein paar Wochen darüber diskutieren, ob die Banker oder die Journalisten für mehr kaputtes Porzellan verantwortlich sind.

    Das könnte ich mir auch gut vorstellen.