Finanzkrise: Wer hat denn nun Schuld?
Sie wehren sich. Mit Texten, die ich zwar lese aber nicht verstehe. Viele andere vielleicht auch nicht. Kalkül wird das nicht sein. Dafür sind die Texte wahrscheinlich zu lang. Die Mühe macht sich vielleicht dann doch keiner. Sie mühen sich, Zweifel zu sähen. An der Meinung vieler Politiker und natürlich des gemeinen Volkes, die Gier einiger Weniger bzw. der Kapitalismus wären die Ursachen für die schwere Krise, in die wir gestürzt sind. Sie beziehen sich auf bedeutende Ökonomen. Ja, es ist schon ein Kreuz, wenn man sich im Besitz überlegener geistiger Fähigkeiten wähnt und sich doch unverstanden glaubt. Ausdrücken kann man sich ganz excellent. Der Schönheitsfehler: Die Texte verstehen oft nur ein paar Gleichgesinnte. Aber vielleicht sind die ja vom Sender auch ganz bewusst als Empfänger ausgewählt. Der Duktus der Artikel spricht jedenfalls nicht dagegen.
Ich versuch mal (Vereinfacher wie ich bin) meine Zusammenfassung:
Nicht der Markt ist schuld. Es gibt gab auch nie zu wenig Regulierung. Und immer noch existiert viel zu wenig Markt und selbstredend ein Übermaß an Regulierung.
Und außerdem und vor allen Dingen sind die Politiker an allem schuld.

Thomas
Niemand hat Schuld! Es kann doch studierten, hochdotierten und anschließend toll berenteten Managern doch mal passieren sich um ein paar Milliarden zu vertun….. Das Du da kein Verständis für hast…..tz tz tz (H)
Martin
Ja, die Texte sind jeweils lang und der bemängelte Ductus ist tatsächlich oft mühsam. Trotzdem: Besonders Wohlgemuts Texte sind brilliant in ihrer Analyse. Vielleicht aber sollte man sich wirklich die Mühe machen und sie zu verstehen suchen, bevor man eine so läppische Zusammenfassung von sich gibt. Der vom Demokraten Carter eingeführte und vom Demokraten Clinton verschärfte „Community Reinvestment Act“, der von Banken verlangt, dass sie vergünstigte Kredite zugunsten von Einkommensschwachen vergeben, entspricht halt tatsächlich den wirklichen Gegebenheiten und dürfte als Ursprung der Subprime-Krise in die Annalen der US-Wirtschaft eingehen. Es gibt im übrigen auch einen New York Times Artikel vom 30.9.1999 (!), der auf dasselbe Meccano hinweist. Lesen bildet!
Horst Schulte
@Thomas: Ja, an meiner Bildung muss ich arbeiten. Das findet Martin auch.
@Martin: Der Hinweis auf Clintons Programm wird hinsichtlich der beschriebenen Auswirkungen schon zutreffen. Unverzeihlich, solche Absichten in diesem von Kapitalisten beherrschten Land. Nun, die Globalisierung hat uns ja ebenfalls auf diese Straße geführt.
Klar, dass man sich als Anhänger neoliberaler Überzeugungen auch heute noch gegen Clintons unverantwortliche Handlungsweise wendet. Späte Rache quasi. Und prima auch, dass damit auch gleich ein weiteres Argument gegen Obama gefunden ist.
Martin
Nein, nein, das ist nicht gegen Obama. Das ist gegen staatliche Intervention. Von wem auch immer.
Martin
Sorry, zu früh abgeschickt…
Von wg. “neoliberaler Überzeugungen” wäre da auch noch ein anderer Text von Wohlgemuth zu empfehlen.
Rayson
Also mal ehrlich, Horst. Was willst du uns damit sagen?
Dass du ein Recht hast, Urteile über Dinge zu fällen, von denen du nicht viel verstehst? Das hast du. Nur müsstest du dann damit leben, dieses Urteil vor allem mit Hilfe von Glaubensstärke durchzuhalten. Statt denen vorzuwerfen, die sich darauf nicht verlassen wollen, dass sie nicht zu denselben Schlüssen kommen wie du.
Ich habe zum letzten Mal soviel Schwachsinn (jetzt mal allgemein formuliert und nicht speziell auf dich gemünzt) in der Blogosphäre und den Medien gelesen, als Merkel und Schröder im Wahlkampf waren.
Es spricht viel dafür, dass ein Mix aus falscher Geldpolitik und falscher Regulierung (nicht zwingend “zu viel” oder “zu wenig”) zu dieser Krise beigetragen hat. Für eine Staatskritik war da zu viel private Dynamik im Spiel, für eine Kritik an freien Märkten viel zu viel Staat (wer hat nochmal das Geldmonopol?). Die Kritik am Staat bezieht sich zu Recht auf sein Versagen als Rahmensetzer – das muss die Politik ertragen, wenn sie die Rolle übernimmt.
Horst Schulte
Ja, lieber Rayson. Auch wenn das für dich geradezu unfassbar ist. Ich stehe dazu, dass ich nicht über alles Bescheid weiß. Schon gar nicht, über den Klamauk, der sich uns in den letzten Monaten über die Finanzmärkte dargeboten hat. Mir macht das wahnsinnige Angst, und ich verstehe die “Mechanismen” dieser Parallelwelt überhaupt nicht. Heute steigen die Kurse in einer Art und Weise, dass es jedem, der diese Sache mitkriegt, doch eigentlich den Magen umdrehen müsste. Aber nein, wir haben uns zu freuen. Darüber, dass der Untergang vielleicht nochmal aufgeschoben wurde. Und dass wir uns allen Ernstes dann darauf reduzieren, dass der eine es versteht und der andere nur keine Ahnung von diesen hochkomplexen Vorgängen hat, das sollte uns doch zu denken geben.
Rayson
Was heißt “darauf reduzieren”? Ich bin da vielleicht etwas altmodisch, aber ich lasse mich lieber von einem Typen operieren, der Medizin studiert hat, als von einem Kritiker der “Schulmedizin”.
Was nichts darüber aussagt, was dieser Kritiker sonst noch so kann. Vielleicht ist es ja ein begnadeter Autor?
Das ist ja auch verständlich und legitim. Nur, so finde ich, sollte als Konsequenz daraus die Suche nach Wissen und nicht ein vorschnelles Urteil folgen.
Wenn man dir was schenkt, freust du dich doch auch. Nichts anderes ist hier passiert.
Horst Schulte
Ich will doch nur spielen. Stell dir vor, wie langweilig es wäre, wenn ich vor meinen Blogbeiträgen immer recherchieren würde. Dann käme ich ja gar nicht mehr zum Bloggen. Das wäre echt schlimm.
Und es gibt Wirtschaftswissenschaftler, die durchaus ähnlich kritische Bemerkungen zu den diskutierten Vorgängen abgesondert haben. Sie stellen Forderungen nach mehr Kontrolle, mehr Regulierung und anderen Abscheulichkeiten, die Liberalen natürlich die Zornesröte ins Gesicht treiben dürfte. Ganz so arg daneben kann ich mit meinen Sätzen gar nicht liegen. Auch wenn du das ganz anders siehst.
Rayson
Dann berufe dich auf sie und argumentiere mit ihnen. Das wäre ein Ansatz zu einer sachlichen Auseinandersetzung. Aber ich erkenne das Dilemma schon: Es reicht nicht, den Schluss zu teilen, man muss auch den Weg dahin nachvollziehen können.
Ist es so verkehrt zu verlangen, dass diejenigen, die das nicht schaffen, sich mit Meinungsäußerungen in dieser Richtung lieber etwas zurückhalten sollten?
Du “reduzierst” mich, wenn du meine Kritik ergebnisbezogen siehst.
Alrik
Nun, was ist das wichtigste wenn man ein Problem lösen will ?
Richtig erstmal einen Schuldigen zu finden. Hat man einen Schuldigen, ist das Problem so gut wie gelöst, oder ?
IMHO geht es bei den beiden verlinkten Blog-Einträgen nicht um die Schuldfrage, sonder um die Frage was für Lehren aus der aktuellen Krise für die Zukunft zu ziehen sind.
Aber gehen wir mal davon aus das die “Neoliberalen” falsch liegen. Wobei die Definition “Neoliberal” einfach ist:
“Neoliberale sind gegen staatliche Kontrolle, für Privatisierung und wollen alles dem Markt überlassen”.
Das schöne daran ist, das man das Etikett “Neoliberal” jedem anhängen kann, und ihm damit automatisch die oben genannte Einstellung unterstellt wird.
Das erleichtert das Lesen von Texten von Neoliberalen Autoren ungemeint, man weis ja worauf sie hinauswollen…
Aber gehen wir mal davon aus, das die Neoliberalen falsch liegen.
Wir brauchen also mehr staatliche Kontrolle, weniger Privatisierung und weniger Markt.
So könnte man z.B. die Europäische Zentralbank mehr der poltischen Kontrolle unterstellen.
So könnte die Politik immer sofort reagieren, wenn eine Krise entsteht, z.B. dadurch das sie die Bank anweisen die Zinsen zu senken.
Auch könnten die staatlichen Unternehmen weniger auf den Profit und mehr auf das Soziale achten. Beispielsweise darauf, das es mehr bezahlbaren Wohnraum gibt.
Gut, die meisten Wohnungen werden über private Geldinstituten finanziert, aber wenn die Politik die großen staatlichen Banken anweist bevorzugt Kredite für Geringverdiener aufzukaufen und abzusichern würde das sicher dazu führen das die privaten Banken mehr Kredite für Geringverdiener anbieten.
Das ist fernab der sozialen Kälte der Neoliberalen und sollte solche Probleme wie wir sie jetzt gerade haben in Zukunft verhindern, oder ?
Bank Tan
Daran sind die Banken doch ganz alleine Schuld, erst die Karre in den Dreck fahren, dann weglaufen, als die Karre wieder läuft weiter machen. Hallo?! Und dann weigern sich die tollen Banken auch noch die Zinsen zu senken oder überhaupt Kredite zu gewähren. Immer auf den eigenen Vorteil bedacht. Ich denke Obama macht da größere Schritte als die Europäer…