Ja, es stimmt. Wir neigen dazu, andere für selbst erfahrenes Unglück verantwortlich zu machen. Wir suchen gern gleich einen Schuldigen, wenn etwas Einschneidendes geschieht. Meistens finden wir ihn auch schnell. Und das tut so gut! Wir brauchen uns ggf. nicht mehr mit langem Suchen nach dem eigenen Anteil an der Misere aufzuhalten. Effizient ist es also auch noch.
Bei uns Deutschen hat man die Neigung festgestellt, dieser einfachen und wohl sehr menschlichen Reaktion eine Komponente beizugeben oder besser gesagt, sie umzuwandeln: Es ist ein ideologisch verbrämter und natürlich linker Reflex, der sogleich entsteht. Ich will auf die angeblich politisch “linke” Orientierung der deutschen Bevölkerung hinaus. Längst hat das die Klarseher, die es Gott sei Dank doch auch in diesem Lande noch gibt, auf den Plan gerufen. Sie widmen sich der Aufklärung des Plebs mit ganzer Hingabe.
Die Finanzkrise wurde also ausgelöst, weil die amerikanische Regierung (also natürlich wieder mal die Politik und wie könnte das auch anders sein?), ihren Landsleuten via Fanny Mae und Freddie Mac nicht ordentlich abgesicherte Kredite gewährt hatten. Ein ganz unverzeihlicher Fehler, dass die Clinton Regierung diesen idealistischen und linksliberalen Politikern nun einmal anhaftenden Leichtsinn breitgetreten hat und die Banken nötigte, sehr vielen Leuten Geld zur Bildung von Eigentum zu geben. Nun sitzen die Banken aufgrund dieses geradezu typischen Fehlers idealistisch handelnder Politiker auf ihren wertlosen Krediten. Wirklich tragisch das Ganze! Gerade Politiker des linken Lagers, zu dem man die Demokraten scheinbar auch zählt, haben auch in der Vergangenheit immer schon bewiesen, dass sie wirtschaftspolitisch wenig auf der Pfanne haben. Kein Weitblick für die wichtigen und richtigen Entscheidungen. Das kann man heute auch gut nachvollziehen, wenn man die finanzielle Situation der USA mit der vergleicht, die Clinton damals vorfand und die noch herrschte, als er den Staffelstab an Herrn Bush übergab.
Die ganz Misere kommt doch nicht, wie es uns Mainstreammedien (ARD, ZDF, RTL, SAT1, SPON, FOCUS und wie sie alle heißen) weismachen möchten daher, dass der Kapitalismus in den zurückliegenden beinahe 20 Jahren mehr und mehr sein wahres Gesicht zeigte.
Nein! Viele Leute wollen einfach nicht verstehen, dass es nicht die Tentakeln einer riesigen Kapitalismuskrake sind, die diese Welt in den Abgrund reißen. Schließlich erleben sie doch, wie die Segnungen der Globalisierung Arbeitsplätze und Realeinkommen, Renten und die Zukunft unserer Kinder sichern. Und deshalb sehen wir auch ganz erwartungsvoll unserem Rentenalter entgegen. Vielleicht können wir, wenn wir Glück haben, sogar ein paar Jahre früher aus dem Berufsleben ausscheiden. Hartz IV sichert einen gewissen Lebensstandard und, wie gesagt, um die Zukunft unserer Kinder muss uns ja auch nicht bange sein. Die Zahl der Bewerber ist in diesem Jahr erstmals kleiner als die Anzahl der verfügbaren Stellen. Alles bestens also!
Selbst Umweltzerstörung und die Folgen sind nur krasse Agitation der nationalen und internationalen Linken. Lasst uns doch einfach mehr Kapitalismus wagen! So, wie es uns auch einer der inzwischen abgehalfterten Protagonisten der neoliberalen Fraktion in seinem neusten Buch vorschlug.
Das Hilfspaket, das die Regierung “geschnürt” und verabschiedet hat, darf dabei helfen, wieder Vertrauen herzustellen. Das wird von vielen begrüßt. Auch von denen, die zuvor unbedingt und ganz strikt gegen jegliche staatliche Einmischung in die ach so tollen Märkte gewesen sind. Nun dampft die Kacke und jetzt können die gleichen Leute gar nicht erwarten, dass wir eingreifen und die Löcher stopfen, die durch eine Mischung aus Borniertheit und Gier aufgerissen wurden.
Selbst die ärgsten Verfechter wirtschaftlicher Freiheit, etwa Professor W. Sinn vom IFO-Insitut hört man nun sagen, wie gut, richtig und mutig die Entscheidung unserer Regierung gewesen wäre. Der Mann beeilt sich aber sogleich, den von ihm ausgemachten Konstruktionsfehler im Paket anzuprangern. Die Deckelung der Gehälter von Vorständen nämlich. Nun mag die festgeschriebene Grenze von 500.000 Euro für einen Vorstand nicht annähernd das sein, was man sich heute (ohne staatliche “Aufsicht”) so zahlt, aber das war gar nicht sein Punkt. Vielmehr nimmt er an, dass die staatlichen Kredite deshalb gar nicht abgerufen werden, weil die Bank in diesem Fall damit zum einen offenkundig mache, dass sie Probleme habe und zum anderen, dass die Manager lieber die Kredite solange es ginge nicht in Anspruch nehmen, um ihr Gehalt durch die besagte Regelung nicht zu gefährden bzw. nicht auf einen ganz Batzen Geld zu verzichten.
Wahr ist aber auch, dass Sinn einen Punkt gemacht hat, der bedenkenswert und nach meiner Meinung außerordentlich wichtig ist. Durch die zögerliche Inanspruchnahme der staatlichen Kredite (aus den besagten Gründen) könnte nämlich die Versorgung der “Realwirtschaft” mit Krediten in Gefahr geraten. Das wäre ein Effekt, den keiner wünschen wird. Insofern wird über die von Sinn kritisierten Regeln noch einmal nachgedacht werden müssen.












Ich halte die Sache für komplizierter und doch einfacher, als sie immer dargestellt wird. Guckst du hier, damit ich nicht noch mal alles hier reinschreiben muss.