Ackermanns Angst um Deutschland

Jetzt regt sich der Josef Ackermann aber mal auf. Ich glaube, das passiert nicht oft. Und — der Schweizer Ackermann hat  jetzt Angst um dieses Land. Keine Angst, Herr Sodann wird schon nicht Präsident werden. Wir sind ja schließlich nicht in den USA (das konnte ich mir jetzt nicht verkneifen!).

Ackermann kann sich überhaupt nicht vorstellen, glaube ich, dass es andere Leute gibt, die weniger in Sodanns Präsidentschaftskandidatur ein echtes Problem sehen, als vielmehr in der realistischen Möglichkeit, dass trotz Finanzkrise die Machenschaften in diesem Premium-Teil des Kapitalismus ungebremst weitergehen könnten. Danach sieht es im Moment doch aus. Oder findet jemand, dass sich irgendwas am Verhalten der Zocker und Abräumer auf dieser Welt geändert hat? Oder weshalb sonst fahren die Börsenkurse trotz milliardenschwerer staatlicher Hilfepakete weiter Achterbahn? Doch wohl deshalb, weil wieder eine Menge Leute auf Teufel komm raus zocken.

Als einfacher Mann, der Herr Sodann für viele (Politiker) bestimmt ist, vermutet man in der Vorstandsetage des größten Bankhauses der Republik vielleicht auch nicht ganz zu Unrecht Leute, die bei diesem Roulette die Regeln bestimmen. Das Ergebnis ist nicht gerade berauschend und kostet die Allgemeinheit im schlimmsten Falle irrsinnig viel Geld. Unvorstellbar viel Geld.  Ich finde es, nebenbei gesagt, witzig, wie schwer sich gestandene Journalisten in diesen Zeiten mit gewissen Beträgen tun. Da spricht mal schnell mal von Millionen, obwohl Milliarden gemeint sind. Bei diesen Summen kann man sich schon mal vertun.

Herr Ackermann will auf seinen Bonus verzichten. Das macht wieder viele Leute wütend. Der meint sicher, er hätte einen Bonus verdient. Viele seiner Kollegen in anderen Bankvorständen bestimmt auch. Mir ist es egal. Diese Leute machen ohnhin was sie wollen und selbstverständlich ist das legal und von den Aufsichtsräten abgesegnet. Würden alle Vorstandsgehälter im Bankenbereich nun gedeckelt, wie das ja bei den Banken vorgesehen ist, die staatliche Kredite in Anspruch nehmen werden, würde sich doch an den Realitäten auch nichts ändern. Insofern halte ich diesen Bestandteil des “Paktes” irgendwie für lächerlich. Aber die Politik brauchte eben ein Symbol, das sich der Öffentlichkeit gut verkaufen lässt. Eine Art Sanktion wäre es ja, wenn man für 2 Jahre statt 14 Mio. nur 500.000 Euro Jahresgehalt bekommt. Nicht, Herr Ackermann? Ich hatte schon an anderer Stelle dazu angemerkt, dass ich ganz ausnahmsweise in dieser Frage die Meinung von Prof. Sinn teile. Diese Regelung wird sich vermutlich, wenn sie denn überhaupt in dieser Form zur Anwendung käme, als kontraproduktiv erweisen.

Kommentare

  1. Rayson meint:

    Was du “zocken” nennst, ist zu großen Teilen Zukunftseinschätzung.

    Das geht bei Börsen gar nicht anders, denn Vermögen ist die Summe abgezinster zukünftiger Zahlungen.

    Warum sollten ausgerechnet die Börsianer als einzige die genauen Folgen der Krise kennen und wissen, wie groß die Rezession sein wird? In solchen Zeiten der Unsicherheit ist ein Rauf und ein Runter die normalste Reaktion der Welt.

    Wenn du die Richtung kennst, in die das Ganze jetzt gefälligst zu gehen hat, warum investierst du dann nicht entsprechend?

  2. Horst Schulte meint:

    Nee, ich kenne die Richtung nicht. Aber bestimmt gibts genügend kluge Leute, die das können. Hoffentlich werden die dann aber nicht ausgerechnet aus den Kreisen “rekrutiert”, die den ganzen Schlamassel angerichtet haben. Viele der so genannten Experten sitzen wohl mittendrin.