Keine Ahnung, wie viele Leute auf der Website von Anne Will abgestimmt haben. Das steht dort leider nicht. Ich denke, dass es einige gewesen sein werden. 2/3 der Leute, die abgestimmt haben, haben Angst um ihren Arbeitsplatz. Das ist bei der Nachrichtenlage wohl auch kein Wunder. Die Sonntagszeitungen melden von der Verschärfung der Krise bei Daimler und bei VW. Nicht nur bei VW sind womöglich Zigtausende von Arbeitsplätzen in Gefahr.
Steinmeier meint: “Nach dem Rettungsschirm für die Banken brauchen wir jetzt auch einen Schutzschirm für die Arbeitsplätze in Deutschland”. Ist ja klar. Dann spannt ihn mal schnell auf – den Schirm. Solche Forderungen schaffen kein Vertrauen! Sie sind höchstens ein Beleg dafür, wie ratlos die Politiker angesichts des Umfanges der Krise sind. Scheinbar interessiert sich Steinmeier mehr dafür, wie er die SPD positionieren kann, als Klartext zu reden. Stattdessen verweist er auf die vorteilhafte Situation, die wir in Deutschland durch die Agenda-Politik der Schröder – Regierung haben und an der er maßgeblich beteiligt gewesen ist. Das weiß jeder. Deshalb werde ich die SPD auch nicht mehr wählen. Angeblich sind wir also besser gerüstet, als manche unserer europäischen Nachbarn. Er muss das nicht beweisen und wenn’s nachher nicht stimmen sollte, ist es schließlich auch egal.
Mich macht es wütend, dass der Aufschwung, von dem doch eigentlich nur ein paar Unternehmer und Geldsäcke etwas gehabt haben, schon wieder vorbei ist und die Arbeitslosigkeit wohl mit Sicherheit bald stark ansteigen wird. Oder die Meldungen, die wir in diesen Tagen sehen und hören durften, sind genau solche Luftnummern, wie die Meldungen, die wir jeden Tag von den Börsen erhalten. Mal geht’s rauf, mal geht’s runter. Keiner weiß so richtig, was er von diesem Auf und Ab eigentlich halten soll.
Das Szenarium ist gelernt. Zuerst verlieren die Leute (vielleicht viele) ihren Job, die als Zeitarbeiter ihre berufliche Existenz mit diesem Notstopfen-Modell in Ermangelung fairer Chancen bestreiten mussten. Das ist einer der tollen Fortschritte, die uns die Agenda 2010 gebracht hat und auf die gern von SPD-Bonzen mit Stolz verwiesen wird. Eben ganz nach dem Motto: Lieber ein Scheißjob als gar keiner. Das ist ja auch bei den Schwarzen mehrheitsfähig. Von der FDP gar nicht zu reden.
Der Kölner Express hat eine Liste zusammengestellt, die lt. Überschrift ein paar positive Punkte der Krise herausstellt:
- Der Ölpreis sinkt
- Auch die Gaspreise sind betroffen
- Die Teuerungsrate nimmt ab
- Hohe Zinsen
- Staatliche Hilfen
- Der Euro-Kurs
Die Klickstrecke enthält dann noch ein paar weitere, allerdings negative Punkte. Die erspare ich uns. Ganz abgesehen davon, dass keiner von uns weiß, ob die hier aufgeführten “Gegeneffekte” von Dauer sind, werden sie wohl auch nicht viel Trost spenden.
Erst vor wenigen Monaten gab es bei Diskussionen über eine Legitimationskrise unserer Demokratie. Wenn sich die Dinge so weiterentwickeln, wie es im Moment scheint und wieder mehr Leute arbeitslos werden, bzw., wenn weiterhin zu wenig darauf geachtet wird, dass diese Gesellschaft dringend durch eine gerechtere Politik ausgesöhnt werden muss, sehe ich schwarz für Deutschland.
Update: Im Blog bei Anne Will lese ich die folgenden Sätze:
Ist die Lohnforderung der IG Metall von acht Prozent in der jetzigen Phase überzogen? Müssen die Arbeitnehmer die Folgen der Finanzkrise ausbaden oder die Starken mehr schultern?
Natürlich müssen die Starken mehr schultern. Und was ist das überhaupt für ein Zusammenhang, der da mit der IG Metall-Forderung hergestellt wird? Die 8% sind doch längst überfällig. Diese Forderung bezieht sich auf das, was bisher passiert ist. Und das war — nichts! Dass man nun angesichts der krisenhaften Situation mit dieser Forderung nicht mehr durchkommt ist die eine Seite. Sie dazu zu benutzen, um genauso billig und falsch weiterzumachen (an die Adresse der Arbeitgeber gerichtet) ist eine bodenlose Frechheit!










Manchmal habe ich das Gefühl, du verfluchst “die anderen” dafür, dass sie den Schalter nicht umlegen, den du selbst nicht finden kannst.
Ich schimpfe über diejenigen, die versuchen, mir die Welt zu erklären und im Grunde auch nicht mehr wissen, als ich selbst. Gerade habe ich die Diskussion ausgeschaltet, die bei “Will” stattfand. Es ist der Wahnsinn. Kannegießer erzählt uns, wie froh wir sein können, dass in den letzten Jahren so viele neue Jobs entstanden sind und fängt dann an zu stottern, wenn er danach gefragt wird, ob es in seinem Betrieb nicht auch die Zeitarbeiter seien, die nun zuerst wieder auf der Straße landen würden. Er darauf, es habe sich weitgehend um Langzeitarbeitslose gehandelt. Soll heißen: Die können doch froh sein, dass sie zumindest für diese Zeit wieder Arbeit hatten – egal, wie ich sie bezahle.
Wulf quatscht was davon, dass VW so tolle Dinge geleistet habe, geht aber auf das, was Dudenhöfer mit “Blutgemetzel (?) in der Automobilindustrie” gemeint hat, mit keinem Wort ein. Die IG Metall erneuert ihre Forderung, die 8% für ihre Leute erhalten zu müssen. Kipping zeichnet ein Weltuntergangsszenarium, um sich politisch in eine günstige Position zu bringen. Und Peter Krämer macht klar, dass die ganze Geschichte sowieso nur global zu lösen sei. Der Wirtschaftsminister, den wir zuvor in Berlin Direkt sehen und hören durften, bringt uns mit seinen “brillanten” Analysen der Lage auch nicht weiter.
Krämer schließt aus der Auslastung seiner Schiffe, was ich auch von anderen Leuten, für die die Schifffahrt ein wichtiger Indikator der Weltwirtschaft ist, gehört hatte, dass die Entwicklung in einer Weltwirtschaftskrise enden wird.
Wenn es wirklich so kommt, wie es manche im Moment voraussagen, wird es unsere Welt so wohl nicht mehr lange geben. Das macht mich wirklich wütend. Immer noch fußt alles auf Wachstum. Wenn das nicht mehr funktioniert und zwar aus unterschiedlichen Gründen, hätte man (all die Leute, die immer auf alles Antworten haben – s.o.) das doch auch schon vor Jahren kommen sehen müssen.
Die Welt wird sich natürlich verändern. Wie bisher auch schon. Selbst wenn die Bemühungen, die Krise herbeizureden, nicht so viel Erfolg haben sollten.
Ich bin mir nicht so sicher, ob deine Forderung an Experten, sich gefälligst die Gabe der Prophetie anzueignen, je erfüllt werden wird. Aber auch in diesem Fall war es natürlich so, dass es warnenden Stimmen nicht gefehlt hat, die Handelnden aber keinen Anlass hatten, auf sie zu hören. Dann wäre das Desaster auch nur ein Jahr früher gekommen.
Wichtiger wäre es, solche Blasen schon im Ansatz zu erkennen und nicht erst dann, wenn sie für jedermann sichtbar sind. Aber das schafft keiner.
Aber die Typen, die bei Will sitzen, kannst du eh vergessen. Ich tue mir diese Sendung (und die Illnersche) schon lange nicht mehr an, weil sie mir tatsächlich das Gefühl geben, in die Zukunft schauen zu können, denn ich kann die Statements der Anwesenden meist schon vorher aufsagen.
Vielleicht haben es schon ein paar Leute kommen sehen. Daniel Goeudevert beispielsweise.
Also Goeudevert, der alte Dampfplauderer, hat sicherlich nichts kommen sehen.
Aber ich schrieb ja, dass es an warnenden Stimmen (anderer) nicht gefehlt hat. Die Hinweise, dass immer nur billiges Geld und ein Leben auf Pump auf Dauer nicht gut gehen, die hat es ja gegeben. Es fehlte nur der Diktator, der entsprechend hart durchgegriffen hätte.