Politiker sind nicht an Weisungen gebunden, höchstens an Überweisungen.
Graf Fito

Daimlers Blogger: Wer macht sich keine Gedanken?

Viele von uns machen sich Gedanken darüber, wie das wohl weitergehen wird. Es herrscht allgemeine Ratlosigkeit. Mit der Finanzkrise und der nun bevorstehenden Rezession (von der wir nicht mal wissen, ob es überhaupt eine werden wird). Existenzängste gibt es und sie werden nach meinem Eindruck nicht so offen angesprochen oder zumindest nicht öffentlich geäußert. Angesichts der realen Bedrohung läge das aber doch nahe. Wozu gibt’s denn schließlich so viele Blogs in Deutschland?

Wir bekommen mit, was in der Automobilindustrie und bei den Automobilzulieferern im Augenblick los ist. Ferdinand Dudenhöfer wird vorletzte Woche bei Maybrit Illner mit den Worten zitiert, dass in ein “Blutbad von Jobverlusten” bevorstehe.  Es blieben von 80.000 Jobs von Leiharbeitern nur 20.000 übrig – allein in Deutschland, so Dudenhöfer. Heute lese ich von 50.000 Stellen, die allein im Bereich der Leiharbeit, verloren gehen könnten. Solche Nachrichten werden keinen ruhig lassen.

Daimler-Mitarbeiter Mario Jung spricht die Situation seines Unternehmens im Firmen – Blog am 28.10. an:

Ich hoffe, dass wir diese Phase mit Hilfe der flexiblen Arbeitszeitkonten, welche es erlauben Stunden aufzubauen, aber auch, wenn es die Situation wie jetzt erfordert Minusstunden zu fahren, gut überstehen. Auch wenn wir das ein oder andere Mal nun die Zähne zusammenbeißen müssen!

Gestern folgt auch eine Stellungnahme von Prof. Dr. Eckhard Kressel, Leiter Personal- und Arbeitspolitik bei Daimler. Das ist eine offizielle Verlautbarung, die auf die Gefühlslage der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kaum eingeht. Es wird die Absicht verfolgt, die Dinge richtigzustellen und klarzumachen, dass der Vorstand alles tut, um die Krise zu bewältigen. Nun ja. Das kennt man schließlich auch aus anderen Unternehmen.

In der Zukunftssicherung 2012 wurde bereits im Sommer 2004 für schwierige Zeiten gemeinsam mit der Arbeitnehmervertretung ein stufenweiser Ablauf vereinbart. Ziel ist es stets, die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens und die Beschäftigung zu sichern. Wir gehen heute davon aus, dass die vielfältigen Flexibilisierungsinstrumente ausreichen, die uns die ZuSi zur Verfügung stellt. [...]

Sie sehen, hinter der Vorgehensweise stehen Überlegungen, die wir im Sommer 2004 gemeinsam mit der Arbeitnehmervertretung in dieser Systematik festgehalten haben. Wir sind gewappnet für einen Abschwung. Natürlich geht so eine weltweite Krise nicht spurlos an uns vorbei, wir haben aber viele Instrumente, um darauf zu reagieren. Wenn ein Unternehmen gegen solche Widrigkeiten gerüstet ist, dann sind es wir bei Daimler!

Inzwischen gibt’s einen eigenen Text von Prof. Kressel, der das Thema nochmals ausführlich beleuchtet.

Ich finde es prima, dass es diesen Blog gibt. Aber man erkennt aber auch gleich, wie eng die Spielräume sind und wie vorsichtig sowohl die Autoren als auch die “Offiziellen” des Konzerns mit dem Medium umgehen. Offene Kommunikation sieht doch anders aus. Oder? Aber wir müssen eben alle noch viel lernen.

Kommentare

  1. Gilbert meint:

    Wieviel Mitleid muss man mit den Autofritzen haben? Opel lädt mich zur Vorstellung des neuen Modell ein: 2,0 l, über 200 PS, Verbauch 8,9 l/100 km. Und der Renault-Händler zeigt mir stolz das neueste Wettbewerbsmodell seines Hauses zum Cayenne.

    Irgendwie scheint der Trend der Zeit an den Managern vorbeigegangen zu sein. Für den Inlandsmarkt scheint sich von den europäischen Autobauern kaum noch einer zu interessieren.

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  2. Horst Schulte meint:

    Die Fehler, die vom Management gemacht wurden, müssen einmal mehr von den Beschäftigten ausgebadet werden. Das empfinde ich als himmelschreiende Ungerechtigkeit. Vielleicht kriegt die deutsche Automobilindustrie noch die Kurve, was die von dir angesprochenen Modellpolitik anlangt. Eigentlich bin ich in dieser Beziehung sehr sicher. Einen ganz ähnlichen Umbruch hat die deutsche Autoindustrie schon hinbekommen, als es um die wachsende Konkurrenz aus Fernost ging. Allerdings ist diesmal der Rahmen ein anderer. Es wird angesichts der Krise, deren Auswirkungen wir nur in Umrissen erkennen können, viel schwieriger werden – glaube ich. Und dann wird sich erweisen, ob Daimler, wie von Prof. Kressler behauptet, wirklich so gut gerüstet ist. Die Leiharbeitskräfte sind ja nun schon voll betroffen. Und die Argumentation der Autobauer, die auch Gesamtmetallchef Kannegießer zuletzt im TV erläutert hat, mag ich überhaupt nicht akzeptieren. Es wird sich noch als ein verhängnisvoller Fehler erweisen, dass wir es zugelassen haben, dass es so unterschiedliche Beschäftigungsverhältnisse gibt. Die Industrie braucht flexible Arbeitskräfte? So viel ist selbst bei mir angekommen. Nur, was das am Ende bedeuten wird, werden sich viele heute noch überhaupt nicht vorstellen können. Und der Schutz, den Arbeitsplätze vielleicht irgendwann einmal gehabt haben, wenn sie ihn denn gehabt haben, wird auf diese Art und Weise immer mehr aufgeweicht. Nur eine Seite profitiert von solchen Regelungen. Und natürlich sind das nicht die Arbeitnehmer.

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