Jetzt gibt es wieder amerikafreundliche deutsche Europäer
Es verwirrt mich etwas, dass wir Deutschen den Amis vorhalten, naiv zu sein. Wer die Statements bei uns sieht oder hört, die nun im Nachgang zur Wahl Obamas gemacht werden, kommt wohl eher zu dem Schluss, dass wir diesen auch in dieser Hinsicht in gar nichts nachstehen.
Wieso müssen wir uns eigentlich von Leuten, die sich als Amerikakenner verstehen, immer vorhalten lassen, dass wir und die Europäer, amerikafeindlich wären? Persönlich möchte ich sagen, dass ich nicht amerikafeindlich bin! Den Kapitalismus mag ich nicht. Ist das schon mit der Ablehnung der USA gleichzusetzen? Und jetzt, nachdem Obama gewählt wurde, bin ich es schon gar nicht. Ich habe mir das so gewünscht und es ist wirklich passiert. Was nun geschehen wird, bleibt abzuwarten. Ich finde es jedenfalls unverschämt, wenn “Arlesheimer Reloaded” zur Wahl Obamas folgendes zu Protokoll gibt:
Ich bin insofern froh darüber, dass mit Herrn Obama erstmals – im Wortsinn – ein Afro-Amerikaner ins Weisse Haus gewählt wurde, weil jetzt die Rassenkarte nicht mehr gespielt werden kann.
Ich schrieb das heute schon mal. So ärgert mich dieser Satz, weil ich mich vorgeführt fühle. So ganz nach dem Motto: Guck mal, der freut sich über den Wahlsieg eines schwarzen Präsidentschaftskandidaten. So als Ausweis des typisch gutmenschlichen Verhaltens. Das ist eine Anmaßung sondergleichen. Wäre ich Amerikaner hätte ich Obama 100% gewählt. Nur für den Fall, dass diese Äußerung den “Verdacht” auszuräumen können sollte. Und noch etwas: Ich bewundere die Amerikaner dafür, dass sie etwas fertig gebracht haben, was ich mir in Deutschland nicht vorstellen könnte. Wir haben eine Ostdeutsche als Bundeskanzlerin. Das hätten vor 10 Jahren auch nur wenige Leute geglaubt, wenn man das für den Beginn dieses Jahrtausends vorausgesagt hätte. Klar, das ist ein blöder Vergleich, aber politsch war Merkel als Bundeskanzlerin schließlich lange Zeit nicht denkbar. Für manche hat sich das bis heute nicht geändert. Ähnlich wird das vielleicht auch in Amerika sein. Natürlich hat Obama dort auch viele Gegner.
Ist es denn so schwer zu verstehen, dass viele Menschen in Deutschland und in Europa (und natürlich nicht nur dort) Probleme mit der amerikanischen Politik unter Bush hatten, sich entsprechend negativ geäußert haben und jetzt sehr froh darüber sind, dass endlich ein Wechsel kommt? Ein Wechsel, der mit einem hohen Vertrauensvorschuss verbunden ist. Ob das berechtigt ist, muss sich natürlich erst noch erweisen. Aber ich will mal optimistisch sein und das fällt mir als Deutschem selbstverständlich und wahrhaftig schwer.

Jan
Sehe ich genau so. Aber mal schaun was es wirklich bringt. Vielleicht kommt ja alles anderes und wir haben wieder was zu meckern.