Sozialkitsch in der ARD

Gestern Abend wurde der fürs Kino gedrehte Film “In Liebe eine Eins” gezeigt. Um 23:30 Uhr in der ARD. Rührselig war’s, auch schauspielerisch überzeugend. Die “Botschaft” des Film fand ich etwas fragwürdig.

Anna Loos, Rosel Zech und Heiner Lauterbach, Leo Natalis und Susanne Lüning spielten die Hauptrollen. Loos die Rolle einer Mutter, deren niedriger IQ bei einer Verhandlung um das Sorgerecht für den 6jährigen Sohn als Grund für den dramatischen Sorgerechtsentzug angeführt wurde. Eine echte Scheußlichkeit, angesichts der offensichtlichen Tatsache, dass die Frau zwar blöd aber eben auch ziemlich süß war. Ganz wie im richtigen Leben. Oh, bevor ich das vergesse: Natürlich liebte die Mutter ihr Kind abgöttisch. Das konnte am Ende ja nur gut ausgehen.

Und wunderbar konnte man auf Basis dieser sehr dürftigen Ausgangslage sogleich auch die Moral der Geschichte erkennen. Da wüten willkürliche Beamte, ihres Zeichens Sozialarbeiter und Sozialrichter, die herz- und sinnlos Familien auseinanderreißen. Und nur der Cleverness und Abgebrühtheit eines sympathischen Anwalts (Heiner Lauterbach), der sich dazu auch persönlich in einer Sinnkrise befindet, ist es zu verdanken, das am Ende das Gute obsiegt. Was für eine Scheiße!

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In der Realität halten wir den Behörden nämlich penetrant und nachdrücklich schwere Versäumnisse vor, wenn wieder ein Kind misshandelt oder sogar getötet wurde. Sie hätten sich nicht gekümmert. Viel früher hätten sie eingreifen müssen. Hinweise darauf, dass in dieser Familie etwas nicht stimme, habe es schließlich genug gegeben. Und so weiter und so fort.

Also, als Film war “In Liebe eine Eins” ja ganz nett. Aber so verkürzen und vereinfachen darf man diese Problematik nicht. Richtig wäre es, wenn die ganze Gesellschaft sich etwas mehr um die Schützbedürftigsten kümmern könnte. Zuvorderst aber sind die Familien selbst verantwortlich. Der Staat sollte sich soweit es geht, mit Eingriffen zurückhalten. Natürlich sehe ich das anders, wenn offentlich Misshandlungen von Kindern vorliegen. Es ist irgendwo eine Gradwanderung, die erst einmal bewältigt werden muss.