Solche Berater wünscht sich wohl jedes Land

In den USA gibt es eine Denkfabrik (so würde man Thinktank doch übersetzen, nicht wahr?), die sich National Intelligence Council (NIC) nennt. Darin sind die us-amerikanischen Geheimdienste zusammengeschlossen, und sie beschäftigen sich mit globalstrategischem Denken. Whow. Dass in einem solchen Land George W. Bush 8 Jahre ungestört schalten und walten konnte — ich kann’s ehrlich gesagt immer noch nicht fassen.

EUROPA 2025?
In seinem Bericht prognostiziert das National Intelligence Council (NIC) für Europa sogar noch einen größeren Bedeutungsverlust als für die USA. Ein Grund: Die auch in den nächsten Jahren zu erwartende Energieabhängigkeit von Russland. Zudem zweifelt der Thinktank, dass die EU ihre institutionellen Reformen rasch zu Ende bringen und eine globale Führungsrolle einnehmen kann. Skeptisch wird die Alterung der europäischen Bevölkerung betrachtet: “Schmerzvolle Reformen könnten Europa zu einem humpelnden Riesen machen, abgelenkt von internem Gezänk und konkurrierenden nationalen Zielen.” Entscheidend wird nach Ansicht des NIC auch sein, wie Westeuropa seine Minderheiten sozial, politisch so wie auf dem Arbeitsmarkt integriert, insbesondere die Muslime. Der Bericht sieht große Chancen für Europa, sollte dies gelingen – und zunehmende Konflikte, sollte dies scheitern. TAZ

Und diese Damen und Herren entwickeln Szenarien, wie Hollywood sie nicht besser erfinden könnte. Eine Kostprobe gefällig?

Ein mögliches Szenario sieht einen namenlosen US-Präsidenten im Oktober 2020 nach einer Sturmflut über Manhattan in sein Tagebuch schreiben: “Die Bilder gehen mir nicht aus dem Kopf. Ich denke, das Problem war, dass wir uns darauf verlassen haben, dass dies nicht passiert, zumindest noch nicht jetzt. Die meisten Wissenschaftler nahmen an, dass die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels erst später in diesem Jahrhundert auftreten würden […]. Aber wir wurden gewarnt, dass wir unsere Energieerzeugung dezentralisieren und unsere Infrastruktur verbessern müssen, um Wetterextremen standhalten zu können. Tragisch, dass wir diesen Rat nicht befolgt haben.”

Tragisch. Bis dahin ist Obama auch nicht mehr Präsident. So viel ist sicher. Oder die Verfassung wird vielleicht irgendwann mal geändert. Angesichts der Probleme, die vor uns liegen, wäre das ja auch nicht mehr auszuschließen. Warten wir es also mal ab.

Die Krise birgt durchaus auch Positives. Die Chefdenker der Geheimdienste gewinnen zum Beispiel dem Abschmelzen der Arktis auch etwas Gutes ab:

Als strategische Veränderungen einer abschmelzenden Arktis benennt der NIC etwa kürzere Schifffahrtsrouten zwischen Nordatlantik und Nordpazifik …

Moment mal. Bedeutet mehr Wasser nicht auch längere und eben nicht kürzere Schifffahrtsrouten? Da sieht man gleich meine Defizite: Die regionalen Besonderheiten hab’ ich natürlich nicht drauf. Deshalb sitze ich ja auch in keinem Tank.

Was mir auch noch einfällt: Anfang der 70-er Jahre gab es doch diesen Riesenschmöcker vom “Club of Rome”. “Das Ende des Wachstums” war sein Name. Die darin gemachten Prophezeiungen lassen ja noch auf sich warten. Bisher jedenfalls. Allerdings habe ich trotz der vielen Seiten manche Aussage nicht vergessen. Ist ja doch schon ein bisschen länger her und es gibt ja Leute, die halten die damals prognostizierten Ereignisse für glatte Übertreibung. Wenn die sich mal nicht täuschen. Warten wir mal 2009 ab.

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