Bisschen was Kritisches u.a. über das Credo der Marktwirtschaft: “Man darf den Hals den voll kriegen…[...] Wir brauchen ewiges Wachstum. Das ist nicht leicht. Fragen Sie Reiner Calmund”.
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28 Antworten : “Volker Pispers über hosenanzugtragende Sprechblasenautomaten”














Seit wann ist “ewiges” Wachstum “Credo der Marktwirtschaft”? Marktwirtschaft hat kein externes Ziel, sondern ist nur das Ergebnis wirtschaftlicher Freiheit.
Guten Morgen Rayson. Scheinbar habe ich das nicht allein so verstanden. Stillstand bedeutet Rückschritt. Sagen das denn nicht immer alle Betriebswirtschaftler? Wer nicht wächst, verliert. Da fand ich die Adaption von Pispers (“Man darf den Hals nie voll kriegen”) eigentlich sehr schön. Aus klassenkämpferischen Gründen sowieso.
Seit wann bestimmen denn Betriebswirte, was den Inhalt einer Marktwirtschaft ausmacht?
Ist mir ja klar, dass solche Aussagen zu einem manchmal nicht ohne jedes Interesse verbreiteten Missverständnis gehören, aber Marktwirtschaften wachsen nicht, weil sie es müssen, sondern weil sie es können.
Das stammt aus dem Ministerium von Herrn Glos. Ich würde die Aussage so verstehen, dass ohne Wachstum nix läuft.
Hihihi. Wie verhält sich das dann, wenn das Bruttosozialprodukt rückläufig ist? Dann kann sie nicht mehr und es wird gesagt, dass Arbeitsplätze nur dann entstehen, wenn Wirtschaftswachstum in einer bestimmten Größenordnung vorhanden ist. Also ich sehe da schon einen unmittelbaren Zusammenhang und bleibe bei der Behauptung, dass das Wachstum das Credo der Marktwirtschaft ist.
Nun, es sind natürlich nicht immer Betriebswirte. Es können auch Ingenieure sein, Anwält oder wer sonst noch ein Unternehmen führt. Die Wirtschaftswissenschaft wird jedenfalls in diesem Fall doch nicht anderer Meinung sein als ich. Oder?
Nur steht da nix von “Credo der Marktwirtschaft”, sondern von “Hauptzielen wirtschaftspolitischen Handelns”.
Dann ist es rückläufig. Dann wird im laufenden Jahr weniger produziert als im Jahr davor. Ich wüsste nicht, warum eine Marktwirtschaft dann weniger Marktwirtschaft wäre.
Der Umkehrschluss ist falsch und beruht auf dem zu Beweisenden (nämlich dass Wachstum die eingebaute Zielfunktion wäre). Wer etwas kann, aber es dann unterlässt, der hat die Fähigkeit dazu nicht verloren.
Das gilt für eine Gesellschaft wie die unsere, mit nach unten weitgehend starren Löhnen und wenig flexiblem Arbeitsmarkt. Aber auch das Entstehen von Arbeitsplätzen – bzw. allgemeiner: die Vermehrung von Arbeit – ist keine eingebaute Zielfunktion einer Marktwirtschaft (fände ich irgendwie auch absurd), sondern ein mögliches Ergebnis.
Rayson, du hast auch schon für viele Unternehmen gearbeitet. Ist dir schon mal aufgefallen, dass in der überwiegenden Zahl aller Unternehmen immer akribisch darauf geachtet wird, dass der Vorjahresumsatz erreicht bzw. möglichst überschritten wird? Das ist dann Wachstum. Wenn es kein Wachstum gibt, dann ist es Scheiße. Dann werden in nicht wenigen Fällen Leute entlassen. Es sind vielleicht Restrukturierungen in größerem Umfang erforderlich. Bis die aber greifen entlässt man zunächst schon mal ein paar Leute, weil man ja schnell Erfolg sehen möchte.
Wenn das Unternehmen dann wieder Umsatz- und (hoffentlich) Ertragszuwächse generiert, werden auch wieder Leute eingestellt und die Produktpalette wird vielleicht ausgeweitet. Warum: Weil man wachsen muss. Wenn man nämlich nicht wächst, geht die ganze Sache von vorn los. Schön einfach, nicht.
Ich habe überhaupt nicht danach gefragt, was Marktwirtschaft ist. Ich habe darauf hingewiesen, dass die an ihr Beteiligten wachstumsorientiert handeln und zwar permanent.
Das ist ja scharf. Wir haben also “nach unten weitgehend starre Löhne”? Daran wird ja gearbeitet. Wir kommen der 1 Euro – Grenze ja sogar mit höchstrichterlichem Entscheid immer näher. Ist das dann Marktwirtschaft?
Wenn die Marktwirtschaft also nur Selbstzweck ist und für die an ihr beteiligten Menschen nur dann einen Nutzen hat, wenn irgendwelche Eigentümer das überhaupt zulassen, dann sind wir ja wirklich goldrichtig. Unter dieser Voraussetzung würde ich aber doch noch mal nachdenken, ob wir das wirklich wollen.
Eine Marktwirtschaft ist eben kein Selbstzweck (wie sollte sie das auch schaffen?), sondern ein Verfahren, die Absichten aller Wirtschaftenden unter Berücksichtigung knapper Ressourcen zu koordinieren, das auf Freiwilligkeit und Dezentralität beruht.
Der Wunsch nach “mehr” ist keine Folge irgendeines Systems (man denke an die Fünfjahrespläne des Sozialismus), sondern nun einmal in den meisten Menschen selbst angelegt. Ob er sich jeweils immer realisieren lässt, ist eine andere Frage. Wenn die Leute dauerhaft weniger konsumieren wollen, wird eine Volkswirtschaft insgesamt wohl schrumpfen, und ein “Mehr” ist dann für die Produzenten nur noch als Nullsummenspiel drin.
Klar. Das ist eine der Kernthesen von Keynes. Anders ist dauerhaft hohe Arbeitslosigkeit auch kaum zu erklären.
Marktwirtschaft ist, wenn freiwillig Verträge abgeschlossen werden. Nicht Marktwirtschaft ist, wenn ich Leute zur Arbeitslosigkeit verurteile, nur weil sie zu einem willkürlich festgelegten Lohn keine Arbeit finden.
Ich habe nichts dagegen, wenn Leute ausprobieren wollen, ob es nicht anders geht. Nur sollten sie dann den Rest nicht zum Mitmachen zwingen und für die Folgen alleine geradestehen.
Genau. Ich würde die Marktwirtschaft als einen, wenn auch komplizierten, Teil eines gesellschaftlichen Organismus verstehen, der nicht zuletzt dazu gedacht sein könnte, die Existenz der Menschen zu sichern. So ganz freiwillig funktioniert dieses System aber nicht. Mit welchem Prinzip wären Menschen sonst in der Lage, angesichts der Tatsache, dass der Tauschhandel und der Agrarstaat lange hinter uns liegt, ihren Lebensunterhalt zu gestalten? Es gibt andere Varianten, die das erlauben aber vielleicht keine, die mit einer freiheitlichen Ordnung gut harmonieren würden. Oder?
Es ist doch kein Gegensatz, die freiheitlichen Prinzipien des Systems zu betonen und gleichzeitig die innewohnenden Aspekte zum Nutzen der Allgemeinheit. Nur liegt in diesen beiden Punkten auch ein Zielkonflikt. Einfach gesagt: Es gibt Menschen, die ihre Möglichkeiten schamlos ausnutzen. Ja, ich hebe da den Zeigefinger, wenn ich das Gefühl habe, dass es nicht gerecht zugeht. Mir ist schon klar, dass man niemanden zwingen kann und auch nicht zwingen soll, weil ansonsten das System in seinen Möglichkeiten stark zurückbleiben würde. Aber am Ende ist es doch ein Geben und Nehmen. Nicht im Sinne von Gleichmacherei. Mehr im Sinn eines menschlichen Miteinanders.
Irgendwie merke ich: Weihnachten steht kurz bevor.
Lach mich nicht aus.
Wirtschaften an sich ist dazu “gedacht”. Marktwirtschaft heißt nur die freie Form davon.
Habe ich nicht verstanden. Was meinst du damit?
Da bin ich ganz bei dir. Als Christ ist das mein Idealbild. Nur ist daran, dass viele Menschen nicht so denken bzw. es nicht so praktizieren, wenn es hart auf hart kommt, eben nicht “das System” schuld.
Es ist im übrigen m.E. auch falsch, unter dem Deckmantel der “Gerechtigkeit” Verschwendung und Gruppeninteressen zu propagieren.
Na die Planwirtschaft.
Auch der Sozialstaat Züge von Verschwendung hat, ich persönlich würde nicht auf ihn verzichten wollen. Jedenfalls ist das heute meine Meinung.
Ich bin ehrlich. Ich weiß nicht, was ich Ende nä. Jahres darüber denken werde. Vielleicht wird es sich erweisen, dass das “Gesetz des Stärkeren” trotz unserer Vorstellungen von Zivilisation dann ganz flott wieder dominiert, wenn es richtig schlecht läuft. Ich halte das jedenfalls für möglich.
Ach Horst
Ich wüsste nicht, warum so etwas ins Blickfeld geraten sollte, das sowohl zu Unfreiheit führt als auch seine Ineffizienz zur Genüge dokumentiert hat. Für mich ist die Planwirtschaft weniger durch Mises als vielmehr durch Hayek auf immer erledigt. Wobei ich zugebe, dass das Ziel der “sozialen Gerechtigkeit” durch sie besser erreichbar ist. Auf Armutsniveau natürlich.
“Der” Sozialstaat? Meinst du damit den, den wir haben? Der ist mehr Staat als sozial. Auf den würde ich gerne verzichten. Dass es ein System sozialer Sicherung (oder besser: viele Systeme!) geben sollte, ist allerdings auch meine Meinung,
“Gesetz des Stärkeren”? In arbeitsteiligen Volkswirtschaften wäre das zum Scheitern verurteilt. Es gibt, wie m.E. alle Untersuchungen bislang gezeigt haben, genug Anreize für alle Wirtschaftenden, sich nicht daran auszurichten. Rücksichtsloser Egoismus wird vielleicht mal kurzfristig belohnt, aber langfristig immer bestraft.
Die Planwirtschaft wäre für mich sicher keine Alternative zur Marktwirtschaft. Aber es gibt sie noch, die Fans der Planwirtschaft. Wenn wir aufgrund der Wirtschaftskrise zu einer Verstaatlichung oder Teilverstaatlichung kommen, auch wenn sie nur befristet ist, wäre diese Möglichkeit ja nun auch real.
Natürlich meine ich unseren Staat. Den würde ich, so wie er ist, nicht eintauschen wollen. Die grundsätzlichen Dinge sind richtig. Auch wenn viele Leute, wie man ja immer wieder liest und hört, am liebsten auswandern würden. Die Leistungselite verlässt das Land, weil ihre Arbeit nicht genügend honoriert wird. Ich war mein Leben lang nicht zufrieden mit meinem Gehalt und bin auch immer noch da. Aber gut, ich will das nicht unterschätzen. Und es soll ja auch nicht übertrieben werden. Wie die Balance gehalten werden kann, vermag ich nicht zu sagen. Aber ich würde z.B. nicht in den USA leben wollen. Scheiß auf den American way of life.
Es gibt ein Gesetz des Stärkeren. Auch wenn dieser Satz sicher anachronistisch ist. Anstelle des Stärkeren ist heute der Jüngere getreten. Wobei das am Ende auf das Gleiche hinausläuft. Wir haben deshalb ein großes Problem in unserer Gesellschaft. Es gibt immer weniger Arbeitnehmer, die ihren Job behalten, wenn sie über 55 sind. Vielleicht geht das Problem auch schon früher los. Ich sehe, dass die Aussagen der Bundesagentur und der Regierung in dieser Hinsicht einfach falsch sind. Es gibt keine Trendwende, die älteren Arbeitnehmern wieder größere Chancen einräumen würde. Die jungen Leute sind besser ausgebildet, sie sind leistungsfähiger und sie verdienen weniger Geld. Das ist das Prinzip. Und es gilt überall in der Wirtschaftswelt. Wohin führt uns das? Keine Ahnung aber große Sorgen.
Klar. Und es werden immer mehr werden, je länger das Ende der DDR zurückliegt. Hayek wird wohl leider nicht jeden so überzeugen wie mich…
Ich schon. Gegen einen besseren. Wäre dem nicht so, hätte ich keinen politischen Anreiz mehr.
Ich würde schon auch da leben wollen. Wenn ich nicht vor ein paar Jahren die Liebe meines Lebens getroffen hätte, wäre ich vielleicht schon längst da. Es gibt ein paar Dinge, die mich hier halten, aber der Sozialstaat gehört sicher nicht dazu.
Ja. Diese Entwicklung gab es, und es gibt sie noch. Wobei die Betonung auf “noch” liegt, denn letztlich sollte nur die Produktivität zählen. Aber daran trägt auch die Politik ihren Anteil mit prohibitiven “Schutz”-Vorschriften, die meist nur den Arbeitnehmer vor Beschäftigung schützen…
Den verlieren wir doch nie
Nur wegen des Sozialstaats bin oder bleibe ich natürlich auch nicht. Aber ich finde unser Land so schon ganz in Ordnung. Für mich braucht nicht nicht so viel zu verändern.
Die Produktivität von jungen Menschen ist doch generell höher als die von älteren. Ich meine, die Leistungsfähigkeit nimmt ab und die Vorteile, die Erfahrung vielleicht bringt, wiegt das höhere Einkommen nicht auf. Bei Lichte betrachtet muss man doch feststellen, dass in einer Leistungsgesellschaft am Ende wirklich nur die Leistungsfähigen bestehen können. Ich fürchte, dass man sich etwas vormacht, wenn man daran glaubt, dass ältere Arbeitnehmer in Sachen Produktivität der von jüngeren Leuten viel entgegenzusetzen hätten. Dabei ist natürlich klar, dass es Ausnahmen gibt. Und es gibt vielleicht die Auswirkung des demografischen Wandels. Da bin ich aber nicht sicher.
Den Schutz von Arbeitnehmerinteressen sehe ich deshalb nicht kritisch, weil wir (die Arbeitnehmer) nicht allein in der Lage sind (und es nach meiner Überzeugung auch nicht sein werden) uns gegen die andere Seite, die Unternehmen und deren Interessenverbände, durchzusetzen. Klingt zwar nach Klassenkampf ist aber eigentlich nur dem naheliegenden Gedanken geschuldet, dass man zu mehreren mehr Durchsetzungsfähigkeit besitzt, als allein. Leider haben die Gewerkschaften durch ihr Verhalten viel Kredit verspielt. Vielleicht kann etwas ganz anderes an ihre Stelle treten.
Prof. Sinn behauptet immer, auch heute noch, dass es genügend Arbeit im Lande gebe. Nur eben leider keine bezahlbare. Vielleicht stimmt das. Ich halte es sogar für wahrscheinlich. Aber was wird denn unsere Antwort auf diese Feststellung sein? Es wird doch, darüber müssten wir uns im Klaren sein, eine Abwärtsspirale geben, die wir ab einem bestimmten Punkt nicht mehr stoppen können. Unser Lebensstandard ist hoch. Keiner ist so ohne weiteres bereit, Einschränkungen bzw. Rückschritte hinzunehmen. Was passiert aber, wenn durch die Entwicklung immer mehr Menschen in so genannten prekären Beschäftigungsverhältnissen sein werden? Kann das gesellschaftlich tragen? Ist es möglich, dass ein Staat auf längere Zeit oder sogar auf Dauer, am Ende Millionen von Menschen alimentiert? Natürlich nicht. Das wird nicht funktionieren. Und die Frage ist natürlich, wo gibt es eine Grenze? Wie lange wird es dauern, bis die Folgen der Globalisierung dazu geführt haben, dass unser Lebensstandard in Europa so weit an andere Standards angenähert sind, dass diese Abwärtsspirale zum stehen kommt?
Wenn dem so wäre, wovon ich zumindest nicht generell überzeugt bin, dann wäre das höhere Einkommen der Fehler, der dann Arbeitslosigkeit erzeugt. Tatsächlich deuten höhere Beschäftigungsquoten Älterer in anderen, vergleichbaren Ländern darauf hin, dass institutionelle Rahmenbedingungen wie z.B. ein besonderer “Schutz” älterer Beschäftigter diese als Arbeitnehmer unattraktiv machen.
“Schutz von Arbeitnehmerinteressen” – Beim Arbeitslosen hat der Schutz sein Ziel erfüllt: Die Bedrohung, die im Beschäftigungsverhältnis offensichtlich bestand, wurde er erfolgreich los.
Ich halte das für einen Irrtum. Eine solche Spirale ist nicht zu erkennen und auch nicht zu befürchten. Wenn man sich die Statistiken anschaut, dann dominieren unter den Arbeitslosen und generell Armen ganz bestimmte Gruppen aus z.T. unterschiedlichen Gründen: Ungelernte, Alleinerziehende, Ausländer. Die Gegenmittel sind Bildung, Kinderbetreuungsangebote und Integration.
Wir lassen uns gerne von einem statistischen Phänomen in die Irre führen: Wenn sich nämlich die Zusammensetzung einer Gruppe durch Hinzukommende und Abwandernde (nicht unbedingt wörtlich zu nehmen) ändert, verändert sich auch ein gemessener Durchschnittswert dieser Gruppe. Das heißt aber nicht, dass sich bei denen, die schon vorher darin waren, irgendetwas geändert haben muss. Da muss man immer ans “Badewannen-Theorem” denken.
Ich habe nicht den Eindruck, als sinke der Lebensstandard in Europa. Er steigt allerdings in anderen Ländern, und das ist auch gut so.
Genau. Eigentlich ist es ein Systemfehler. Junge Leute brauchen mehr Geld als ältere. Sie gründen Familien und haben viele Anschaffungen, die bezahlt werden wollen.
Aber das stimmt doch eben nicht. Weshalb ist denn die Quote der arbeitslosen älteren Arbeitnehmer so hoch? Wenn sie so schwer “los zu werden” wären, wäre das doch vielleicht anders. Wem hilft in der Realität schon ein strenger Kündigungsschutz? Das wissen im Prinzip alle. Man will sich nur nicht von diesen Regelungen verabschieden, weil sie Symbolcharakter haben. Das ist vielleicht dumm aber auch irgendwie verständlich. Bei dieser Debatte wirken sofort alle antrainierten Reflexe.
Ich glaube zunächst nicht daran, dass es sich auf diese Gruppe von Menschen beschränken lässt. Denk mal an die vielen Leute in Zeitarbeitsfirmen, die zu sehr niedrigen Löhnen/Gehältern arbeiten. Das sind durchaus gut ausgebildete und jüngere Leute. Natürlich stimmt es, dass wir aus den Problemen nur herauskommen, wenn wir mehr für Bildung, Integration tun und die Kinderbetreuung verbessert wird. Daran wird ja auch gearbeitet. Ich würde aber daran zweifeln, ob die gemachten Schritte schnell und konsequent sind.
In Osteuropa wächst der Lebensstandard. Das ist wohl der Fall. Aber im Rest Europas ist das Gegenteil der Fall, wenn ich die Daten richtig im Kopf habe. Die Frage bleibt schon, ob das Verhältnis einigermaßen austariert ist. Vielleicht wird ja häufig übertrieben in den Medien, aber ich habe den Eindruck, dass sich die Leute nicht damit beruhigen lassen werden, dass es ihnen schlechter geht, damit andere ein besseres Leben führen können. Das mag, wenn das ein Linker sagt, irgendwie entlarvend klingen, aber so einsichtig sind Menschen wohl nicht. Sie denken zuerst einmal an sich und dann -vielleicht- an andere.
Das halte ich für einen Fehlschluss. Entlassungshindernisse führen nicht zu mehr, sondern zu weniger Beschäftigung.
Nochmal: “Badewannen”-Theorem. Wirtschaft ist kein statisches Gebilde.
Klar wird der eine oder andere Arbeitnehmer durch “Schutz” in Beschäftigung gehalten, aber dennoch enden jährlich zig Beschäftigungsverhältnisse aus den verschiedensten Gründen trotz des “Schutzes” – z.B. aus persönlichen Gründen, z.B. weil der Betrieb pleite geht oder sonst dichtgemacht wird. Und für diese Arbeitnehmer ist der “Schutz” dann eine definitive Einstellungshürde. Wer so einen bei sich sitzen hat, den er nur wegen der “Schutz”-Gesetze nicht loskriegt (vorausgesetzt, er hat einen Grund dafür), der wird sich bei zukünftigen Einstellungen zehnmal überlegen, wen er nimmt.
Er macht die Entlassung sehr teuer (in zunächst ungewisser Höhe) und langwierig. Aber er verhindert sie eher selten.
Schau einfach in die Statistiken. “Beschränken” wäre natürlich Unsinn, aber “dominieren” passt. Und zwar so sehr, dass man ohne die Probleme dieser Gruppen nicht mehr von Massenarbeitslosigkeit reden könnte. Und eine gleichere Einkommensverteilung ergäbe sich ohne sie wohl auch.
Welche Daten? Würde mich mal interessieren. Stichwort genügt.
Das ist auch keine zwingende Logik. Nur muss man nicht auch noch jede Illusion als legitime Forderung anerkennen.
Zum Kündigungsschutz habe ich keine klar Meinung. Ich glaube, er hilft uns so und so nicht weiter. Also könnte man ihn auch abschaffen. Es bleiben aber die Reflexe, von denen ich geschrieben habe. Das wird nicht einfach sein, wenn es überhaupt gelingt.
Die Zahl von Jobs in Fabriken ist stark zurückgegangen. Die Leute, die als Ungelernte früher dort oder z.B. in der Landwirtschaft gearbeitet haben, finden keine Arbeitsplätze mehr. Die Frage ist offen, ob man durch bessere Integration, durch mehr Bildung den Rückgang von Arbeitsplätzen in diesen Bereichen zahlenmäßig diesem Problem begegnen kann. Dass heißt nicht, dass ich nicht sähe, dass dies wohl die einzige Chance ist, die Veränderungen, die durch die Globalisierung entstanden oder zumindest beschleunigt wurden, zu meistern. Da fällt mir wieder Sinns Bemerkung von vorhandenen aber nicht bezahlbaren Jobs ein.
Hier und da
Diese Leute sind eher schon in Rente. Die eigentliche Frage ist, woher die heutigen Ungelernten kommen. Da liegt der Hase im Pfeffer.
Die Formulierung halte ich für irreführend. Bezahl”bar” sind die Jobs, aber es findet sich keiner, der für sie bezahlen will. Und “vorhanden” bezieht sich natürlich auf das Qualifikationsniveau bzw. das eingeschränkte Potenzial der Arbeitslosen.
Danke. Dass der Wohlstand in Osteuropa stärker steigt als der im Westen, habe ich nicht bestritten. Aber letzterer steigt eben auch, er fällt nicht.
Die heutigen Ungelernten sind nach landläufiger Meinung ein Ergebnis der Misere unseres Bildungssystems uns auch einer verfehlten Integration. Nur bleibt dabei trotzdem die Frage offen, ob die hunderttausende von Industriearbeitsplätzen, die in der Wirtschaft verloren gegangen sind, ausgleichbar sind. Wir brauchen bessere Ausbildungsmöglichkeiten und insgesamt eine bessere Bildung. Soviel ist klar. Was aber, wenn wir irgendwann sehen, dass zwar alle Leute studiert haben, für die aber dann auch keine Arbeit vorhanden ist. Zumindest keine, für die auch Nachfrage besteht. Damit will ich natürlich nicht sagen, dass alles sowieso keinen Sinn hat. Aber es ist nicht sicher, ob wir die Probleme dadurch lösen können, in dem wir insgesamt den Bildungsstandard erhöhen. Klar ist, dass darin wohl die einzige Chance besteht. Deshalb reden ja auch alle hauptsächlich über diesen einen Punkt. Was, wenn uns die Arbeit ausgeht? Was kommt dann?
Die Vergleichszahlen aus der Statistik scheinen mir auch nicht ganz richtig zu sein. Es gab schließlich seit Anfang der 90-er Jahre in Deutschland keine Reallohnzuwächse. Zumindest wird das ja gern so dargestellt. Die Statistik sagt, zumindest für Deutschland, ja etwas anderes. Interessant, dass das z.B. in Frankreich anders aussieht.
Dann sind wir im Paradies angekommen und es gibt keine materiellen Sorgen mehr.
Die statistische Entwicklung des Reallohns allein ist kein sinnvoller Indikator für Wohlstand. Übrigens ist diese Entwicklung vor allem auch der Neubefüllung der Badewanne zu verdanken. Es sind Leute zu vergleichsweise niedrigen Löhnen neu in den Arbeitsmarkt eingetreten. Wenn diese vorher arbeitslos waren oder aus anderen Gründen nicht gearbeitet haben, ist das wohl eher wohlstandsfördernd.
Arbeit wird es immer geben. Nur ist eben die Frage, ob die auch bezahlt wird oder wie sie bezahlt wird. Materielle Sorgen wird es zudem wohl auch immer geben. Solange, bis die Menschen sich auch mal mit dem zufrieden geben, was sie haben. OK. Das wäre jetzt eine ganz neue Diskussion.
Du glaubst also nicht, dass ein Reallohnverlust existiert? Ich habe immer noch 20% weniger als 2004. Nur als ein Beispiel. Und ich kenne genügend Leute, bei denen es ähnlich aussieht. Das hat keine Beweiskraft — sicher. Aber du hörst auch die Leute stöhnen, die kaum mehr etwas von ihrem Einkommen sparen können. Es geht für das tägliche Leben drauf. Das war doch mal anders.
Es ist keine Frage des Glaubens. Beim “volkswirtschaftlichen Arbeitnehmer” existiert der. Aber der ist ein anderer geworden als er noch vor ein paar Jahren war.
Richtig.
Die, die mehr haben, protzen anscheinend als Ausgleich nicht genug rum…
Das, finde ich, ist jetzt zynisch. Und das einen Tag vor Heiligabend.
Vor allem ist es ein Hinweis auf systematisch verzerrte Wahrnehmungen. Wer zufrieden ist, hat keinen Grund, sich deswegen Gehör zu verschaffen. Es gibt auch deswegen traditionell eine Lücke zwischen der bei Umfragen geäußerten eigenen Befindnis und der Einschätzung der allgemeinen Lage.
Logik und Realismus werden manchmal als zynisch empfunden, das ist richtig.
Wie du weißt, bin ich darin richtig gut. Ich pflege meine “verzerrten Wahrnehmungen”.
btw: Eben wollte ich einen Kommentar bei euch schreiben. Das funzte nicht. Ist da ein temporäres Problem im Spiel oder handelt es sich um eine spezielle Wahrnehmung meinerseits?
Es ist nur der Sozi-Filter… Aber ernsthaft: Was funzte nicht?
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