Nehme jede Arbeit an

Mit einem solchen Satz kann man viel ausdrücken. Zum Beispiel: “Ich will doch, ihr müsst mich nur lassen” oder “Warum hilft mir keiner, ich bin doch bereit, alles zu tun”. So in der Art. Sicher gibt es nicht wenige Leute in Deutschland, die Ähnliches schon gesagt oder geschrieben haben. Und nicht immer war der Versuch erfolgreich.

Im Kölner Stadt-Anzeiger von heute steht ein Bericht über eine 6köpfige Familie, der bestimmt die meisten Leute, die ihn gelesen haben, berührt haben wird. Die Eltern kamen vor 12 Jahren aus Montenegro über Italien nach Deutschland. Die Familie lebt hier in einem so genannten Duldungsstatus. Arbeiten darf man in diesem Fall nicht. So will es das Gesetz. Die vier Kinder sind in Deutschland geboren und sprechen, wie ich gelesen habe, nur Deutsch. Kein Montenegrinisch oder eine der anderen Amtssprachen. Der Vater hat “in den letzten Jahren ein wenig Deutsch gelernt”.

Ich bin ehrlich: An der Geschichte gefällt mir etwas nicht. Der Familienvater hat also in 12 Jahren ein wenig Deutsch gelernt. Arbeiten durfte er nicht. Das ist verrückterweise gesetzlich in Deutschland ja so “geregelt”. Er nimmt aber, wenn er darf, jede Arbeit an. Das würden viele andere bestimmt auch gern tun. Wenn die Familie vor gehabt hat, in Deutschland zu leben, dann würde ich schlicht behaupten, müsste er inzwischen perfekt Deutsch sprechen. Es gibt doch (hoffentlich genügend) Angebote, die natürlich auch genutzt werden müssen.

Mir ist klar, dass meine Haltung vielleicht herzlos wirkt. Nehmt mir also bitte meinen offenen Worte nicht übel. Persönlich wäre es mir lieber, man würde eine Lösung auch für diese Familie finden. Was mich allerdings auch stört, ist die Berechenbarkeit solcher Aktionen. Ich meine die des Kölner Stadt-Anzeigers. Nicht, dass das Ausländeramt ihre Maßnahmen bewusst in diese Jahreszeit “gelegt” hätte. Das wäre im Sinne der Behörde schließlich kontraproduktiv. Nein, mich stört, dass sofort eine große Tageszeitung zur Stelle ist und diese Geschichte aufgreift, um Auflage zu machen. Oder wollen sie doch nur helfen? Ich weiß ja nicht, aber solche Storys kriegen irgendwann einen schlechten Beigeschmack.

Kommentare

  1. JürgenHugo meint:

    @Horst:

    Du hast natürlich recht – deutsch sollte der Mann inzwischen können. Vielleicht nicht so gut/perfekt wie du und ich – aber mehr als “ein wenig” schon. Was mich bei solchen Geschichten eher stört ist der “Beigeschmack”, den du oben erwähnst.

    Solche Sachen “verkaufen” :-O sich halt gut. Das können andere Zeitungen (eine davon fängt mit B… an…) aber noch “besser”. Und öfter…

  2. Horst meint:

    Ja, leider sind diese Aktion verbreitet. Die Zeiten bieten sich vielleicht auch für solche Aktionen an. Der Auflage zuliebe tut man ja viel.