Alles eine Frage der Zielgruppe

Mir hat der Film “Inside Man“, übrigens mit einer tollen Besetzung, nicht gefallen. Er war langweilig. ZDF beweist : “Dr. House” ist doch zu schlagen, MedienmagazinVielleicht hat meine Meinung auch nur damit zu tun, dass ich stark erkältet bin und nicht so richtig aufmerksam bei der Sache war. Die höchsten Einschaltquoten sagen andererseits noch nicht viel darüber aus, ob der Film den Leuten auch wirklich gefallen hat. Sei’s drum.

Etwas anderes ging mir durch den Kopf, als ich diese Artikel gelesen habe. Immer noch ist permanent die Rede davon, dass “in der Gruppe der 14 bis 49jährigen” Erfolg oder Misserfolg gemessen wird. Wir erinnern uns: diese Altersklasse ist die “werberelevante Zuschauergruppe”.

Ständig wird Bezug auf sie genommen. Mich ärgert das schon deshalb, weil ich inzwischen 55 bin. Leute, ich kauf auch ein. Meine Frau auch. Sogar meine Mutter (76) und meine Schwiegermutter (84). Die sind ja wohl längst komplett raus aus “der Szene”.

1. Was ist eine werberelevante Zielgruppe?
2. und was meint Wikipedia dazu?

Im Übrigen ist es schon seltsam, dass ein ganz besonders positiver Aspekt, den ich beim Film gestern Abend gesehen habe, in dieser Betrachtung ganz verloren ging. Das ZDF macht keine Werbung – während des Films. Wie außergewöhnlich wohltuend. Das empfinden vielleicht auch Leute so, die unter 49 Jahre alt sind. Und da frage ich mich als Werbelaie schon, weshalb diese Messungen überhaupt von Relevanz sind. RTL, SAT1 oder PRO 7 haben verloren. Darin wird also wahrscheinlich die Bedeutung liegen.

Meine Feststellung: Nicht nur in dieser für die Werbewirtschaft bedeutenden Einteilung von älteren und jungen Menschen vollzieht sich weiterhin eine Entwicklung, die mir nicht gefallen kann. Auf dem Arbeitsmarkt läuft es nicht anders. Im Gegenteil. Dort bis du -je nach dem- mit über 40 bereits aus der relevanten Altersgruppe ausgeschieden. Unsere Gesellschaft hat immer noch ein Problem. Mindestens ein Erkenntnisproblem. Denn die demografische Entwicklung wird all denjenigen, die weiter dem Jugendwahn (ich übertreibe) in dieser Form huldigen, rasch zu neuen Erkenntnissen verhelfen.

Hier ein interessanter Artikel zu diesem Thema.

Kommentare

  1. Zumindest was die Zielgruppe beim Fernsehen betrifft, kannst du eigentlich beruhigt sein. Spätestens seit ihr Erfinder Helmut Thomas, damals ja Mister RTL, zugegeben hat die Alterseinteilung relativ zufällig getroffen zu haben, nimmt sie an sich immer weiter ab. (Vielleicht hat Thoma sie aber auch einfach seinem Publikum angepasst. ;-) ) Und auch die Werbewirtschaft hat auf Dauer kein Interesse daran, unrentable Einteilungen aufrecht zu erhalten. Zwar mag der 20-Jährige durch Werbung eher zum Einkauf zu bewegen sein, aber deshalb hat der 50-Jährige trotzdem i. d. R. mehr Geld – und anders als die 50-Jährigen vor 20 Jahren ist er inzwischen schon so vertraut mit der Dauerwerbesendung Leben, dass sich das mit dem eher zum Einkauf zu bewegen auch bald erledigt haben wird.

  2. Horst meint:

    Ich wusste gar nicht, dass der alte Thoma diese Altersklassen mal definiert hatte. Und das auch noch zufällig. Dass Thoma dabei bestimmt sein Publikum im Auge hatte, ist schon klar :-) Im nächsten Jahr wird sich die Werbewirtschaft wohl sehr anstrengen müssen, um die Leute zum Konsumieren zu animieren. Wie kurz vor Weihnachten oder im Moment -angesichts der Umtauschaktionen und Gutscheineinlösungsorgien- sieht das bald nicht mehr aus. Sag ich mal so voraus.

    Ich wünsche dir, lieber Thomas, einen guten Rutsch und alles Gute, vor allem Gesundheit, im neuen Jahr.

  3. Herr Thoma hätte es gerne so, aber er hat die werberelevante Zielgruppe nicht erfunden. Das ist ein Märchen, dass in diesem Herbst mal wieder aufgewärmt wurde von Journalisten, die nicht richtig recherchieren können. Im Übrigen ist das ganze sowieso lächerlich, weil per Definition jede Zielgruppe erfunden ist. Sie beschränkt ja eine große Masse auf eine spezielle Gruppe, die man immer erst definieren, also erfinden muss.

    Es wäre sicher sinnvoll diese Zielgruppe vielleicht auf 14 bis 59 auszuweiten. Aber im Wesentlichen geht es auch nicht um den Sinn des Altersspektrum. Die Angabe der Reichweiten in dieser Zielgruppe sind einfach eine Vergleichsgröße. Das ist auch eher der Grund, warum sie bislang nicht geändert wurde. Es würde sich nur noch schwer vergleichen lassen. Die Werbewirtschaft selbst denkt übrigens längst in viel spitzeren Zielgruppen wie 14-19 oder 50-69 oder 20-29.

    Liebe Grüße und guten Rutsch,
    Thomas Lückerath
    Chefredakteur
    DWDL.de

  4. Horst meint:

    @Thomas Lückenrath: Vielen Dank für diese Informationen. Kling doch gut, dass die Zielgruppen vielleicht künftig anders gefasst werden.

    Ich wünsche ebenfalls einen guten Rutsch und alles Gute für das neue Jahr.

  5. @Thomas Lückenrath: Ich erinnere mich düster das vor ein paar Monaten wo gelesen zu haben, war das nicht sogar in einem Spiegelinterview, in dem er sich selbst von eben jener werberelevanten Zielgruppe distanziert hat? Na ja, der Spiegel ist eben auch nicht mehr das was er einmal war – oder gewesen sein wollte.

    @Horst: Etwas spät, aber auch dir ein gutes 2009!