Christian Klar ist frei, und das macht vielen Leuten Bauchschmerzen. Aber unsere Gesetze wollen es so. Er hat seine Strafe verbüsst. Viele hätten es lieber gesehen, wenn er weiter “im Loch” geblieben wäre. Geschenkt.
Aber was macht so jemand, wenn er aus dem Gefängnis herauskommt? Über Geld wird er vermutlich nicht verfügen. Demnach dürfte er, wenn er keinen Job findet, auf staatliche Leistungen angewiesen bleiben. Im Fall Klar war es so, dass er Praktikum am Berliner Ensemble antreten wollte. Also eine Theaterkarriere nach Beendigung der Karriere als Top-Terrorist? Der Intendant des Theaters, Claus Peymann, wollte Klar helfen.
Viel Sinn für die Spießbürger hat Peymann bekanntlich nicht. Ihn scherte es schon in den 70er Jahren wenig, als er sich mit “der” Öffentlichkeit anlegte. Er sammelte für die damals einsitzende RAF-Terroristen Gudrun Ensslin Geld für Zahnersatz. Keine Frage, die Terroristen mussten wohl damals auch mal was Hartes beißen. Da braucht es einigermaßen Zähne.
Offenbar besorgen heute die Medien das Geschäft der Spießbürger. Jedenfalls hat Klar von seinem Vorhaben abgelassen. Kein Praktikum am Theater. Es wird berichtet von der sensationslüsternden Berichterstattung und die “anhaltende Belagerung” durch Paparazzi.
Ein Leben in Normalität, das Klar angeblich angestrebt hat, sei so unmöglich. Mein Mitleid hält sich zwar in Grenzen, trotzdem sollte die Gesellschaft Menschen auch die Gelegenheit zur vollständigen Rehabilitation geben. Mit der Freilassung aus dem Gefängnis ist es eben dann nicht getan. Denn dazu gehört auch, einem Beruf nachzugeben und die Grundlage für die eigene Existenz zu sichern. Aber in solchen Zusammenhängen agiert unsere Gesellschaft gnadenlos.












Es greift mir zu kurz, wenn recht allgemein von der Gesellschaft gesprochen wird. Dem Großteil wird es herzlich egal sein, wo und wie bekannte, entlassene Häftlinge ihr Geld verdienen.
Es ist die B*ldzeitung, die daraus so ein Bohei macht (der das aber auch erst ermöglicht wurde, weil Peymann sich nicht zu schade war, damit öffentlich hausieren zu gehen).
Außerdem war nie von einer Schauspielkarriere die Rede, sondern eher von Tätigkeiten hinter den Kulissen…
Eigentlich ist es ja das, was ich kritisiert habe. Nämlich, dass es “der” Gesellschaft gleichgültig ist, was mit einem entlassenen Häftling passiert. Damit will ich nicht behaupten, dass es anders sein muss. Nur eben, dass ein humaner Strafvollzug im Prinzip (aus gesellschaftlicher Sicht) nicht bei der Entlassung aus dem Gefängnis endet. Über die Motivation von Peymann kann ich mir kein Urteil erlauben. Nur glaube ich nicht, dass er, wie du meinst, sich nicht nicht zu schade war, sondern dass er jemand ist, der um die Wirkung solcher Dinge in der Öffentlichkeit genauestens Bescheid weiß.
Eben, davon ausgehend, daß Peymann es wusste, wäre es geschickter gewesen, dieses Angebot (das ich gut finde), nicht über die Öffentlichkeit zu machen.
Das sehe ich ganz genau so. So sind Klars Chancen, dort etwas zu machen, verpufft. Wie gesagt, mein Mitleid hält sich aus anderen Gründen in Grenzen aber ein generelles Problem ist das auf jeden Fall. Es nutzt wenig, wenn die Resozialisierung auf halber Strecke gestoppt wird.