Die inhaltliche Auseinandersetzung mit den fundamentalen Veränderungen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft findet in den Parteien nicht im Ansatz statt. Die politische Elite des Landes hält sich weiterhin zurück, wenn es darum geht, sich mit dem Internet auseinanderzusetzen oder es gar aktiv zu nutzen, geschweige denn es zu verstehen. [Nico Lumma]
Ich gehe davon aus, dass Nico Lumma mit seiner Bemerkung (1. Satz) die fundamentalen Veränderungen meint, die durch die Finanzkrise und die sich anschließende Weltwirtschaftskrise entstanden sind bzw. noch entstehen werden. Inwieweit nämlich diese wahrhaftig existenziellen Fragen schlüssig und zukunftsweisend beantwortet werden, ist in der Tat von eminenter Bedeutung.
Die Mittel bzw. die eingesetzte Technik, die wir für unsere Meinungsbildung und die hoffentlich am Ende dieses Prozesses stehenden neuen Antworten auf drängende Zukunftsfragen benötigen, werden im Gegenteil hoffentlich bei unserer “politischen Elite” nicht im Vordergrund stehen. Internet, Blogs, Twitter und das ganze Zeugs sind Mittel zum Zweck, kein Selbstzweck.
Wenn Schäfer-Gümbel das Internet in seiner Verzweiflung “für sich” entdeckt hat, so ist das ok. Er formuliert Video-Botschaften, die über YouTube verbreitet werden. Das hat nichts Sensationelles. Und nochmal: Es geht nicht darum, dass unsere Politiker das Internet und dessen sinnvolle Nutzung für ihre Propaganda entdecken sondern darum, gute Politik zu machen.












nee, das war auf die fundamentalen Änderungen bezogen, die durch das Internet entstehen.
Nico(Zitieren) (Antworten)
Zwei Anmerkungen möchte ich gerne machen.
Ob Schäfer-Gümbel den Twitter-Account nur zum Selbstzweck hat, das möchte ich einfach mal offen lassen. Widersprechen möchte ich aber bei YouTube, denn seine Videobotschaften sind eben keineswegs eindirektional, sondern forderten die Wähler zum Dialog auf, der auch mit seinen Antwortvideos fortgesetzt wurde. Dies ist also keine “Propaganda”.
Und damit möchte ich noch meine Bedenken bei dem Begriff “Propaganda” äußern. Nicht nur, dass der Begriff deutlich historisch vorbelastet ist. Wahlkampf ist doch in jeder Demokratie, aber vor allem eben in unserer Parteiendemokratie ein legitimes und sogar notwendiges Mittel.
Dass die Beteiligung des Bürgers und der Respekt vor ihm auch außerhalb der Wahlkampfzeiten nicht leiden sollte, darüber sind wir uns sicherlich einig.
Christian Jung(Zitieren) (Antworten)
Ganz meine Meinung! Wenn sich die Politiker im Internet engagieren/ präsentieren, ist das zwar super und ich begrüße das ja auch. Aber irgendwo sollte das dann auch nur ein Mittel zum Zweck (nämlich der guten Politik) sein.
Matthias Lehming(Zitieren) (Antworten)
@Christian:
Das war wohl ein Missverständnis. Ich habe davon gesprochen, dass diese Medien eben kein Selbstzweck, sondern vielmehr Mittel zum Zweck sind. Die Nutzung der “neuen” Medien ist legitim und gewünscht.
Was ich in meinem Artikel kritisiere, war Nicos Aussage, dass deutsche Politiker mit der Nutzung des Internets auf Kriegsfuß stünden. Das mag ja zutreffen. Ich halte es aber für wesentlich schlimmer, dass unsere Politiker auf die drängenden Fragen (Wirtschaftskrise) keine richtigen Antworten geben. Und zwar unabhängig davon, ob sie sich im Internet, bei Twitter, im TV oder in anderen Medien äußern. Das triebt mich mehr um als Nicos Anwurf hinsichtlich der Medienkompetenz unserer Politiker.
Der Begriff “Propaganda” mag negativ besetzt sein. Die Nazis und so. Für mich sind viele Statements, die Politiker heute geben, trotzdem nichts anderes als Propaganda. Abgesehen davon – sie ist keineswegs aus der Welt. Schau dir die “Berichterstattung” über den Krieg in Gaza an. Das ist Propaganda in Reinkultur. Übrigens hast du ein interessantes Blog, das ich, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, bisher nicht kannte. Ich habe es gleich in meine Blogrolle aufgenommen. Einen schönen Sonntag. (*)
Horst(Zitieren) (Antworten)
@Matthias: Ich habe mir die Videos von TSG angesehen und war ganz angetan. Du wirst das vermutlich anders sehen (H)
Horst(Zitieren) (Antworten)
Nein, ganz und gar nicht. Menschlich ist mir Schäfer-Gümbel eigentlich sympathischer als Koch. (Aber darum geht es nicht und darauf kommt es auch nicht an, denn es geht doch um die Politik…
)
Matthias Lehming(Zitieren) (Antworten)
Es geht um Politik.
Das sieht man am Ergebnis von Obama in den USA. Nein, du hast schon Recht. Selbstverständlich sollte es um Politik gehen und weniger um die Personen. Ich wünsche dir einen schönen Sonntag. Tolles Wetter. Da muss man eigentlich raus.
Horst(Zitieren) (Antworten)
Dem Plädoyer verstärkt auf politische Inhalte zu setzen (so verstehe ich den Aufruf zu “guter Politik” – was das ist wird nach politischer Verortung entsprechend gewertet) kann ich mich anschließen.
Allerdings vermisse ich sowohl in den “etablierten” Medien, wie auch vielfach im Internet die Bereitschaft sich darauf einzulassen.
Wo gibt es denn ein neutrales Blog mit größerer Reichweite, das sich mit der Übersicht der politischen Positionen etwa zur Bildungspolitik hervortut?
Stattdessen erhalten Blogs den größeren Zuspruch, die am intensivsten mit Häme und Diffamierungen hantieren.
Das Politiker und Parteien dem mit eigenen Angeboten im Netz begegnen wollen, begrüße ich ausdrücklich. Zumal wenn man wie TSG einen Startnachteil in Hinsicht auf die Bekanntheit hat, kann dies durchaus zielführend sein die gute Politik der SPD den Bürgern näherzubringen.
Pollux(Zitieren) (Antworten)
Da muss ich dir (leider) zustimmen. Es gibt allerdings natürlich politische Blogs von hoher Qualität. Ganz ohne Häme und Diffamierung geht es auch dort nicht ab.
btw. Ich führe mein Blog auch als Meinungsblog. Es geht mir, womit ich wohl keine Ausnahme bin
, um meine Meinung. Da schlägt man auch mal über die Stränge.
Horst(Zitieren) (Antworten)
Das würde mich interessieren – mach doch mal eine Übersicht der politischen Blogs, die du von der Qualität her als lesenswert einschätzen würdest.
Pollux(Zitieren) (Antworten)
Gerne. Allerdings teile ich (teilweise) die dort vertretenen Ansichten überhaupt nicht. Das hält mich aber nicht davon ab, diese Blogs als lesenswert oder sogar sehr lesenswert zu bezeichnen. Nur der guten Ordnung halber
1.) Bissige Liberale
2.) Zettels Raum
3.) Spiegelfechter
4.) Weissgarnix
5.) Nachdenkseiten
6.) Antibuerokratieteam
Mir fällt auf, dass kaum linke Blogs darunter sind. Mit mir muss was nicht stimmen…
Horst(Zitieren) (Antworten)
Danke für die Übersicht. Ich reflektiere das mal aus der antizipierten Sicht von jemandem, dem die Meinungslastigkeit in der Blogosphäre in Hinsicht auf fehlende Differenzierung auf den Geist geht.
1.) Bissige Liberale – wenig sorgfältig recherchierte Informationen. Wenn dann einseitig gewertete Quellen.
2.) Zettels Raum – kaum relvante themenbezogene Informationen vorhanden. Viel Meinung, wenig Substanz. Wenn man über die Bashingtrends der Saison informiert sein will relevant, ansonsten nicht.
3.) Spiegelfechter – hier werden durchaus viele Informationen geboten. Allerdings habe ich den Eindruck, dass sich die Informationen aus ausgiebiger Googlerecherche speisen und das nötige Hintergrundwissen nicht vorhanden ist die Informationen sachgerecht zu gewichten und einzuordnen, insbesondere was Wirtschaftsthemen angeht..
4.) Weissgarnix – Kenne ich nicht
5.) Nachdenkseiten – Ist das wirklich ein Blog? Wirkt auf mich wie eine Internetseite mit Kommentarfunktion. Ansonsten hin und wieder tatsächlich lesenswert.
6.) Antibuerokratieteam – Wirkt auf mich wie das Hobbyblog von INSM Mitarbeitern. Bashing- und Hämefaktor recht hoch. Kaum geeignet die Leselust in Hinsicht auf Informationen zu wecken.
Das klingt in deinen Ohren wohl recht negativ. Aber tatsächlich ist es bei mir so, dass ich auf Blogs kaum noch recherchiere, wenn ich Informationen suche. Um einen Überblick über die vorhandenen Meinungen zu gewinnen, sind Blogs recht nützlich. Allerdings muss man sich dafür auch durch Berge von Müll wühlen.
Pollux(Zitieren) (Antworten)
Nachtrag.
Ich habe mich gerade mal bei Weixgarnix umgesehen – von den genannten Blogs m.E. der lesenswerteste.
Pollux(Zitieren) (Antworten)
@Pollux: Whow. Du bist aber streng. Objektiv sind einige der Blogs sicher nicht. Da stimme ich dir schon zu. Bin ich selbst allerdings auch nicht. Ich sehe Blogs auch nicht vorrangig als Quelle für Informationen, sondern durchaus als Beitrag zur Meinungsbildung. Mit anderen Worten: Meine Informationen hole ich mir heute immer noch aus der Tageszeitung und natürlich aus den Nachrichtensendungen wie der “Tagesschau” und “Heute”.
Horst(Zitieren) (Antworten)
@Horst
So sehe ich das auch. Unser Blog z.B. ist keine Nachrichtenagentur, sondern ein Ort, wo die Autoren ihre Meinung zu einem Thema sagen, das sie beschäftigt.
@Pollux
Da wir in der Liste am Anfang standen, habe ich mir doch tatsächlich Gedanken gemacht, ob an dem Vorwurf etwas dran ist. Doch das Weiterlesen hat die dann sehr schnell verschwinden lassen.
Rayson(Zitieren) (Antworten)