EDEKA will 8000 Stellen schaffen

Ich maule ja oft, weil in Deutschland Stellen abgebaut werden oder jedenfalls verloren gehen. Nun habe ich mal eine positive Nachricht gelesen und will die auch gleich hier im Blog erwähnen: Der neue Chef der EDEKA, Markus Mosa, will den Schwung seines Unternehmens ins neue Jahr mitnehmen und 8000 neue Stellen schaffen.

EDEKA hat gegenüber den Mitbewerbern gewonnen und ist umsatzmäßig schätzungsweise 5% gewachsen. Das kann sich sehen lassen. Der Wettbewerb nämlich im Schnitt etwa 3 % Umsatz verloren.

Interessant ist übrigens Mosas Begründung für die positive Ausgangslage:

Die Hälfte der 10 000 Läden wird von selbstständigen Edeka-Kaufleuten geführt. Und die könnten sich am schnellsten auf Veränderungen einstellen.

Spricht das nicht eigentlich dafür, dass die Konzentration im Handel durchaus ihre Schattenseiten hat – und zwar durchaus nicht nur für uns Verbraucher.

Kommentare

  1. Rayson meint:

    Die Konzentration im Handel kriegen die Verbraucher kaum mit – hier ist der Wettbewerb so intensiv, dass sich ausländische Konkurrenten entweder fern halten oder blutige Nasen holen (Wal-Mart, Intermarché).

    Dennoch ist es natürlich vernünftig, den Märkten einen großen Spielraum einzuräumen. Schließlich gilt gerade im Einzelhandel das alte Sprichwort: “All business is local.” Und wenn es stimmt, was der EDEKA-Mensch sagt, dann wird der Wettbewerb es ihm nachmachen (REWE-Märkte werden übrigens auch schon immer z.T. von selbständigen Kaufleuten geführt), wenn er nicht gerne bewusst auf Geld verzichtet. Allerdings glaube ich, dass das Modell bei Aldi nicht funktioniert: Da wird die Einheitlichkeit geradezu verlangt, auch von den Kunden.

    Aber machen wir uns nichts vor. Die selbständigen Kaufleute profitieren natürlich auch von den Preisen, die “die EDEKA” als Großkunde bei den Herstellern heraushaut.

  2. Horst meint:

    REWE ist ja auch ähnlich erfolgreich (zumindest bisher). Die Macht der EDEKA, das merken wir gerade auch in unserem Unternehmen, ist riesig. Solange die Verbraucher von den Verhandlungsergebnissen profitieren ist es gut. Nur scheinen mir persönlich die Möglichkeiten zunehmend limitiert zu sein. Es ist nicht möglich, dass trotz sinkender Umsatzzahlen die ausgehandelten Konditionen weiterhin steigen. Generell scheint mir das aber immer noch so zu sein. Seit ich im Vertrieb arbeite (seit 1973) habe ich das noch nie anders erlebt.

  3. Rayson meint:

    Nur scheinen mir persönlich die Möglichkeiten zunehmend limitiert zu sein. Es ist nicht möglich, dass trotz sinkender Umsatzzahlen die ausgehandelten Konditionen weiterhin steigen.

    Es ist möglich, so lange sie gezahlt werden ;-)

    Aber um es mal despektierlich zu sagen: Die Stärke des Einkäufers ist in Wirklichkeit nur eure Schwäche. Wenn du starke Marken hast, kannst du anders auftreten. Es gibt z.B. einen bekannten Anbieter von Süßigkeiten, der das Problem mit den steigenden Konditionen nicht hat.

    Zur Zeit versuchen die Handelsunternehmen ja, eigene Marken aufzubauen. Ich bin gespannt, was daraus wird.

  4. Horst meint:

    Rayson, die Legende um Ferrero ist mir bekannt. Ich habe mit einem ehemaligen Manager dieses Unternehmens zusammengearbeitet. Der hat mit unseren Kunden (wir haben übrigens sehr starke Marken!) verhandelt und trotzdem meistens am Ende “verloren”. Ich könnte dir da Sachen erzählen… Nein, mit Stärke oder genialen Verkäufern hat das vielleicht doch weniger zu tun, als mit der Branche, in der man tätig ist. Da gibt’s offensichtlich große Unterschiede.

    Eigenmarken waren schon in den 70ern ein Thema. Das verläuft, wie viele andere Dinge, wellenförmig. Im Moment, da hast du natürlich Recht, sind sie wieder einmal auf dem Vormarsch. Z.B. auch bei Metro und nicht nur im Food-Sektor.

  5. Rayson meint:

    Nein, mit Stärke oder genialen Verkäufern hat das vielleicht doch weniger zu tun, als mit der Branche, in der man tätig ist.

    Das glaube ich weniger. Ich habe auch ein paar Jährchen für einen Hersteller von Markenartikeln gearbeitet (eben nicht in der Süßwarenbranche), und kann berichten, dass es auch da Unterschiede gab. So ganz entziehen konnte oder wollte sich natürlich keiner, aber welche Drogerie kann es sich z.B. leisten, nichts von Nivea zu führen?

    Und wenn du wie ein Bekloppter die Werbezeiten zupflasterst, hast du auch bessere Argumente im Jahresgespräch.

    Was die Personen angeht, spielt m.E. auch weniger der Verkäufer als das Management eine Rolle. Ich habe Konditionenverträge gesehen, bei denen ab einem bestimmten Umsatz die Marge des Herstellers negativ wurde, aber der zuständige Geschäftsführer wollte trotzdem noch mehr Umsatz mit dem betreffenden Händler machen. Unter anderem auch deswegen, weil er sich die Folgen vorher nie hatte ausrechnen lassen…

  6. Horst meint:

    ein Bekloppter die Werbezeiten zupflasterst, hast du auch bessere Argumente im Jahresgespräch.

    Also das stimmt 100%. Nachfrage stärkt die eigene Position. Keine Frage. Ich habe mal erlebt, wie Anfang der 80 Jahre die damals sehr starke Interfunk-EH-Kooperation SONY ausgelistet hat, weil die nicht so wollen. Das hat keine 6 Wochen gedauert und die Auslistung war aufgehoben. Die Nachfrage nach SONY-Produkten war einfach zu groß. Leider sind aber nicht so viele Unternehmen in einer solch komfortablen Lage. Oder anders: Ich habe den Eindruck, dass der Handel überwiegend in der stärkeren Position ist.

    Umsatz die Marge des Herstellers negativ wurde, aber der zuständige Geschäftsführer wollte trotzdem noch mehr Umsatz mit dem betreffenden Händler machen.

    Das ist ein Verhalten, dass eigentlich kein Kaufmann goutieren kann. Aber eigenartigerweise gibt es für dieses Verhalten einen Namen oder gleich mehrere: Sie nennen es strategischen Preis oder strategische Entscheidung. Ich nenne es Wahnsinn. Auf auf mich hört ja keiner. :-[ :-)

  7. Rayson meint:

    Ich behaupte ja immer, “strategisch” ist nur ein anderes Wort für “verlustreich”…

  8. Rayson meint:

    Einen noch: Ich habe auch erlebt, dass schon das Anlaufen einer großen Werbekampagne den Handel milde gestimmt hat. Ist ja auch logisch: Wenn die ihre Regalplätze erst füllen, wenn die Nachfrage schon am Brummen ist, entgeht ihnen wahrscheinlich einiges. Und das Vorfinden das beworbenen Produkts im Handel, sobald man von der Werbung neugierig gemacht wurde, ist ein weiterer Absatzverstärker.

  9. Horst meint:

    Die Controller haben halt ihre eigene Sichtweise – sagen jedenfalls die Verkäufer. Wir sind schon arm dran, nicht wahr? Meistens setzen sich die Verkäufer durch. Falsch – eigentlich ja immer. Das Beispiel mit den Werbekampagnen ist natürlich absolut zutreffend. Allerdings gibt es auch Unternehmen, die diese als “Hygienefaktoren” betrachten. Sie sind einfach selbstverständlich geworden.

  10. Marvin meint:

    Zu den Eigenmarken kann ich als Verbraucher nur sagen, dass die mir fast wie eine Erlösung in den ständigen Preiserhöhungen der letzten Jahre vorkamen. Egal ob bei Rewe oder Edeka, mittlerweile suche ich bei jedem Produkt, auch non-food, erstmal die günstige Alternative der Eigenmarken. Meistens werde ich auch fündig und nur selten, gibt es nebendran noch ein günstigeres Produkt. Von daher bin auch ich mal gespannt, ob sich dieser trend weiterhin durchsetzen wird.

  11. Horst meint:

    Ja, Eigenmarken bringen dem Verbraucher schon etwas. Man darf aber nicht vergessen, dass die Firmen diesen Weg insbesondere deshalb gegangen sind, um sich vom bösen Wettbewerb zu differenzieren. Am Ende tun es alle und der Vorteil für den Verbraucher geht dahin. Ok. Vielleicht dauert das noch eine Weile :-)