Nicht lesen, nicht schreiben und doch mitreden

Bei der Wirtschaftswoche lese ich schon wieder einen Abgesang auf Blogs:

Deutschlands erfolgreichster Blogger Robert Basic versteigert seine Internetseite bei Ebay. Die Szene befindet sich im Wandel – viele Blogger verlieren die Lust und haben mit Twitter ein neues Lieblingsspielzeug entdeckt. [...]

So macht sich auch eine Blogmüdigkeit breit. Von der großen Masse geben viele aus Mangel an Lesern und Resonanz bald wieder auf. Doch auch erfolgreiche Blogger hören auf, da ihnen der Stress zuviel wird oder schlicht Routine und Langeweile einsetzen.

So verkehrt ist das nicht, fürchte ich. Auch andere erfolgreiche Blogger haben, jedenfalls im Moment, keinen Bock mehr und drücken das auch klar aus. Man kann gespannt darauf sein, wie das weitergehen wird.

Vielleicht liegt es ja auch nur an der dunklen Jahreszeit. Der Blogblues geht also (noch) weiter. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir Blogger einfach zu ungeduldig sind und glauben, mit unserem Gekritzel wirklich was erreichen zu können. Können wir nicht. Jedenfalls kann ich es mir nicht vorstellen.

So sollten wir uns klar machen, dass es nur einige wenige Blogs gibt und auch in Zukunft geben wird, die aufgrund ihrer Themen, vor allem aber aufgrund der Qualität der Leute hinter den Blogs eine ordentliche Reichweite bekommen können werden. Damit wäre auch schon erklärt, weshalb viele von uns das Bloggen aufgeben werden. Wir verlieren die Lust. Auch deshalb, weil andere Kommunikationsmittel (natürlich nicht nur Twitter) viel einfach und bequemer zu benutzen sind.

Das ist vielleicht schade, aber es entspricht doch eigentlich auch einem lange existierenden Trend. Viele Leute sind nicht nur zu faul zum Schreiben, sie sind auch zu faul zum Lesen. 140 Zeichen sind flott durch den Äther zu jagen. Da macht es auch wenig, wenn das Gezwitscher ungehört verhallt und in den Weiten des virtuellen Universums verloren geht. Bei Blogbeiträgen tut das manchmal schon etwas weh. Aber ändern wird sich daran wohl nichts. Wie gesagt, eher im Gegenteil. Der Trend wird sich aufgrund neuer technischer Möglichkeiten weiter verstärken.

Kommentare

  1. Ecki meint:

    Ob es nun am Wetter liegt, oder einfach nur das lange Bloggerdasein ist, was einem es langweilig erscheinen läst. So ging es wohl auch Robert. Es hat sich eingefahren… Ich bin noch Blogger durch und durch. Na mal sehen wie lange das noch so bleibt :D

    Ecki´s letzter Blogbeitrag: Drehtag von Ecki.TV vermasselt

  2. Gilbert meint:

    Vielleicht liegt es auch daran, dass
    wir Blogger einfach zu ungeduldig sind
    und glauben, mit unserem Gekritzel
    wirklich was erreichen zu können.
    Können wir nicht.

    Stimmt wohl leider. Besonders deprimierend finde ich die weitverbreitete Lernunfähigkeit. Wenn man Fakten auf den Tisch bringt und diese auch durch Verweise usw. belegt, darf man zwar nicht erwarten, dass der Gegenüber die eigene Ansicht annimmt, aber doch zumindest die unpassenden Punkte seiner Ansicht überdenkt. Was passiert, ist in der Regel NICHTS. Selbst in Folgebeiträgen oder Kommentaren wird in der Regel alles im alten Stil weiterverbreitet, als ob nie ein Hinweis auf gegenläufige Fakten erfolgt wäre.

    Bei dem Kurzgesäusel bekommt man Fakten allerdingsgar nicht mehr rüber. Vielleicht ist das ja im Sinne der modernen “Kommunikation”, aber jedenfalls nichts für mich.

    Etwas aufbauend ist ab und zu die Erkenntnis, dass doch mehr Leute die Inhalte lesen, als man per Kommentar so mitbekommt. Vielleicht sollten wir mal ein Kommentarbewertungs-Plugin für die Schreibfaulen einbauen, so als Differenzierungsmöglichkeit gegenüber den Klickfaulen …

    Gilbert´s letzter Blogbeitrag: Die Stunde der Schreibtischtäter

  3. Horst meint:

    @Ecki:

    Ich bin Blogger durch und durch
    Das finde ich schön und wünsche mir, dass das auch noch lange so bleibt. ;-) Vielleicht haben die augenblicklichen Gedanken wirklich was mit dem Wetter zu tun. Schließlich hatten wir uns auf Erderwärmung eingestellt und nun? Ich glaube, einen so langen Winter hatten wir in unseren Breitengraden schon lange nicht mehr.

    @Gilbert:

    Besonders deprimierend finde ich die weitverbreitete Lernunfähigkeit.

    Ich hoffe doch sehr, das war jetzt nicht an meine Adresse gerichtet? Ich sehe nämlich in meiner Bloggerei durchaus den ganz wichtigen Gesichtspunkt, dass ich meinen Horizont damit erweitere. Die Beschäftigung mit Themen und das Niederschreiben der eigenen Meinung hat nicht nur die Komponente des Frustabbaus, sondern gleichzeitig eröffnet es durchaus neue Sichtweisen, die ich zwar nicht unbedingt teilen kann, die mich allerdings nach meinem Empfinden durchaus weiterbringen. Vielleicht wird das aber hier nicht unbedingt immer sichtbar. Also, Geduld. (H)

  4. Gilbert meint:

    @.Horst: nee, keine Bange, ist eher ein Ergebnis einer Blogrundreise aufgrund des derzeitigen beliebten Israel-Themas. Ich kann ja verstehen, dass durch sachliche Argumente bildlich gesprochen aus einem Borussia-Fan nicht gleich ein Schalke-Fan wird, aber dass trotz dezenter und weniger dezenter Hinweise auf den Standort des Westfalenstadion in Dormund konstant Stein und Bein geschworen wird, es läge in Köln-Kalk, verbittert schon etwas. Irgendwie kommt da unsere nationalsozialistische Vergangenheit durch: jeder Buchstabe ideologischen Terrains wird eisern bis zur letzten Gehirnzelle verteidigt. :-S

    Gilbert´s letzter Blogbeitrag: Die Stunde der Schreibtischtäter

  5. Horst meint:

    jeder Buchstabe ideologischen Terrains wird eisern bis zur letzten Gehirnzelle verteidigt.

    Eine tolle Formel. Daraus könnte man einen Blogtitel bauen :-)

  6. dauni meint:

    Ich glaube, dass es ganz normal ist, dass man nach ein langen Zeit des bloggens hin und wieder darüber nachdenkt, welchen Sinn das eigentlich macht. Ich gehe jetzt in mein 5. Jahr, und entdecke hin und wieder so etwas wie eine Blogmüdigkeit. Wenn ich mich allerdings frage, wodurch die ausgelöst wurde, stelle ich fest, dass es daran liegt, dass ich mich unter Druck zu setze, unbedingt schreiben zu müssen. Im Augenblick versuche ich, mich gerade wieder davon frei zu machen, damit auch der Kopf wieder freier wird. Dafür lese ich zur Zeit mehr in anderen Blogs, lerne Meinungen und Sichtweisen, und damit stimme ich mit völlig Horst überein, anderer Blogger schätzen und vor allen Dingen neue, interessante Blogs kennen.

    Und irgendwann klappt es dann auch wieder mit dem Schreiben (Y)

  7. Horst meint:

    Wenn ich mich allerdings frage, wodurch die ausgelöst wurde, stelle ich fest, dass es daran liegt, dass ich mich unter Druck zu setze, unbedingt schreiben zu müssen.

    Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich glaube auch, dass es den meisten Blogger/innern so gehen wird.