Wenn ich so vorlaut sein darf: Ich hätte anders gestimmt – als Hesse. Nicht nur, dass ich ein Problem mit Koch habe, ich verstehe die Menschen nicht, die ihr Vertrauen einer FDP schenken. Einer Partei, die wie keine andere für das steht, was uns wirtschaftlich an den Abgrund geführt hat. Deregulierung ist ein wesentliches Stichwort dieser Partei. Deregulierung der Märkte, des Arbeitsmarktes und überhaupt. Jeder macht, was er will und am Ende schauen wir uns betroffen an – ohne Job, ohne Einkommen und — ohne regulierte Märkte. Glückwunsch Hessen.


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11 Antworten : “Die Hessen erfüllen die Erwartungen”

  1. Dass die SPD verliert war mir klar. Aber dass die FDP so gewinnt, macht mich fassungslos.

  2. Ja, es ist schon tragisch. Wo wir doch wissen, dass Jobs und Einkommen vom Staat kommen.

  3. @Stoibär: Wie begründete Herr Westerwelle den Erfolg der FDP noch einmal? Sinngemäß war es ungefähr: “Der Wähler honoriert, wenn eine Partei ehrlich ist und Charakter hat.” Manche kriegen einfach alles über die Lippen.

    @Rayson: Ja, wir Deutsche sind alle Beamte, und wir denken auch so. Und Beamte werden schließlich vom Staat bezahlt. :-) Die FDP profitiert davon, dass sie in diesen Zeiten wenig in Erscheinung tritt. So wird sie für das Desaster auch nicht zur Verantwortung gezogen. Zu Unrecht wie ich finde. Bei der Linkspartei dagegen scheint vielen doch klar zu sein, dass sie von vornherein nicht über eine Lösungskompetenz verfügt. Anders kann ich mir nicht erklären, dass sie in Hessen so relativ wenig von der aktuellen Lage profitieren konnte.

  4. Dass die FDP so zulangen kann, hätte ich auch nicht gedacht. Es zeigt aber, wie uninformiert der Bürger an die Wahlen geht, dass mit dieser Partei nichts zu gewinnen ist, sollte eigentlich klar sein. Dass die SPD verloren hat, ist irgendwie abzusehen gewesen, aber trotzdem nicht unbedingt sinnvoll. Hoffen wir auf die noch kommenden Wahlen, vielleicht wandelt sich da etwas im Bild.

  5. @Marko: Das wird ein spannendes Wahljahr. Aber wahrscheinlich wird die SPD von Fiasko zu Fiasko eilen. Münte hat ja große Erfahrung im Umgang mit solchen Lagen. Er war ja auch mal Generalsekretär der SPD und musste die Niederlagen kommentieren.

  6. @Horst

    Für welches Desaster hätte die FDP denn Verantwortung zu tragen?

    Rayson´s letzter Blogbeitrag: Ein Abend voller Gewinner?

  7. Das Desaster, das sich im Moment anbahnt. Die FDP hält sich schön aus allem raus (wie die gesamte Opposition) und die Leute lassen es ihr durchgehen. Dabei hat sie die Positionen vertreten, die diese Entwicklung verursacht haben. Stichworte: freie Märkte, Deregulierung, Privatisierung. Das sind die Dinge, die das von den Bankern verursachte Desaster überhaupt erst ermöglicht haben. Ich würde sagen, die Wähler der FDP tun so, als könne man den Teufel mit dem Beelzebub austreiben. Eigentlich sollten sie es besser wissen.

    Horst´s letzter Blogbeitrag: Vorgelesen

  8. @Horst

    Da bitte ich dich doch zunächst einmal, eine konkrete Position zu nennen, die von der FDP vertreten wurde und die man ursächlich in einen Zusammenhang mit der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise stellen kann.

    Und dann, schließlich redest du von Verantwortlichkeit, zeige mir bitte auch noch den Mechanismus, mit dem die FDP es trotz nunmehr 10 Jahren Opposition im Bund geschafft haben soll, diese Position, solltest du im Gegensatz zu mir eine solche finden können, als aktuelle Politik durchzusetzen.

    Die mehr als alle anderen regulierten Finanzmärkte, deren Geschäftsgrundlage zudem maßgeblich durch die Politik der Notenbanken bestimmt wird, als Musterbeispiel “freier Märkte” und von Deregulierung zu bezeichnen, spricht immerhin für deine Chuzpe.

    Ebenso, bei der Performance unserer Landesbanken und der IKB ausgerechnet “Privatisierung” als Ursache aufzuführen…

    Ich kann ja verstehen, dass die Versuchung groß ist, alles Ungeliebte in einem Aufwasch zum Schuldigen zu erklären, aber dazu muss man entweder im Wahlkampf sein oder keine hohen Ansprüche ans eigene Denken stellen.

  9. Im Sinne einer Beweisführung wird dir das nicht ausreichen. Aber für meinen Geschmack ist das was passiert ist und noch passieren wird, im Ergebnis die Folge dessen, was die FDP immer als vernünftig und richtig propagiert hat. Hat die Partei nicht immer deregulierte Märkte gefordert und hat nicht die Tatsache, dass der Finanzmarkt sich mit freundlicher Unterstützung der Politik etwas arg dereguliert hat, mit dem zu tun, was wir nun erleben? Die FDP spricht natürlich auch von einem so genannten Ordnungsrahmen. Nur geht der, wenn ich richtig zuhöre, immer zu weit. Jedenfalls muss man das für Deutschland so feststellen. Mir ist nicht an Verstaatlichung gelegen oder an zu viel Einfluss des Staates. Nur – diese Frage kann keiner wirklich beantworten – wo sind die Grenzen und wo gerät etwas aus den Fugen? Heute las ich, dass allein die deutschen Banken auf weiteren geschätzten 300 Mrd. Euro fauler Papiere sitzen. Wie kommt etwas derartiges zustande?

    Natürlich hast du Recht, wenn du die Versuchung beschriebst, alles “Ungeliebte in einem Aufwasch zum Schuldigen zu erklären”. Ich sehe nicht nur auf den Finanzsektor. Ich sehe auch, was Gier z.B. in der Automobilindustrie zur Folge hat und noch haben wird. Ständig werden die Kapazitäten weiter ausgebaut. Natürlich immer nur deshalb, weil man ja wachsen muss. Ohne Wachstum geht’s es ja angeblich nicht. Wir werden nun erleben, was wir davon haben werden.

    Was mich am meisten stört ist, dass den Politikern nun vorgehalten wird, sich in bloßem Aktionismus zu betätigen. Das ist so unfair. Wieder sind die Liberalen vorn dabei. Ich würde gern sehen, was sie täten, wenn keine Konjunkturpakete verabschiedet worden wären. Vermutlich Beifall klatschen. :-[

    Als Guido Westerwelle im letzten Jahr Naomi Kleins Buch “Die Schock-Strategie” als plumpes Buch gegen die Globalisierung verteufelt hat, sagte er vielleicht etwas sehr richtiges:

    Ein Dokument einer Ideologie, die vorgibt, in romantischer Manier für die Unterdrückten und Entrechteten zu kämpfen, die aber kaum kaschieren kann, wie sehr sie von Verlustängsten geplagt wird.

    Natürlich stimmt das. Der zweite Teil jedenfalls. Und es ist bestimmt auch richtig, dass wir uns der Globalisierung nicht entziehen können. Das heißt aber nicht, dass solche Einsichten einen zwangsläufig dazu führen müssen, die Sichtweisen der Liberalen zu teilen.

    Ich begreife auch nur halbwegs, wie moderne Ökonomien funktionieren und gebe das auch unumwunden zu. Ich begreife nicht, dass jemand der Wirtschaftswissenschaften studiert hat und die Dinge sehenden Auges verfolgt, offenbar nicht von der Sorge geplagt ist, dass das System versagen und kollabieren könnte. Schließlich ist das alles schon geschehen. Nein, ich will nicht, dass der Staat uns vor einem Versagen “des Systems” bewahrt. Ich möchte aber dafür plädieren, dass zumindest ein bisschen mehr auf das reflektiert wird, was bestimmt sehr viele Menschen beschäftigt.

  10. Hat die Partei nicht immer deregulierte Märkte gefordert

    Ich wünschte, das könnte man generell so sagen. Kann man aber leider nicht. Klar, die FDP ist in vielen Fällen die Partei, die für mehr individuelle Freiheit und gegen mehr Kollektivregelungen ist, aber das meist nur in homöopathischen Dosen.

    Ein deregulierter Finanzmarkt wäre einer ohne staatliches “fiat money”, also z.B. einer mit konkurrierenden Währungen. Will man das nicht (und ich kenne keine deutsche Partei, die auch nur entfernt daran denkt), hat man sich schon für Regulierung entschieden, die Frage geht dann nur noch um das Ausmaß und die Art. Und da kann man nicht gerade behaupten, dass sich deutsche Banken, berichtend an Bundesbank und Bafin, immer mit Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat, oft auch mit Politikern, besser angestellt hätten als ihre amerikanischen Gegenüber. Es ist nicht so, dass irgendeine Regulierung, die man abgeschafft hat, diese Krise verhindert hätte – vielmehr ist man noch am Grübeln, wie man sowas in der Zukunft sinnvoll vermeiden kann, ohne den Kapitalmarkt lediglich auf eine andere Art zum Erliegen zu bringen. Ich wage aber die Wette, dass man es nie wird ganz verhindern können. Es sei denn natürlich, man wählt die Nordkorea-Option.

    Heute las ich, dass allein die deutschen Banken auf weiteren geschätzten 300 Mrd. Euro fauler Papiere sitzen. Wie kommt etwas derartiges zustande?

    Zum Teil eben durch Gezocke, zum Teil aber auch als Folge eines positiven Regelkreises, der sich jetzt in die andere Richtung gedreht hat. Das ist so, wenn man mit reinen Erwartungen über komplexe Sachverhalte handelt. Da kann eine winzige Information aus etwas Großem in Sekunden einen Flop machen. Irgendwann will ich dazu mal was bloggen, aber dazu brauche ich ein paar Tage freie Zeit, die ich wohl erstmal nicht habe.

    Ich begreife nicht, dass jemand der Wirtschaftswissenschaften studiert hat und die Dinge sehenden Auges verfolgt, offenbar nicht von der Sorge geplagt ist, dass das System versagen und kollabieren könnte.

    Einmal schon nicht, weil es “das System” gar nicht gibt. Teilsysteme können versagen, und beim internationalen Finanzsystem ist das jetzt der Fall. Aber wir sehen ja auch schon, wie es zu gegenläufigen Effekten kommt. Zum Beispiel fallen Energie- und Lebensmittelpreise, was für viele Menschen wichtiger sein dürfte als ein funktionierender Kreditmarkt. Und letztlich kann der reale Reichtum, der aus der Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft wie der deutschen besteht, sich nicht in Nichts auflösen, auch wenn die hin und wieder nötigen Transformationsprozesse für einige besonders schmerzhaft sein werden.

    Und genau da würde auch meine Kritik an den ganzen Rettungspaketen ansetzen. Beim Finanzsystem halte ich das wegen der Auswirkungen der Alternativen für sinnvoll, aber es ist aus meiner Sicht Unsinn, viel Geld auszugeben, um bestehende Strukturen zu konservieren (z.B. die Automobilindustrie). Ich finde es sinnvoller, wenn man denn schon mit dem Füllhorn herumläuft, den Menschen direkt das Geld in die Hand zu geben. Einmal, weil sie es brauchen, um den Anpassungsprozess durchzustehen. Und weil sie selbst entscheiden sollen, wofür es ausgegeben wird.

    Zu guter Letzt: Wenn ich Keynes wirklich etwas übel nehme, dann ist es der durch seine Lehre geförderte (aufgrund verzerrender Darstellung) Eindruck, man könne mit Konsum Wohlstand erzeugen. Selbstverständlich ist das falsch: Konsum erzeugt Wohlstand nicht, sondern er ist dessen Folge. Wohlstand entsteht in der Produktion. So lange also die Köpfe und die Maschinen noch da sind, mit denen wir gestern all die schönen Dinge hergestellt haben, die unseren materiellen Reichtum ausmachen, so lange können wir die auch morgen wieder herstellen.

  11. @Rayson: Danke für diese Ausführungen. Über diese muss ich nachdenken.

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