Vermissen wir Deutsche geistige Führung? Was stellen wir uns unter diesem Begriff eigentlich vor? Welche Bedeutung haben Charisma, Elite und Führung in der heutigen Zeit?
Auf diese Fragen versuchte die 3Sat-Sendung “Über Stauffenberg und “geistige Führerschaft” Antworten zu finden. Anlass war der Kinostart von Tom Cruise neuem Film “Operation Walküre”. Interessant war dieses Thema nicht nur in Bezug auf den Widerstand im 3. Reich bzw. die Leute um Stauffenberg, sondern weil manche sich angesichts des Hypes um Barack Obama bestimmt fragen, wieso von manchen Menschen überhaupt eine so elektrisierende Wirkung ausgeht.
Ergibt sich ein Führungsanspruch auch noch heute im Wesentlichen aufgrund von Herkunft und Bildung oder gibt es in unserer Zeit andere Aspekte, die eine geistige Führerschaft begründen? Ein Mensch wurde damals und wird auch heute wohl nur dann überhaupt in die “Verlegenheit” geraten, eine Führungsposition zu übernehmen, wenn ihn persönlicher Ehrgeiz oder vielleicht auch ein bestimmtes Maß an Arroganz zu Eigen ist (besser vielleicht ein Gefühl der eigenen Überlegenheit über andere Menschen). Ich stelle das deshalb fest, weil nach meinem Eindruck Stauffenberg und die Leute um ihn herum ihre Motivation nicht aus der Verantwortung für andere Menschen oder abstrakter für das deutsche Volk geschöpft haben, sondern vielmehr aus einer elitären Grundhaltung heraus, die sich über andere Menschen stellt.
Nach ähnlichen Prinzipien funktionieren angeblich auch heutige Eliteschulen. Im Beitrag wird das von einer Journalistin ausführlich dargelegt. Ihren Beitrag hatte ich vor längerer Zeit schon gesehen. Den jungen Frauen und Männern wird in solchen Kaderschmieden vermittelt, dass sie allein durch den Besuch solcher Schulen in ihrem späteren Leben Karriere- und Führungsansprüche entwickeln könnten. Jedenfalls war dies die Botschaft des erwähnten damaligen Beitrages und Frau Julia Friedrichs hat das auch gestern eindringlich und, wie ich finde, glaubhaft dargestellt. Meine in den Augen mancher Leute vielleicht boshafte Frage danach, ob solche Überheblichkeit, die das Primat der Politik ausdrücklich abgeschafft sieht, nach dem Beginn der Weltwirtschaftskrise noch gilt, kann ich mir einfach nicht verkneifen.
Das klingt danach, als hätte ich ein Problem mit dem Begriff Elite. Habe ich eigentlich nicht.
Vielleicht kommt Obama ja tatsächlich aus einfachen Verhältnissen. Das habe ich schon so gelesen. Nur — Barack Obamas Eltern haben beide studiert. Er selbst hat eine vorzügliche Ausbildung absolviert und in ihrem Verlauf u.a. an der “Harvard Law School” studiert und später selbst an der “University of Chicago” Verfassungsrecht gelehrt.
Ohne einen ausgeprägten Führungsanspruch, der bestimmt einen Teil dessen beinhaltet, was ich oben beschrieben habe, wird niemand Präsident der USA oder Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland. Sicher nicht nur mir ist es wichtig, dass ich das Gefühl habe, dass derjenige, der einen klaren Führungsanspruch formuliert und durchzusetzen versucht auch klar macht, welchen Bezug er zur eigenen Verantwortung hat. Das ist nämlich eine Komponente, die ich in der gestrigen Debatte irgendwie vermisst habe.
Link zur Sendung – Auch ein Video-Stream der Sendung ist dort zu finden.












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