
“Welt online” behandelt die Studie “Ungenutzte Potenziale” des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, die die “Lage der Integration in Deutschland” untersucht hat.
Die Studie wird am Montag der Öffentlichkeit vorgestellt und sie dürfte, wie ähnliche Aussagen zuvor, für einigen Wirbel in der Republik sorgen. Und zwar trotz sicher auch wegen der zu befürchtenden Folgen der Finanz- und Weltwirtschaftskrise. Stichwort: Höhere Arbeitslosigkeit.
Das Umfrageergebnis macht die Tendenz schon deutlich. Es liegt vorwiegend an den Migranten und gehen wir noch ein Stück weiter, so sind 88% der ca. 3.250 Teilnehmer der Abstimmung der Meinung, dass das mit der Integration wohl nichts wird. Denn so sind wir Deutschen wohl immer noch nicht ganz klar in unseren Statements. Über die Hälfte (wieder bezogen auf das bisherige Ergebnis der “Welt-Online”-Umfrage) sagen heute allerdings: “Die Migranten müssen sich mehr integrieren. Vor ein paar Jahren hätte es wohl eher geheißen: “Wir müssen die Migranten mehr einbeziehen.”
Migranten sind hierzulande im Durchschnitt schlechter gebildet, häufiger arbeitslos und nehmen weniger am öffentlichen Leben teil als einheimische Deutsche. (Welt Online)
15 Millionen Menschen, die nicht in Deutschland geboren sind, leben heute hier mit uns. Der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund beträgt demnach knapp 20 Prozent. Bei dieser Studie wurden erstmals die verschiedenen Ethnien differenziert betrachtet, außerdem auch Migranten mit deutschem Pass. Außerdem spielten die unterschiedlichen Ausprägungen in den verschiedenen Bundesländern eine Rolle.
In den letzten Jahren haben wir erlebt, dass sich die Debatte weitaus lebhafter gestaltet als in früheren Jahren. Eindeutige Fehler, die mit unserer Integrationspolitik verbunden sind auf der einen Seite, wie die nun offen geäußerten gegenseitigen Vorbehalte, führten dazu, dass der Begriff “Multi-Kulti” diffamiert wurde und dass, nicht nur aber besonders, die Leute weit rechts des politischen Spektrums den Begriff des “Gutmenschen” in diese Gesellschaft getragen haben.
Dabei muss man wohl feststellen, dass auf allen Seiten große Fehler gemacht wurden. Die unterschiedlichen politischen Lager konnten sich zu lange nicht darauf verständigen, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist — mit weitreichenden Folgen. Man hat das Thema und die elementaren Aufgaben einer vernünftigen Integrationspolitik damit beiseite geschoben. Es fehlte zu lange an der gebotenen Klarheit. Stattdessen wurde über so etwas abstraktes wie Leitkultur diskutiert. Statt zum Beispiel gleich klar zu sagen, dass jeder, der hier leben möchte, die deutsche Sprache beherrschen muss und vor allen Dingen nach den Gesetzen dieses Landes zu leben hat. Und zwar ohne Wenn und Aber. Vielleicht fürchteten die Verantwortlichen, dass das Pendel der politischen Inkorrektheit gar zu arg gegen sie selbst zurückgeschlagen hätte. Jedenfalls war diese Zurückhaltung völlig falsch, und zum Glück besteht darin heute Einigkeit.
Die aktuellen Diskussionen enthalten allerdings auch Elemente, die wiederum von Kleinmütigkeit und mindestens verdeckter Ausländerfeindlichkeit gekennzeichnet sind. Ich spreche von solch überflüssigen Debatten wie der über die Moscheebauten in irgendwelchen Städten dieses Landes.
Aber kommen wir zur Problemgruppe Nr. 1. Die Studie sagt aus, dass dies die Türken sind. Die Türken. War ja klar. Nur 32% der hier lebenden Türken haben bisher die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen. Ich weiß nicht, ob man fast 1/3 der Menschen als “NUR” bezeichnen kann. 30% der Türken oder Türkischstämmigen besitzen keinen Schulabschluss, nur 14% haben das Abitur. Es passt also ganz und gar nicht zu dem, was uns unsere Politiker zu Recht seit Jahren, gerade im Zusammenhang mit der Globalisierung, vorbeten: Bildung, Bildung, Bildung. Diese, halten wir also fest, fehlt insbesondere den Türken.
Und warum hören die deutschen Türken das nicht? Sie sie zum dumm, um diesen einfachen Wirkungszusammenhang zu begreifen und können wir Deutsche sie dazu zwingen, diesen Bildungsrückstand wettzumachen? Natürlich nicht. Sie müssen aber schon von selbst mittun. Es macht Sinn, immer wieder darauf hinzuweisen, wie wichtig es ist, die Sprache des Heimatlandes zu beherrschen. Man wird sich nie richtig integrieren können und hier auch nicht wohlfühlen, wenn man die deutsche Sprache nur unzulänglich beherrscht. Man sollte aber für meine Begriffe auch dahin kommen, dass man die Weigerung, Deutsch zu lernen sanktioniert. Sicher ist es schwierig, so etwas praktisch zu gestalten. Aber ohne Sanktionen wird das offenbar nichts werden. Zu viele Türken ziehen sich immer noch in die Privatsphäre, ihre Enklaven, zurück und können dort über Jahrzehnte mit bestenfalls rudimentären Kenntnissen der deutschen Sprache auskommen. Das geht nicht!
Längst ist die oft zitierte Parallelgesellschaft entstanden. Und eines dürfte wohl Türken wie Deutschen klar sein. Solche Themen bestimmen immer dann eine Diskussion, wenn die wirtschaftliche Situation im Land sich verschlechtert. Aus den Statistiken wissen wir, dass der Anteil der ungelernten Arbeitslosen ganz besonders hoch ist. Die Türken sind in dieser Gruppe stark repräsentiert. Und der Anteil wird zunehmen. Davon ist auszugehen, weil die Folgen der Globalisierung sich eher verstärken und beispielsweise Industriearbeitsplätze weiter verloren gehen werden. Bildung, Flexibilität, hohes Engagement und die Bereitschaft, viel auf sich zu nehmen, werden noch stärker gefordert sein. Diesen Anforderungen wird man nur gewachsen sein, wenn man integrativer Bestandteil einer Gesellschaft ist und nicht so etwas wie ein fünftes Rad am Wagen.
Hoffentlich werden auch die Türken diese Zusammenhänge begreifen. Ansonsten sehen uns neben den generellen sozialen Problemen, mit denen wir angesichts der Wirtschaftsprobleme zu rechnen haben, vor allem deshalb eine verschärfte Konfrontation mit “den türkischen Migranten” bevor. Das macht mir Sorgen.












(Y) . (Y)
Gilbert´s letzter Blogbeitrag: Deutsche Tugenden
Danke. Strich im Kalender!
Naja, auf der anderen Seite handelt es sich um Die Welt. Deren politische Stoßrichtung sollte schon bekannt sein. Darum schreibe ich nichts mehr dazu. Vor allem, um dir keinen Ärger zu bereiten…
@Mario H.Die Konservativen haben für dieses Thema vielleicht eine eigene Sichtweise. Ob allerdings die Ergebnisse der Studie, auf die im Bericht Bezug genommen wurde, so falsch sind? Ich glaube ehrlich gesagt schon eher, dass sie zutreffen. Damit stößt man eine kritische Diskussion an. Und genau die brauchen wir in meinen Augen dringend. Es ist ja nett von dir, dass du daran denkst, mir keinen Ärger zu bereiten aber deine Meinung zu diesem Thema würde mich schon sehr interessieren.