Seit dieser Woche bekommen sechs neue Branchen Mindestlöhne. Die Politik klopft sich auf die Schulter. Die eigentlichen Verlierer sind die Ärmsten und Schwächsten. Denn Mindestlöhne vernichten Jobs und drängen Menschen in die Sozialhilfe. Doch das genau ist das Kalkül der vereinigten Linken. (Welt, Romanus Otte)
Was stimmt an dieser Einführung nicht, die Romanus Otte in einem Kommentar bei “Welt Online” geschrieben hat? Na? Na? Genau!
Die Zahl der Leute, die zum Sozialamt müssen und zwar obwohl sie Arbeit haben, steigt und steigt. Working poor ist das Stichwort. Nur das scheint auch bei Herrn Otte noch nicht angekommen zu sein.
Insofern finde ich seinen Kommentar verlogen und natürlich auch für unsozial! Die Unterstellungen in Richtung der neuen Linke (was ist das eigentlich?) sind einfach nur lächerlich (s.u.). Der Mann soll noch mal einen langen Blick auf seine Gehaltsüberweisung werfen (wenn er denn eine kriegt. Vielleicht ist er ja Praktikant oder Freiberufler mit andersgeartetem Einkommen). Journalisten steht ja offenbar auch keine rosige Zukunft ins Haus.
Die Linke will den Arbeitsmarkt wieder gegen die Schwächsten abschotten. Sie sollen wieder vom Markt gedrängt und mit Sozialfürsorge ruhiggestellt werden. Der Linken passt das doppelt ins Kalkül: Sie hat Erfolg bei ihrer klassischen Klientel, indem sie die unteren und mittleren Einkommen stabilisiert. Und sie setzt darauf, dass auch jene, die auf staatliche Fürsorge zurückgeworfen werden, für sie eher ansprechbar sind.
Nein, man muss vom Mindestlohn nicht unbedingt etwas halten. Aber solchen Blödsinn braucht man dazu nicht abzusondern. Insbesondere zu dem, was die Beweggründe derjenigen angeht, die anders denken als man selbst.
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4 Antworten : “Mindestlöhne führen Menschen zum Sozialamt?”














Ich arbeite in einer Branche, die nun Mindestlohn/Lohnuntergrenze bekommt (Wach- und Sicherheitsgewerbe). Habe dazu auch in meinem Blog geschrieben (blog.lutz-nelde.de...icherheitsgewerbe/). Was passiert nun in unserer Branche u.a.? Arbeitgeber werden aus dem Arbeitgeberverband austreten. Am Mindestlohn werden sie nicht vorbeikommen. Aber andere Leistungen werden gestrichen oder gekürzt. Abgesehen von diesen Minilöhnen, von denen man nur existieren kann (nicht leben), müssen Stunden geschrubbt werden. Perspektivisch gesehen wird das alles natürlich Einfluss haben auf die spätere Rente. Vorsorge dafür, wovon denn. Auch andere soziale Auswirkungen sind zu verzeichnen. So z.B. die vielen Arbeitsstunden machen Ehen und Familien kaputt, weil (i.a.R.) der Mann mehr auf Arbeit ist als zu Hause.
Noch ein anderer Aspekt. Wach- und Sicherheitsleute sind natürlicherweise in vielen sensiblen Bereichen tätig und sollen Leben und Sachwerte schützen. Ausgerechnet jenen, die ihren Kopf hinhalten sollen will man einen Mindestlohn zahlen. Ich arbeite seit 15 Jahren in dieser Branche, in unterschiedlichen Bundesländern, unterschiedlichen Firmen und in unterschiedlichen Einsatzobjekten mit unterschiedlichen Berufsgruppen. Ich höre an dieser Stelle lieber auf. Vielleicht sollte ich ein Buch darüber schreiben.
LuNeX´s letzter Blogbeitrag: Mindestlohn im Sicherheitsgewerbe
Ich habe bei dir gelesen und weiß ein bisschen über deinen Tagesablauf. Das ist nicht hart, sondern ultrahart. Und ich beklage mich, weil ich die Woche über nicht Hause sein kann. Dabei habe ich mittlerweile inzwischen 1 Homeofficetag. Das bedeutet, ich übernachte 4 x zu Hause und nur 3 x in der Nähe meines Arbeitsplatzes. Außerdem habe ich im Großen und Ganzen normale Arbeitszeiten. Auch wenn ich häufig mal zwischen 10 und 12 Stunden da bin. Aber was ist das im Vergleich zu deinem Beispiel?
Wenn ich dich richtig verstehe, stehst du dem Mindestlohn kritisch gegenüber. Kann ich verstehen. Ich bin auch immer noch unentschieden. Allerdings fand ich den Kommentar dieses Welt-Typen provozierend. Die Auswirkungen, die die kleinen Löhne von heute in vielen Branchen haben, insbesondere auch für das Rentenniveau der Betreffenden, hat er beispielsweise komplett ausgeblendet. Du sprichst ja die Selbstvorsorge an. Wie soll man das bei solchen Einkommen denn noch bestreiten?
Der Fairness halber muß ich sagen, dass der Mindestlohn mich persönlich nicht trifft, weil ich in Bayern wohne und arbeite und es hier einen für die Branche guten Tarifvertrag gibt. Mein Arbeitgeber, Kötter Security, gehört zu jenen, über die man sich nicht wirklich beschweren kann. Was auch in dieser Branche nicht immer üblich ist, bei Kötter ist der Lohn immer pünktlich auf dem Konto.
LuNeX´s letzter Blogbeitrag: Mindestlohn im Sicherheitsgewerbe
Das freut mich zu hören. Das Bayernländle hat eben gerade in dieser Beziehung schon einige Vorteile. Aber ich glaube, das Wohnen ist auch ziemlich teuer, der Lebensstandard insgesamt. Aber zwischen Bayern bzw. der Region um München herum und Berlin wird wohl kein so großer Unterschied sein – oder? Mein Vetter lebt übrigens seit ein paar Jahren in Ingolstadt. Er ging aus beruflichen Gründen nach Bayern. Seine Freundin ist ihm später gefolgt und im November haben sie geheiratet.