Am 11. Oktober 1962 begann das “Zweite Vatikanische Konzil”. Papst Johannes XXIII. rief es aus, um die katholische Kirche zu reformieren. An diesem Tag hatten wir schulfrei. Ich kann mich erinnern, das unser Dechant uns an damals in die Freizeit entließ, nicht ohne zu erwähnen, dass dieses Konzil etwas Wichtiges und auch sehr Seltenes sei. Das habe ich nicht vergessen. Vermutlich auch wegen des freien Schultages.
Das Konzil hat eine Reihe von positiven Veränderungen gebracht. Auch Leute, die der christlichen Kirche nicht nahestehen werden vielleicht wissen, dass es innerhalb der katholischen Kirche starke Widerstände gegen die Liberalisierung (sofern man dieses Wort für die Veränderungen nicht zu groß ist) gab. Der Kern dieses Widerstandes fand sich um den französischen Erzbischofs Marcel Lefebvre. Der Papst hat später ihn und seine Gefolgsleute exkommuniziert.
Papst Benedikt XVI. macht das nun rückgängig. Lefebvre selbst ist im Jahr 1991 verstorben. Seine Anhänger vertreten jedoch auch heute noch die abweichende Haltung zu den Modernisierungen innerhalb der katholischen Kirche. Und wir wissen, dass diese so zahlreich nicht waren. Eine Änderung war beispielsweise, dass die Liturgie nicht mehr in lateinischer, sondern in der jeweiligen Landessprache stattfinden kann. Etwas, woran wir uns seit Jahrzehnten gewöhnt haben. Ich würde ungerne darauf verzichten und könnte damit leben, wenn bei Hochämtern oder bei hohen Feiertagen alternativ (freiwillig) darauf zurückgegriffen würde. Wenn ich das richtig weiß, ist das heute sogar so geregelt. Außerdem wurde Aspekte der Ökumene und das Verhältnis zur katholischen Ostkirche behandelt.
Der Vatikan begründet Benedikts Entscheidung damit, dass er dem "spirituellen Unbehagen" wegen der Strafe der Exkommunikation mit väterlicher Einfühlsamkeit begegne. Ja, wenn’s so ist.
Mal sehen, ob in der nun folgenden Diskussion die Veränderungen für die katholische Kirche und ihre Mitglieder im Vordergrund stehen wird oder die “Begnadigung” eines Lefebvre-Anhängers, der als Holocaust-Leugner im Mittelpunkt des Interesses der jüdischen Gemeinden steht. Bischof Williamson hat die Ermordung von 6 Millionen Juden in Konzentrationslagern abgestritten. Dieser Umstand ist natürlich von ganz besonderem Interesse. Da spielt es auch keine Rolle, dass der Vater von Marcel Lefebvre im französischen Widerstand gegen die Nazis gekämpft hat und im Jahre 1944 in einem deutschen KZ gestorben ist.












Komisch ist das Ganze schon, wenn ich mir das so ansehe und auch hier lese. Er mag vielleicht auf der einen Seite mit seiner Begründung schon irgendwo Recht haben, aber ich glaube, dass diese Entscheidung nicht genau genug durchdacht worden ist. Nämlich sehe ich auf der anderen Seite noch große Bedenken ob es wirklich die richtige Entscheidung ist. Ich muss sagen, dass ich der Sache wirklich mit großer Skepsis gegenüber stehe. Aber das wird den Papst wohl nicht viel interessieren vermute ich mal.